Money

Ratternde Registrierkasse, rasselnde Münzen: Der Anfang des Songs «Money» der britischen Rockband «Pink Floyd», 1973 auf dem Album «The Dark Side of the Moon» erschienen, war ein aufnahmetechnisches Abenteuer. Komponist Roger Waters schüttelte einen mit Münzen gefüllten Kochtopf, und Schlagzeuger Nick Mason hatte angebohrte Pennies auf eine Schnur gefädelt. Auf das Geräusch-Intro folgt das ikonische h-Moll-Bassgitarrenriff im Sieben-Viertel-Takt, und dann entfaltet sich der Sechseinhalb-Minuten-Song zur epischen Absage an den schnöden Mammon.

«Money» wurde ein Welthit – Platz 13 in den «Billboard Hot 100», der einflussreichen US-Hitparade. Und seither wird das Stück immer dann zur akustischen Untermalung verwendet, wenn’s um Geld geht: als Soundtrack des Actionfilms «The Italian Job» von 2003 mit Mark Wahlberg in der Rolle des Safeknackers Charlie Croker, in Fernsehserien und Dokumentarfilmen.

Ausgerechnet «Money»: Bis dahin waren Pink Floyd nämlich arm gewesen wie Kirchenmäuse. Es kam vor, dass Veranstalter keine Gagen zahlten, weil sie meinten, was die Band da von sich gebe, sei gar keine Musik. Mit «The Dark Side of the Moon» sollte sich das gründlich ändern: Die Gesamteinnahmen der Band werden heute auf viele Hundert Millionen Euro geschätzt, und Ex-Bandleader Roger Waters, obwohl 1985 im wüsten Streit ausgeschieden, gilt als einer der zehn meistverdienenden Musiker der Welt.

Mosaik

Es gibt Archäologen, die in den Boden eingedrückte Steine und Knochen für das erste Mosaik der Geschichte halten: Im thüringischen Bilzingsleben entdeckten sie einen kreisrunden Platz, den Vorfahren des modernen Menschen vor sage und schreibe 400 000 Jahren dekoriert hatten. Mosaiken, wie wir sie heute kennen, ornamentale oder bildliche Darstellungen aus Stein– oder Glasplättchen, fertigten nachweislich schon die Sumerer und Ägypter im 3. Jahrtausend v. Chr., und in der Antike, bei Griechen und Römern, waren Mosaiken ganz besonders beliebt. Ihr Name kommt denn auch vom spätlateinischen opus musaicum, auf Deutsch «ein Werk für die Musen».

Mosaiken waren ein Statussymbol. Prachtvolle Fussböden finden sich in den Ruinen von Pompeji und Herculaneum; in Piazza Armerina auf Sizilien stehen noch heute die Mauern einer römischen Villa, deren Böden von riesigen, atemberaubend detaillierten Mosaiken bedeckt sind. In der Schweiz schliesslich, nahe dem Waadtländer Dorf Orbe, liess ein namentlich nicht bekannter Römer einen mehr als 100 Räume umfassenden Gutshof bauen, einen Palast mit Blick auf die Alpen, dessen Säle er mit Szenen aus der griechischen Mythologie schmücken liess – mit Theseus und dem Minotaurus etwa, oder Odysseus, der Achilles entdeckt, wie der sich bei den Töchtern des Lykomedes versteckt.

Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwand auch das Mosaik aus der Schweiz – um erst im Intérieur des 19. Jahrhunderts wieder aufzutauchen: in öffentlichen Gebäuden der modernen Städte und, wie einst bei den Römern, in den Villen der Reichen.

mp3

Revolutionen sind ziemlich wohlfeil in einer Zeit, die sich anschickt, am besten gleich das ganze Leben zu digitalisieren. Bei der Musik ist ihr das schon gelungen, und deren Revolution heisst mp3. Selbst die Qualitätsmerkmale, ausgedrückt in Kilobit pro Sekunde, sind den Fans vertrauter als die eigene Schuhgrösse: 320 für wahren Hi-Fi-Genuss, 192 für den Alltag, und unter 128 tut’s keiner, der von Musik mehr versteht als die Schreibweise.

Zur Welt kam mp3 am Freitag, 14. Juli 1995 im Fraunhofer-Institut in Erlangen. An diesem Tag wurde die Dateiendung nach einer institutsinternen Umfrage festgelegt – ursprünglich hatten die Forscher ihr neues Datenformat nämlich bit nennen wollen. Die Forscher, das war vor allem der deutsche Elektrotechniker Karlheinz Brandenburg. Sein Forschungsgebiet war die Psychoakustik – mit dem Ziel, Audiodaten zu reduzieren, sprich: Musik zu verkleinern. Die ist nämlich selbst für moderne Geräte viel zu gross. Auch Handys tun das, und wie das dann klingt, hören wir jeden Tag.

