Yamaha DX7

So tönt es, wenn ein Pianist wie Herbie Hancock für einmal nicht Piano spielt, sondern Synthesizer, genauer: den legendären Yamaha DX7. Keine 250 Kilo schwer wie ein Klavier, sondern nur deren 10 und dazu bloss einen Meter breit und 10 Zentimeter dick, war der DX7 auf Anhieb ein Star in Jazz und Pop. Nicht wegen seiner Grösse, sondern – natürlich – wegen seiner noch nie gehörten Sounds.

Der Yamaha DX7 ist ein Synthesizer, ein Tasteninstrument, das seinen Klang auf elektronischem Weg erzeugt. 1967 entwickelte der amerikanische Musikprofessor John Chowning einen Algorithmus für die sogenannte Frequenzmodulationssynthese. Dabei werden die Schallwellen eines bestimmten Tons durch Überlagerung rechnerisch verändert, und es entstehen nie dagewesene Klänge.

1974 lizenzierte der japanische Konzern Yamaha das Prinzip, und das Keyboard, das 1983 auf den Markt kam, stellte alles Bisherige in den Schatten. Polyphon, mit frei programmierbaren Tönen, die sich gar auf externen Datenträgern speichern liessen: Die Songschreiber der Achtziger waren begeistert. «Chicago», Whitney Houston, der Soundtrack zum Film «Top Gun» – alle griffen sie zum Yamaha DX7.

Die Erfindung des Tüftlers Chowning lieferte den Sound für ein ganzes Jahrzehnt – und beeinflusst den Pop und den Jazz bis heute.

Zahlen, gerade

Gott erfreut sich ungerader Zahlen,

schreibt der römische Dichter Vergil in einem seiner Hirtengedichte. Es erzählt von Amaryllis, die von ihrem Daphnis verlassen worden ist und nun einen Liebeszauber anwendet, der den Geliebten wieder zu ihr zurückbringen soll – sie knüpft drei Knoten in buntes Tuch, weil sie weiss: Die Zahl drei ist ungerade, und das freut den Liebesgott Amor.

Gerade Zahlen sind ganze Zahlen, die sich ohne Rest durch zwei teilen lassen; bei ungeraden Zahlen bleibt immer 1 übrig. Was Zahlen aber mit einer Geraden zu tun haben, das erschliesst sich erst aus der Sprachgeschichte. Im Gotischen hiess «Zahl» rathjo. «Zählen» hiess garathian, ein Wort, das irgendwann mit dem Adjektiv «gerade» verschmolz und im 15. Jh. den Weg in die Mathematik fand. Gerade Zahlen waren also sozusagen zum Zählen da. Und an diese Wortgeschichte erinnert noch immer die Redensart «fünfe gerade sein lassen», ein Appell, es nicht immer ganz so genau zu nehmen.

Das gotische rathjo kommt ursprünglich von der lateinischen ratio, auf Deutsch «Vernunft». Und hier schliesst sich der Kreis: Die Mathematik kennt nämlich nicht nur gerade und ungerade Zahlen, sondern auch die sogenannt «rationalen Zahlen». Darunter versteht man alle ganzen Zahlen, positiv und negativ, aber auch alle Bruchzahlen. Rationale Zahlen sind also 0, 1, 2, 3 usw., dazu -1, -2, -3 usw, und ebenso Zahlen wie 1/3 oder -0,2.

Übrigens: Der Liebeszauber der Amaryllis mit den drei Knoten – eine ungerade, natürliche Zahl – bringt den geliebten Daphnis am Ende tatsächlich zurück.

Zappen

Wenn Sie sich über eine Sendung ärgern, dann tun Sie etwas ganz Naheliegendes: Sie drücken einen Knopf Ihrer Fernbedienung, und – zap. Wussten Sie, dass dieses zappen eine ganz und gar blutrünstige Angelegenheit ist? To zap ist ursprünglich ein englisches, lautmalerisches Wort für das Geräusch eines elektrischen Kurzschlusses – und heisst heute nichts anderes als abknallen, eine Tätigkeit, die im Western ganz besonders beliebt ist, bei Revolverhelden wie beim Publikum. Mittels zapping sorgen die Helden dafür, dass sie so selten sind, und das Publikum, dass es ausser Western auch noch andere Filme gibt.

Seine Blüte erreichte das Zappen in den neunziger Jahren mit dem Überhandnehmen von Unterbrecherwerbung am Fernsehen – für Filmfans eine regelrechte Plage. Die bereitliegende Fernbedienung lud, für die Dauer der Werbespots, zu einem lustvollen Streifen durch die anderen Programme ein.

