Portal

Was der Bibliothek der gute alte Katalog war, ist dem Internet das Portal. Jede Website, die etwas auf sich hält, nennt sich heute – ganz modisch und neudeutsch – ein Portal.

Neudeutsch? Uraltdeutsch wäre richtiger. Denn wie so oft, wenn’s um unsere Sprache geht, ist die Antike nicht weit. Der Ursprung des Portals ist das lateinische porta, die Tür. Das Tor ist ein so einprägsames Sinnbild für Eingang oder Übergang, dass es als lateinisches Lehnwort gleich mehrmals ins Deutsche übernommen wurde. Und jedes Mal entstand daraus ein anderes deutsches Wort.

Schon im ersten Jahrhundert vor Christus wurde porta eingedeutscht – zur heutigen Furt, dem seichten Durchgang durch einen Fluss, den man an dieser Stelle mit Pferd und Wagen durchqueren konnte, ohne jämmerlich zu ersaufen.

Aber auch die wörtliche Übersetzung der lateinischen Tür fand ihren Weg zu den Germanen: Das war etwa im sechsten Jahrhundert und führte zur heutigen Pforte.

Noch später, als Prachtbauten in Mode kamen, besann man sich wieder auf die grossen antiken Vorbilder – und nannte ein prunkvolles Tor Portal. Und da sich die neuen Medien nicht gerade durch übermässige Bescheidenheit auszeichnen, muss heute als Bezeichnung für Einstiegsseiten ins Internet natürlich der vornehmste dieser Begriffe herhalten: eben das Portal.

Wieviel bescheidener ist da für einmal das Englische: Die grösste Bibliothek der Welt, die Library of Congress in Washington, nennt ihre Portalseite schlicht und einfach home.

Post

Seit er schreiben kann, schreibt der Mensch Briefe. Schon 3200 vor Christus kratzten Sumerer ihre Nachrichten auf Tontafeln, seit 500 vor Christus Römer die ihren in Wachs. Als teuer, aber praktisch erwies sich das Pergament, das leichter zu transportieren war, doch seinen eigentlichen Durchbruch erzielte der Brief mit dem ums Jahr 100 nach Christus in China entwickelten Papier.

Von allein finden die Briefe ihren Weg kaum; im allgemeinen braucht es dazu die gute alte Post. Alt ist dabei wörtlich gemeint: Einen verlässlichen Botendienst für die Staatsverwaltung gab es schon im alten Persien. Ein Postwesen im modernen Sinn entwickelten dann die alten Römer, zur Kaiserzeit in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus. Daher auch der Name: Post kommt vom lateinischen a positis equis – also vom Ort, wo es Boten und vor allem Pferde zur Beförderung gab.

Auch Email und SMS haben nichts daran geändert: Das Briefeschreiben kommt nicht aus der Mode. Fast 4 Milliarden Briefe stellt allein die schweizerische Post jedes Jahr zu. Und würde die Post sie nicht befördern, sondern säuberlich stapeln, entstünde da jeden Tag ein Turm von mehr als 20 Kilometern Höhe. Dass die Post täglich auch noch 300 000 Menschen ans Ziel bringt, 400 000 Pakete befördert, und 3,3 Millionen Zahlungen abwickelt, sei hier nur am Rande erwähnt. Mit Boten und Pferden ist das nicht mehr zu leisten. Dafür braucht es modernste Technik und Verkehrsmittel – und insgesamt 44 000 Angestellte. Ohne sie käme kein Feriengruss, keine Liebeserklärung jemals ans Ziel.

Die Liebe ist eine Himmelsmacht, und trotzdem: Die allermeisten Briefe sind geschäftlich und knapp gehalten. Und auch das war schon bei den alten Römern so: Brief kommt nämlich vom lateinischen brevis, und das heisst kurz.

Post-it

Sollte das papierlose Büro jemals Tatsache werden – sie werden unersetzlich bleiben: die kanariengelben, quadratischen, auf der Rückseite mit Spezialkleber versehenen Merkzettel namens «Post-it». Auf ihnen notieren wir Aufgaben, Einkaufslisten, Liebesbriefe, und dann kleben wir sie lustvoll in Bücher, auf Kühlschranktüren und Fensterscheiben. Kaum zu glauben, dass wir dem patenten Klebezettel schon seit 30 Jahren auf den Leim gehen.

Post-it
Post-it
Ende der sechziger Jahre knobelte der Chemiker Spencer Silver von der Minesota Mining and Manufacturing Company, kurz 3M, an einem Superkleber der Zukunft herum. Doch das einzige, was Silver in jahrelanger Forschung zustande brachte, war eine klebrige Masse, die zwar auf jeder Oberfläche haftete, aber auch genauso leicht wieder abzulösen war.

