Menhir

Ein Menhir sieht ein bisschen so aus wie bei Asterix und Obelix: ein Stein, oft mannshoch, der in vorgeschichtlicher Zeit über weite Strecken hergeschleift, aufgerichtet und in den Boden eingelassen wurde. Das Dorf Carnac in der Bretagne zum Beispiel ist für seine kilometerlangen Steinreihen bekannt, und von da kommt auch das Wort «Menhir», vom bretonischen «maen», «Stein», und «hir» für «lang».

Aber Menhire gibt es auch in der Schweiz. In einem Wäldchen am Stadtrand von Yverdon stehen die sogenannten «Alignements de Clendy», drei Reihen von Menhiren, die von Nordosten nach Südwesten zeigen. Die Anlage stammt aus der Jungsteinzeit, um 4500 v. Christus; und genutzt wurde sie vermutlich über drei Jahrtausende lang. Die insgesamt 45 Steine sind unterschiedlich gross – die kleinsten messen nur einen halben Meter, die grössten sind 4,5 Meter hoch und 5 Tonnen schwer. Einige davon sind flach und kunstvoll behauen, so dass sie menschenähnliche Umrisse zeigen.

Die Anlage wurde 1887 entdeckt. Im Zug der ersten Juragewässerkorrektion war der Spiegel des Neuenburgersees gesunken, und die Menhire tauchten auf. Nur, wozu haben sie einst gedient? Astronomische Untersuchungen zeigen, dass die Steinreihen genau auf die beiden Punkte am Horizont zeigen, zwischen denen der Mond innerhalb einer Periode von 18,6 Jahren auf- und untergeht. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die Menhire von Clendy ein Mondheiligtum waren – oder, wie wir heute sagen würden, ein steinzeitliches Mondobservatorium.

Messer

Am Anfang war das Messer: Schon die ersten Werkzeuge des Menschen lassen sich mit heutigen Klingen vergleichen, und die ältesten davon sind mehr als 2,5 Millionen Jahre alt.

Ein Messer ist eine einfache und raffinierte Sache zugleich. Einfach: Feuerstein ist hart wie Bergkristall, und geschickt zurechtgeschlagen, ergibt er einen Faustkeil mit messerscharfer Kante. Und raffiniert: Der Druck wird durch die scharfe Schneide auf eine mikroskopisch schmale Fläche verteilt, so dass sich mit Feuerstein mühelos schneiden lässt.

Kein Wunder also, dass das Messer seit jeher nicht bloss Werkzeug und Waffe war, sondern auch Statussymbol. Erste kunstvoll geschlagene Feuersteinmesser, später Dolche und Schwerter aus Bronze, Eisen und Stahl wurden reich verziert und zeugten so weniger von Wehrhaftigkeit als vielmehr von Wohlstand. Das «Jewelled Sword of State», das der angehende britische König Georg IV 1820 für 6000 Pfund herstellen und mit Gold und Juwelen schmücken liess, gehört zu den britischen Kronjuwelen und gilt als kostbarstes Messer der Welt. So gesehen ist das Taschenmesser, das Schweizer Soldaten bei sich tragen, vom Rekruten bis hoch zum Viersternegeneral, sozusagen des Messers demokratische Form.

Und dann gibt es da noch das Musikmesser aus dem 16. Jahrhundert. Es sieht aus wie ein Fleischmesser mit Horngriff, doch auf der Klinge eingraviert sind Psalmen. Unwahrscheinlich, dass Tafelgäste Noten und Text von blutigen Messerklingen ablasen: Die Tischsitten der Renaissance, genauso wie der Zweck der Psalmenmesser, bleiben ein Rätsel.

Meton-Zyklus

Der Astronom Meton lebte im 5. Jh. v. Chr. in Athen. Von ihm ist wenig bekannt – ausser dass er den nach ihm benannten Meton-Zyklus beschrieb, der ein astronomisches Rätsel löste. Mit dem Mond ist es nämlich so eine Sache: Seine Phasen lassen sich schlecht mit dem Kalenderjahr in Einklang bringen. Genau wie heute beruhte das Jahr im alten Griechenland auf dem Lauf der Sonne und hatte, etwas anders als heute, zwölf Monate zu 30 Tagen plus fünf Zusatztage. Ein Mondmonat dagegen, das ist die Zeit von Neu- bis Neumond, dauert rund 29,5 Tage, so dass sich die Kalender- und die Mondmonate immer leicht gegeneinander verschieben.

Astronomen hatten nun herausgefunden, dass 19 Jahre und 235 Mondphasen fast haargenau gleich lang sind. 19 zu 235 – mit diesem Meton-Zyklus liessen sich Sonnen- und Mondkalender endlich präzise miteinander in Beziehung bringen.

