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Jackpot

«Jackpot» ist Englisch und kommt von jack, dem Buben im Kartenspiel, und pot für «Topf». Sein Ursprung ist eine Eröffnungsvariante des besonders im Wilden Westen beliebten draw poker. Bevor die Karten ausgeteilt werden, legt jeder Spieler einen festgelegten Betrag in den pot, also in die Tischmitte. Danach teilt der Geber aus und fragt der Reihe nach jeden Spieler, ob er zwei oder mehr Buben in der Hand halte. Tut das keiner, ist die Runde beendet, der Einsatz verbleibt im Jackpot, und die Karten werden neu ausgegeben. Erst wenn ein Spieler tatsächlich zwei oder mehr jacks hat, beginnt das eigentliche Spiel, dessen Gewinner am Ende den gesamten Jackpot einstreichen kann.

Den Jackpot kennen wir vor allem vom Lotto. Die Regeln sind hier ganz ähnlich: Der Jackpot besteht aus der Gesamtheit der Spieleinsätze, und solange niemand die Bedingungen für einen Gewinn erfüllt, erhöht sich die Gewinnsumme immer weiter. Da kann eine Menge Geld zusammenkommen. Am 23. August 2014 traf ein Spieler mit den Lottozahlen 3, 4, 7, 21, 22, 23 und der Glückszahl 2 ins Schwarze und gewann den bisher grössten Jackpot der Schweiz im Umfang von 48,6 Mio. Franken.

Gewinne, ob im Lotto oder beim Pokern, wecken nicht selten ungezügelten Neid. Als der Revolverheld «Wild Bill» Hickok 1876 im Saloon einer Goldgräbersiedlung im US-Bundesstaat South Dakota beim Pokern sass, wurde er von «Broken Nose» Jack McCall hinterrücks erschossen, der tags zuvor Unsummen an Hickok verloren hatte. Das Blatt des Opfers – zwei schwarze Asse, zwei schwarze Achten – heisst seitdem dead man’s hand, das Blatt des toten Mannes.

Sparschäler

Jahrhundertelang wurde Gemüse mit dem Messer geschält. Das brauchte Geschick, und trotzdem fiel immer ein Teil dem Schneiden zum Opfer. Seit den späten 1930er-Jahren gab es zwar einen deutschen Sparschäler zu kaufen, der einem normalen Küchenmesser glich, aber auch der war nicht sonderlich praktisch.

Dem schuf Alfred Neweczerzal Abhilfe. Der in Davos geborene Elektromechaniker und Marktfahrer mit tschechischen Vorfahren war ein begnadeter Tüftler. 1947 liess er seinen neuartigen Küchenhelfer patentieren, mit dem sich Gemüse kinderleicht schälen liess, und taufte ihn auf den Namen «Rex». Ein U-förmig gebogener, ergonomischer Alubügel, darüber eine quer liegende, bewegliche Doppelklinge, die sich jederzeit der Gemüseform anpasst und nichts als die dünne Schale entfernt, dazu an der Seite eine kleine gebogene Zusatzklinge, mit der sich Kartoffelaugen bequem herausschneiden lassen.

In schlichtem Alu, heute auf Wunsch in allen Regenbogenfarben, als Jubiläumsausgabe sogar vergoldet: Neweczerzals Sparschäler ist Kult – jährlich wird er weltweit rund eine Million Mal verkauft. Jahrzehntelang wurde der «Rex» vom Familienunternehmen Zena AG in Affoltern am Albis hergestellt, das 2020 von Victorinox übernommen wurde. Seine elegante Form und seine einfache Handhabung machten den Sparschäler made in Switzerland zum Designklassiker, den 2003 sogar die Schweizerische Post mit einer 15-Rappen-Briefmarke verewigte. Ein Klassiker zum Schnäppchenpreis: Der «Rex» kostet bis heute fast genau gleich viel wie 1947: im günstigsten Fall 1.95 Franken.

Boykott

Charles Cunningham Boycott, geboren 1832, war Captain der britischen Armee und Gutsverwalter für den Earl of Erne, der in Irland ausgedehnte Ländereien besass. Sein Ruf als Menschenschinder eilte Boycott voraus: Rechtshändel, Gewaltandrohung gegen ansässige Farmer, Diebstahl von Strandgut aus gesunkenen Schiffen und dergleichen mehr. Als Verwalter trieb Boycott bei den Bauern in der Grafschaft Mayo die Pachtzinsen ein. Er war hochnäsig, kleinlich und rücksichtslos, und als Engländer war er den irischen Bauern ohnehin suspekt.