Aber auch das Zappen ist eine Zeiterscheinung. Steter Tropfen höhlt den Stein, und Fernsehwerbung ist ganz normal geworden. Eine aktuelle deutsche Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit von 56 Prozent kaum mehr zappt. Das Publikum, so vermuten die Fachleute, ist wählerischer geworden. Besonders Menschen ab 35 nutzen gezielt Programmzeitschriften und Internet und sehen sich einmal ausgewählte Sendungen oder Filme bis zum Schluss an.

Und dennoch wird munter weitergezappt. Lästige Werbung gibt’s nämlich auch im Internet – hier werden schreiende, blinkende Popups ebenfalls weggezappt. Oder ist der Kunde mit einem Unternehmen nicht mehr zufrieden, zappt er kurz entschlossen zur Konkurrenz. Ob sozial, kulturell, sportlich oder beruflich: Es wird gezappt wie nie.

Bleibt nur dieses ganz und gar unmögliche Wort – und die leise Hoffnung auf einen erlösenden Knopf.

Zehnt

Der Zehnt ist die älteste Steuer der Geschichte. Und dass es 10 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge sein sollten, steht schon in der Bibel:

Von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben,

verspricht Jakob, nachdem er im Traum die Himmelsleiter und die auf- und absteigenden Engel gesehen hat. Der Zehnt war seit jeher in vielen Kulturen bekannt und wurde vom frühen Christentum übernommen. Der Kirchenzehnt war für den Unterhalt des Pfarrers bestimmt, später zusätzlich auch des Bischofs, für Kirchenverwaltung, Schul- und Armenwesen. Im Jahr 1140 legte der in Bologna lehrende Kirchenrechtler Gratian erstmals ein formelles Regelwerk für den Zehnten fest.

Der Zehnt, das waren längst nicht immer 10 Prozent. Je nach Qualität des Ackerlandes konnte er bis zu einem Drittel betragen; gelagert wurde er in den sogenannten Zehntscheunen, nach der Kirche oft das grösste Gebäude im Dorf. Beim Erfinden von Zehnten war die Kirche ziemlich kreativ. Es gab den Grosszehnten auf Getreide und Grossvieh, den Kleinzehnten (andere Feldfrüchte), den Fruchtzehnten (Obst, Gemüse), den Weinzehnten, den Heu-, Holz- und Fleischzehnten. Auf frisch gerodetes Ackerland stand der Neubruchzehnt, auf Bergwerke der Bergzehnt, neue Kreuzzüge wurden mit dem (zeitlich befristeten) Kreuzzugszehnt finanziert.

Mit dem Einmarsch Napoleons 1798 wurde der Zehnte kurzzeitig abgeschafft, nur um kurz darauf aufs Neue eingeführt zu werden. Seine endgültige Ablösung durch staatliche Steuern zog sich über Jahrzehnte hin und verlief, ganz nach gutschweizerischer Manier, von Kanton zu Kanton verschieden.

Zeitball

Die Uhrzeit wird von Zeigern angezeigt, die wir uns vors Gesicht halten, um sie abzulesen. Grosse Distanzen erfordern grosse Zeiger – der Minutenzeiger des Big Ben in London misst 4,3 Meter.

Von noch weiter her sichtbar und dabei noch genauer als selbst der längste Minutenzeiger war der sogenannte Zeitball. Zeitbälle waren im 19. Jahrhundert für Seeleute gedacht. Auch sie waren auf die exakte Uhrzeit angewiesen, weil sich die geografische Länge der Schiffsposition nur in Kenntnis der exakten Uhrzeit bestimmen liess.

Ein Zeitball war eine schwarze Signalkugel aus Korbgeflecht von einem bis zwei Metern Durchmesser. Dieser Ballon wurde an einer weithin sichtbaren Stelle des Hafens an einem Mast aufgezogen und oben von einem Sperrhaken festgehalten. Täglich um 13 Uhr Greenwich-Zeit wurde der Haken durch ein elektrisches Signal der örtlichen Sternwarte ausgelöst, mit der sein Mechanismus verbunden war. Der Zeitball glitt dem Mast entlang in die Tiefe und stellte klar: Es ist jetzt genau 13 Uhr und null Sekunden.

Der erste Zeitball, die Erfindung eines britischen Kapitäns, wurde 1829 in Portsmouth getestet, ein zweiter wurde 1833 in der Sternwarte Greenwich aufgestellt. Das System war einfach und robust – und seines optischen Signals wegen ausgesprochen präzise: Der Klang eines Horns oder einer Glocke wäre bereits in einem Kilometer Entfernung erst mit drei Sekunden Verzögerung zu hören gewesen.

Und so verbreitete sich der Zeitball allmählich über die Häfen Englands und Europas – bis die weltweit existierenden 160 Zeitbälle Anfang des 20. Jahrhunderts schliesslich von Funk und Radio abgelöst wurden.