Das rief Silvers Kollegen Art Fry auf den Plan. Der war, so will es jedenfalls die 3M-Firmengeschichte, begeisterter Sänger im Kirchenchor und ärgerte sich immer wieder über die aus dem Gesangbuch herausfallenden Notizen. Also schnitt sich Fry handliche Zettel zurecht, borgte sich etwas Testleim von seinem glücklosen Kollegen – und fertig war das erste Post-it. Es haftete zuverlässig im Gesangbuch und liess sich nach Gebrauch mühelos und ohne Rückstände wieder entfernen.

Heute kleben Post-its zu Abermillionen an den aberwitzigsten Orten und Örtchen, und längst gibt es auch Post-it-Software und -Onlinedienste, die fast genau so simpel sind. Aber eben nur fast. Denn bevor wir zu den virtuellen Merkzetteln greifen können, müssen wir uns anmelden – natürlich mit dem Passwort, das wir uns nie merken können. Weshalb wir es notieren und, als Post-it, auf den Bildschirm kleben.

Postfach

1873 hält die Moderne Einzug: Nach dem Vorbild der beliebten lock boxes in den USA eröffnet die Schweizerische Post als eines der ersten Länder Europas ihre allererste Postfachanlage. Sie besteht aus Dutzenden abschliessbarer Fächer, in die frühmorgens alle ankommenden Briefe einsortiert werden.

Das Postfach bietet seinem Besitzer drei Vorteile: Er braucht erstens nicht auf den Briefträger zu warten, sondern kann seine Briefpost abholen, so früh er mag. Zweitens kann er seine Wohnadresse für sich behalten: Die Postadresse lautet nur auf das Postfach, dessen Nummer und den Ort. Und drittens verteilen grössere Poststellen die eintreffende Post gleich mehrmals pro Tag. Das Postfach ist daher eine patente Dienstleistung für Firmen, Behörden, Vereine und für ungeduldige, auf Diskretion bedachte Briefeschreiber.

1873 noch postalische Avantgarde, haben E-Mail und Smartphone dem Postfach in den letzten 10 Jahren arg zugesetzt. Heute gibt es in der Schweiz noch rund 360 000 Postfächer. Doch obwohl die Post jährlich immer noch rund 18 Millionen Briefe zustellt, stehen 150 000 Postfächer leer. Das kommt die Post teuer zu stehen: In Städten stehen Postfachanlagen oft an Orten mit hohen Mieten.

Im Gegensatz zu den Telefonkabinen, die noch immer zur Grundversorgung der Post gehören, sind die Postfächer nicht Teil des gesetzlich vorgeschriebenen service public. 200 Anlagen wurden schweizweit bereits abgebaut, und die Nachfrage sinkt weiter. Obwohl sich die Postkunden eigentlich freuen könnten: Bei mehr als fünf adressierten Briefen pro Tag ist der Dienst nämlich gratis. Weil die Briefe auf Papier aber immer weniger werden, ist auch das Postfach immer mehr ein Dienst von gestern.

Postscheck

Noch vor 150 Jahren war Bezahlen eine umständliche Sache. Man musste Bargeld mit sich tragen – bei Hunderten verschiedener Münzen allein auf dem Gebiet der Schweiz alles andere als trivial. Der Gläubiger wiederum musste über Wechselgeld verfügen. Und ob man den Weg selbst unter die Füsse nahm oder einen Boten schickte: Immer konnte etwas schiefgehen, sehr zur Freude der Langfinger.

Abhilfe tat Not. Am 1. Januar 1906 nahm die Schweizerische Post daher ein Zahlungssystem in Betrieb, das ohne Bargeld auskam – nach dem Vorbild Österreichs, das einen solchen Dienst bereits seit 1883 besass. Erstaunlich genug: Für das Geschäft mit dem Überweisen von Geld hatten sich die Banken nie interessiert – zu klein die Beträge, zu gross der Aufwand. Ohnehin wurden die Zahlungen Anfang des 20. Jahrhunderts noch in bar vorgenommen: Der Zahltag steckte noch in der Lohntüte aus Papier, die Miete drückte man dem Hausbesitzer persönlich in die Hand.

Der neue Postscheck-Dienst war ein Kassenschlager. Der sichtbare Teil des neuen Service war der Einzahlungsschein (wie dieser korrekt auszufüllen war, wurde lange Zeit sogar an den Schulen gelehrt). Nachgelagert aber bestand der Dienst aus einer mächtigen staatlichen Infrastruktur, bestehend aus den vielen Poststellen, an denen man die Zahlungsaufträge aufgab, den Postscheckämtern, die die Aufträge sammelten, und schliesslich den Rechenzentren, in denen die Anweisungen anfangs manuell, seit den 1970er-Jahren dann zunehmend maschinell verarbeitet wurden.

Heute ist bargeldloses Zahlen Alltag. Doch schon steht die nächste Revolution vor der Tür: das kontaktlose Bezahlen per Handy und per Smartwatch.