Im August 1880, nach einer schlechten Ernte, traten die zahlungsunfähigen Bauern in einen Streik. Sie weigerten sich, weiter für Boycott zu arbeiten oder mit ihm Handel zu treiben. Im Gegenzug rekrutierte dieser königstreue protestantische Arbeiter aus Ulster, die unter dem Schutz Hunderter Soldaten die Ernte einbrachten, worauf sämtliche Pächter und Landarbeiter, unterstützt von der irischen Landliga, ihre Verträge kündigten. Die Eisenbahn weigerte sich, Boycotts Vieh zu transportieren, und die Ladenbesitzer verkauften ihm keine Waren mehr. Boycott begann Pächter mit Gewalt von ihren Farmen zu vertreiben, worauf sämtliche Angestellten – Bauern, Landarbeiter, selbst der Schmied, der Postbote und die Wäscherin – aus Protest wegzogen. Am Ende sah sich Boycott gezwungen, Irland zu verlassen.

Als die London Times im November 1880 über den eskalierenden Konflikt berichtete, benutzte sie zum ersten Mal das Verb to boycott, und so gelangte das neue Wort ins Englische und in die ganze Welt.

Casino

Fjodor Dostojewskis Roman «Der Spieler», fieberhaft in nur 26 Tagen seiner Stenografin und späteren Ehefrau Anna diktiert, war eine Studie seiner eigenen Sucht: Geld rann Dostojewski wie Wasser durch die Finger, Spielcasinos zogen ihn magnetisch an.

Doch nicht immer war das Casino ein Ort des Lasters. «Casino» war ursprünglich bloss ein Diminutiv von casa und bedeutete auf Italienisch einfach «Häuschen», etwa ein schmuckes Gartenhaus, wie es italienische Barockfürsten bauen liessen. In Venedig war ein «casino» ein privater Raum, den Adlige in der Nähe des Dogenpalastes unterhielten, um dort vor Ratsversammlungen ihre Amtstracht anzulegen; der legendäre Venezianer Giacomo Casanova wohnte zeitweise gar in einem dieser Casinos.

Im frühen 19. Jh. begannen die vielen neu gegründeten politischen, kaufmännischen, literarischen, musikalischen und Bildungsvereine sogenannte «Casinos» zu bauen, die bald wichtige Orte städtischer Geselligkeit waren. Das Offizierscasino war ein Speise- und Gesellschaftsraum, und an der Stelle des heutigen Bundeshauses in Bern stand bis 1895 ein Casino mit Restaurant und einem grossen Saal für Tanz und Theater. Auch das heutige, 1909 eröffnete Casino Bern ist ein Konzerthaus.

Zum Mekka der Spieler wurde das Casino wiederum in Venedig: 1638 wurde im Palazzo Dandolo das erste öffentliche Spielcasino eröffnet, und als im 18. Jahrhundert das Glücksspiel ganz Europa eroberte, wurden die Vereinshäuser namens «Casino» nach und nach zu jenen Spielhöllen, in denen Dostojewski seinen traurigen Helden Aleksej buchstäblich seinen allerletzten Gulden setzen lässt.

Perücke

Perücken werden seit Jahrtausenden getragen, von Männern wie Frauen – im alten Ägypten, im alten Griechenland, im alten Rom. So richtig in Mode kam die Perücke aber im Barock, nicht aus modischen, sondern medizinischen Gründen. Mit einer künstlichen Haartracht liessen sich nämlich die kahlen Stellen verdecken, die auf durch Syphilis verursachten Haarausfall zurückzuführen waren – oder aber auf die brachiale Behandlung der Krankheit mit Quecksilber. Ausserdem war eine Perücke warm, was in den schlecht beheizten, zugigen Schlössern des 17. Jahrhunderts durchaus angenehm war.

Vorreiter der Perücke bei Hofe war, seines schütteren Haars wegen, Frankreichs König Ludwig XIV. Schon 1656 entstand in Paris die erste Perückenmacherzunft, und die grosse Allongeperücke mit ihren üppigen, mehr als schulterlangen Locken, wie sie auf barocken Gemälden zu sehen ist, wurde zum Statussymbol und zum Zeichen der Zugehörigkeit zur höfischen Gesellschaft.

Ohnehin war die Perücke nicht für jedermann gedacht. Die kunstvoll aus Pferde- oder Ziegenhaar gemachten Haarteile waren kostspielig, und sie mit Mehl weiss zu pudern, blieb dem Adel vorbehalten. Unteren Schichten mit ihren einfacheren, kurzen Stutzperücken war das Pudern verboten.

Heute dient die Perücke vor allem dem Kaschieren einer Glatze, oder aber sie ist Teil des jüdischen Glaubensbekenntnisses. Weil offenes Haar als etwas ausgesprochen Sinnliches gilt, gebietet die Tora, dass verheiratete Frauen ihr Haar bedecken – mit einem Hut, einem Kopftuch namens Tichel oder dem Scheitel, jiddisch für «Perücke».