Allerdings nur fast: Ein Jahrhundert später stellten Wissenschaftler nämlich fest, dass vier Meton-Zyklen – also 76 Jahre – um einen Tag zu lang sind. Ohne diesen überschüssigen Tag ergab sich so neu ein Jahr von 365¼ Tagen – und das hiess nichts anderes, als dass man einmal in vier Jahren einen zusätzlichen Schalttag einfügen musste. Julius Cäsar höchstpersönlich übernahm diesen vierjährlichen Schalttag, und so ist es Cäser – und davor dem Griechen Meton – zu verdanken, dass der Februar in Schaltjahren 29 Tage hat.

Metronom

Mit dem Takt ist es so eine Sache: Lange Zeit war Musik entweder zu schnell oder zu langsam. Das änderte sich erst 1696, als der Musiker Étienne Loulié in Paris seinen «Chronomètre» entwarf, ein an der Wand hängendes Brett mit einer Skala und einem Fadenpendel mit Bleigewicht. Je nach Länge schlug das Pendel schneller oder langsamer aus. Dieses erste Metronom war zwar noch stumm, aber es erfüllte seinen Zweck.

Ludwig van Beethoven, Antonio Salieri und anderen war das allerdings nicht genau genug. Deshalb dachte sich 1815 der Instrumentenbauer Johann Nepomuk Mälzel das Metronom aus, das wir heute noch kennen: Eine aufziehbare Feder sollte, wie bei einer Uhr, das Pendel in Schwung halten. Mälzel suchte Rat bei einem deutschen Automatenbauer, der einen Prototypen konstruierte. Zurück in Paris, fügte Mälzel eine Skala hinzu und liess sein Metronom in grossen Stückzahlen anfertigen. Doch dann geriet die Geschichte aus dem Takt: Nach einem jahrelangen, wüsten Patentstreit wurde Mälzel die Urheberschaft wieder aberkannt. Sein Name hielt sich trotzdem: Noch heute tragen Partituren nach dem Tempowert die Abkürzung «MM», für «Mälzels Metronom».

Mechanische Metronome geben heute bei jedem Ausschlag ein vernehmliches Klacken von sich. Dieser Sound ist naturgemäss etwas eintönig, doch das hinderte den ungarischen Komponisten György Ligeti nicht daran, ein «Poème symphonique» für 100 Metronome zu schreiben. Alle werden bis zum Anschlag aufgezogen, auf verschiedene Tempi eingestellt und gleichzeitig gestartet – bis die anfängliche Kakophonie, nach 6 oder 7 Minuten, mit einem letzten «Klack» erstirbt.

Migros-Wagen

Im Sommer 1925 tauchen in Zürich Flugblätter auf: «Migros – der fahrende Laden: An die intelligente Frau, die rechnen kann». Verfasser ist der Unternehmer Gottlieb Duttweiler. An seinem 37. Geburtstag, dem 15. August 1925, hat er mit einem Startkapital von 100 000 Franken die Migros AG gegründet – Geschäftsidee: Waren in grossen Mengen einkaufen, Zwischenhandel umgehen, Lagerkosten niedrig halten, minimale Margen einbehalten. Und vor allem: Der Laden soll zu den Kundinnen, nicht umgekehrt. Also beschafft Duttweiler fünf «Ford T»-Lastwagen, belädt sie mit Kaffee, Reis, Zucker, Teigwaren, Kokosfett und Seife und lässt sie an 178 Haltestellen in der Stadt Zürich Halt machen. Ein Kilo Nudeln etwa kostet 95 Rappen, viel weniger als bei der Konkurrenz.

Die Klapperkisten sind eine Sensation, auch wenn sich die junge Migros anfangs kaum über Wasser halten kann. Jeder Gewinnfranken wird sofort wieder investiert, und im Migros-Wagen einzukaufen, hat etwas Anrüchiges. Die angestammten Händler fürchten um ihre Pfründe und versuchen, die Migros in Misskredit zu bringen. Nicht selten versammeln sich erzürnte Gegner auf dem Dorfplatz und blockieren die Wagen; oft rückt gar die Polizei an, um Schlimmeres zu verhindern.

Doch Duttweilers Idee setzt sich durch. Schon ein Jahr später sind es 48 Migros-Wagen, und mehr als 80 Jahre lang gehören sie zum Schweizer Strassenbild – bis zum 30. November 2007, als im Wallis die letzten beiden Wagen ihre Runde machen. So ist die Migros endgültig sesshaft und zu einem der grössten Schweizer Unternehmen geworden.