Eine Sinfonie per Telefon? Ein Graus. Brandenbergs Verfahren ist viel raffinierter. Klänge, die das menschliche Ohr ohnehin nicht wahrzunehmen vermag, werden gar nicht erst mitgespeichert – unhörbar hohe Töne etwa oder leise unmittelbar nach lauten. Die Datenmenge der Musik wird so stark reduziert – bei 128 Kilobit pro Sekunde, etwa die Qualität von UKW, um mehr als 90 Prozent. Die Kehrseite: Die Feinheit des Klangs nimmt ab, und extrem komprimierte Musik klingt, als käme sie über Kurzwelle aus Bratislava.

Heute spricht niemand mehr von mp3, zu selbstverständlich ist das Format geworden. Doch ohne hätte die Musikrevolution nie stattgefunden.

MS-DOS

Ein PC, der fünf Jahre auf dem Buckel hat, ist uralt. Und ein Betriebssystem wie MS-DOS, vor nur 25 Jahren das A und O, kann man sich heute schon gar nicht mehr vorstellen.

MS-DOS ist das Produkt, das den Weltkonzern Microsoft erst hervorgebracht hat. MS-DOS steht für Microsoft disk operating system, eine Software, die 1980 vom Programmierer Tim Paterson in aller Hektik entwickelt wurde, und dessen Version 3 – mittlerweile unter der Ägide der noch blutjungen Firma Microsoft – im August 1984 auf den Markt kam. MS-DOS 3 sollte das erste wirklich weltweit gebräuchliche PC-Betriebssystem werden.

Dabei gibt es kaum etwas Langweiligeres. Mit einem Betriebssystem lässt sich kaum etwas anfangen, ausser einen Computer zu starten oder mit Dateien zu hantieren. Das Betriebssystem dient sozusagen nur als Steigbügelhalter für die Programme, mit denen wir Texte schreiben oder Bilder bearbeiten. Weil aber kein Computer ohne Betriebssystem auskommt, erwies sich das Geschäft als so lukrativ, dass aus der Hinterhofwerkstatt von Bill Gates und Paul Allen ein Weltkonzern wurde, der 90 000 Mitarbeiter beschäftigt und 2008 über 60 Milliarden Dollar umsetzte.

MS-DOS sperrig zu nennen, wäre noch gewaltig untertrieben. Um etwa eine Textdatei auf eine Diskette zu speichern, hatte man, in grüner Schrift auf schwarzem Bildschirm, die Befehlszeile

copy c:\dateien\text.txt a: ↵

einzutippen. Dass sich ein solcher Softwareklotz dennoch durchsetzen sollte, ist eine Ironie der Wirtschaftsgeschichte, zumal Apple zur selben Zeit bereits seinen legendären Macintosh in die Regale stellte, den schmucken Würfel mit seiner revolutionären Benutzeroberfläche, die sich elegant mit der Maus bedienen liess.

Doch auch diese Revolution war von kurzer Dauer. Ob MS-DOS und Macintosh – beide sind sie heute nur noch im Technikmuseum anzutreffen.

Notaphon

Achtung, Achtung, hier Notaphon, Name und Adresse des Teilnehmers, sprechen Sie bitte jetzt.

Wer 1946 den deutschen Erfinder Willy Müller und dessen Firma Phonova AG in Küsnacht am Zürichsee anruft, hört die Nachricht eines der ersten Anrufbeantworter der Schweiz. Das neue Gerät, ein sogenannter «Telephonograph», ist der Neuen Zürcher Zeitung eine volle Seite wert. Tatsächlich gibt es einiges zu erklären:

Bei Abwesenheit des angerufenen Telephonteilnehmers schaltet sich der vollautomatische Telephonograph ein, nimmt die Meldung entgegen und spricht diese später dem Angerufenen zu, gleichgültig nach welcher Telephonstation der Welt.

Das «Notaphon», wie das Gerät heisst, ist zwar nicht der erste Anrufbeantworter der Welt, aber der bisher kleinste. Es hat die Masse und das Gewicht eines der damaligen Röhrenradios, und in seinem Inneren dreht sich eine 32 Zentimeter grosse Magnettonplatte, eine halbe Stunde lang aufzeichnen kann – ein technischer Durchbruch. Die über zwei Dutzend Regler, Tasten und Lämpchen setzen ein gründliches Handbuchstudium voraus. Und schon 1946 hat der Datenschutz oberste Priorität: Das Gerät lässt sich nur mit Schloss und Schlüssel entsperren, und will man die Nachrichten aus der Ferne und per Telefon abhören, horcht eine Funktion namens «Geheimschloss» auf ein Passwort aus gesprochenen Vokalen.

Das Notaphon,

jubelt 1948 die Militärzeitschrift «Pionier»,

ist ein Präzisionsgerät voller Eleganz, das durch seinen geringen Platzbedarf und seine Betriebssicherheit den Anforderungen an das moderne Leben ganz und gar entspricht.