Mikrochip

Im Labor in Dallas war es heiss in jenem Sommer 1958, heiss und langweilig. Der 34-jährige Jack Kilby, ein Neuling bei Texas Instruments, hatte als einziger keinen Urlaub erhalten. Also dachte Kilby nach: Elektronische Erfindungen, stellte er fest, bestanden aus immer mehr Widerständen, Dioden, Transistoren, deren Zusammenlöten immer schwieriger wurde. Es müsste doch möglich sein, schrieb Kilby in sein Labortagebuch, Elektronik als integrierte Schaltung zu fertigen, quasi in einem Stück statt aus Dutzenden von Bauteilen. Am 12. September war es so weit: Ein Glasplättchen, kaum grösser als eine Büroklammer, darauf ein Streifen aus dem Halbleiter Germanium und ein paar Kabel. Doch als Kilby einen Knopf drückte, erschien auf dem Messgerät eine perfekte Sinuskurve. Zum ersten Mal bestand eine Schaltung aus einem einzigen Teil.

Die Kollegen und der oberste Chef Mark Shepherd waren beeindruckt, bloss nicht beeindruckt genug: Zwar wurde die bahnbrechende Erfindung patentiert, aber ausser Staunen unter Fachleuten bewirkte Kilbys erster Mikrochip – nichts. Selbst als Kilby 1967 den ersten selbst gebauten Taschenrechner «Cal Tech» präsentierte, gross und schwer wie ein Ziegelstein, der zwölfstellige Zahlen berechnete und das Ergebnis auf Thermopapier druckte, geschah – nichts. Immerhin erklärte sich Texas Instruments bereit, die aufstrebende japanische Firma Canon den Rechner in Serie bauen zu lassen, und dann ging auf einmal alles ganz schnell: Taschenrechner, immer kleinere Taschenrechner, Computer, Smartphone.

Kilbys Physiklabor von damals ist heute eine Gedenkstätte der Technik, und Kilby selbst erhielt im Jahr 2000, fünf Jahre vor seinem Tod, den Nobelpreis.

Mikrowelle

Aus den Küchen dieser Welt ist das «Ding» der Mikrowelle nicht mehr wegzudenken: Den Braten- oder Suppenrest von gestern aufwärmen oder das tiefgefrorene Brot auftauen – die Mikrowelle garantiert jederzeit eine Mahlzeit auf die Schnelle. Das Prinzip der Mikrowelle ist das Umwandeln elektromagnetischer Energie in Wärme. Von Mikrowellen bestrahlt, beginnen sich die Wassermoleküle zu drehen. Durch die Rotation steigt die kinetische Energie des in den Speisen enthaltenen Wassers – und damit deren Temperatur.

Das klingt einfacher, als es ist, und tatsächlich war die Entdeckung der Mikrowelle blanker Zufall. Der Selfmade-Ingenieur Percy Spencer arbeitete bei einem amerikanischen Rüstungskonzern – in der Abteilung, die für die Weiterentwicklung von Radaranlagen zuständig war. 1945, bei einem Versuch mit einer neuen Röhre, wurde Spencer auf einmal flau im Magen, und er bemerkte, dass der Schokoladenriegel, den er in der Tasche getragen hatte, zu einer klebrigen Masse geworden war. Auch wenn er nicht der erste war, der auf das Phänomen stiess, verstand er: Die elektromagnetischen Wellen seines Versuchsradars hatten die Schokolade glatt geschmolzen. Begeistert schob Spencer zuerst Maiskörner und danach ein rohes Ei hinterher, das prompt zerplatzte – zu dessen Verdruss einem Kollegen mitten ins Gesicht.

Seinen ersten «Radarherd» mit Wasserkühlung nannte Spencer Radarange: 3000 Watt stark, 1,80 Meter hoch und 340 Kilo schwer. Diesem Ungetüm haben wir es zu verdanken, dass es heute in der Küche auch mal ganz schnell gehen kann.

Minitel

Es ist gross, blaugrau und hässlich: ein Plastiktelefon mit einem Bildschirm, auf dem blasse, grobpixelige Zeichen flimmern, und mit einer Tastatur, deren Buchstaben noch alphabetisch geordnet sind und deren Sondertasten noch connection oder envoi heissen. Das archaische Gerät hört auf den Namen «Minitel» und ist das Kind einer französischen Revolution, 1977 angezettelt durch den Präsidenten der République, Giscard d’Estaing. «Telematik» heisst das Zauberwort, und damit gemeint ist die Vernetzung von Terminals, mit denen sich zentral gespeicherte Informationen abrufen lassen. Schon ein Jahr später verkündet Telecom-Generaldirektor Gérard Théry der Welt, dass das Minitel die Ära des Papiers beenden werde.

Und das ist nur zur Hälfte übertrieben: Die Minitels, kostengünstig und in grossen Stückzahlen produziert, werden von der französischen PTT gratis an die Haushalte abgegeben, und die Grande Nation tippt los, dass die Drähte glühen. 1985, Jahre bevor das World Wide Web erfunden wird, sind bereits eine Million Minitels in Betrieb.

Der ursprüngliche Zweck des Apparats ist ein Ersatz für die überlastete Telefonauskunft, doch bald schon werden per Minitel Fahrkarten gekauft, Bankgeschäfte getätigt und private Nachrichten verschickt. Ende der 1980-er Jahre hat der Dienst mehr Nutzer als der amerikanische Internetgigant Compuserve, und selbst die legendäre Rede des US-Vizepräsidenten Al Gore über den information superhighway von 1994 ist vom Vorbild Minitel inspiriert.

Noch heute tippen Hunderttausende auf ihren Retro-Terminals. Doch dem Ansturm einer Alles-Immer-Überall-Gesellschaft ist das Minitel, dieses Internet der ersten Stunde, nicht gewachsen: Am 30. Juni 2012 schlägt seine letzte Stunde.

Minox

Die Fotokameras der 1930er-Jahre sind technische Wunderwerke. Doch ob Kompakt oder Spiegelreflex, ob Kleinbild- oder Rollfilm: Kameras sind gross und schwer und hängen den Fotografen wie Mühlsteine um den Hals.

Walter Zapp, 1905 im Baltikum geboren, kriegstraumatisiert, Schulabbrecher, findet in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg am Ende doch noch eine Lehrstelle als Kunstfotograf. Rasch zeigt sich: Der junge Zapp ist hoch begabt. 1934 beginnt er, in Riga eine Fotokamera zu entwickeln, die kleiner ist als alles, was die Welt je gesehen hat. Der erste Prototyp folgt zwei Jahre später, eine Art achtes Weltwunder der Fotografie: Eine hochpräzise Kamera namens «Minox», von lateinisch minor («kleiner»), aus Edelstahl, 130 Gramm und kleiner als zwei Feuerzeuge, mit fester Blende von 3,5 und Verschlusszeiten bis zu einer Tausendstelsekunde. Der Winzling braucht einen Spezialfilm, dessen Negative erst 6,5 mal 9, später 8 mal 11 Millimeter klein sind. Optik und Mechanik sind von einer unerhörten Qualität, so dass sich selbst Geheimdokumente und Pläne gestochen scharf abfotografieren lassen.

Das rief, wen wundert’s, nicht nur die Künstler, sondern auch die Schlapphüte auf den Plan. «On Her Majesty’s Secret Service» («Im Geheimdienst ihrer Majestät») von 1969 mag trotz des Drehs auf dem Schilthorn zu den dürftigeren Filmen zählen. Doch die Minox, mit der George Lazenby alias James Bond eine geheime Karte abfotografiert, liess dem Publikum die Augen übergehen.

Der Spionage-Kamera namens «Minox», jenem Meisterwerk des Erfinders Walter Zapp, war ein ungeheurer Erfolg beschieden: 75 Jahre lang wurde sie produziert. Die allerletzte lief erst 2012 vom Band.

Money

Ratternde Registrierkasse, rasselnde Münzen: Der Anfang des Songs «Money» der britischen Rockband «Pink Floyd», 1973 auf dem Album «The Dark Side of the Moon» erschienen, war ein aufnahmetechnisches Abenteuer. Komponist Roger Waters schüttelte einen mit Münzen gefüllten Kochtopf, und Schlagzeuger Nick Mason hatte angebohrte Pennies auf eine Schnur gefädelt. Auf das Geräusch-Intro folgt das ikonische h-Moll-Bassgitarrenriff im Sieben-Viertel-Takt, und dann entfaltet sich der Sechseinhalb-Minuten-Song zur epischen Absage an den schnöden Mammon.

«Money» wurde ein Welthit – Platz 13 in den «Billboard Hot 100», der einflussreichen US-Hitparade. Und seither wird das Stück immer dann zur akustischen Untermalung verwendet, wenn’s um Geld geht: als Soundtrack des Actionfilms «The Italian Job» von 2003 mit Mark Wahlberg in der Rolle des Safeknackers Charlie Croker, in Fernsehserien und Dokumentarfilmen.

Ausgerechnet «Money»: Bis dahin waren Pink Floyd nämlich arm gewesen wie Kirchenmäuse. Es kam vor, dass Veranstalter keine Gagen zahlten, weil sie meinten, was die Band da von sich gebe, sei gar keine Musik. Mit «The Dark Side of the Moon» sollte sich das gründlich ändern: Die Gesamteinnahmen der Band werden heute auf viele Hundert Millionen Euro geschätzt, und Ex-Bandleader Roger Waters, obwohl 1985 im wüsten Streit ausgeschieden, gilt als einer der zehn meistverdienenden Musiker der Welt.