Birkenpech

Eine Pfeilspitze und ein hölzerner Schaft, ein Tonkrug in Scherben: Wann immer in der Steinzeit etwas haften sollte, musste Birkenpech her. Birkenpech war der Superkleber der Urzeit: Schon vor mehr als 200 000 Jahren, das zeigen Funde aus Norditalien, verleimten Neandertaler mit Birkenpech alles, was lange halten sollte. Auch die Ritzen von Kanus wurden damit abgedichtet, und selbst Ötzi, der als Gletschermumie aufgefundene Jäger aus der Kupferzeit, fixierte die Feuersteinspitzen seiner Pfeile in der Nut der Holzschäfte mit dem teerartigen, schwarzen Destillat.

Birkenpech herzustellen war alles andere als einfach. Für das «Pyrolyse» genannte Verfahren braucht es Birkenrinde und grosse Hitze. Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass sich Birkenpech nur in einer luftdicht versiegelten Brennkammer und bei Temperaturen von ziemlich genau 350 Grad herstellen lässt – was darauf schliessen liesse, dass Neandertaler und Steinzeitmenschen über ein erstaunliches Wissen verfügt haben; die Entwicklung eines solch komplexen Verfahrens allerdings blieb stets ein Rätsel. Nun aber haben aktuelle Versuche gezeigt, dass es auch viel einfacher geht: Ein Forscherteam der Uni Tübingen hat nachgewiesen, dass es ausreicht, Birkenrinde bei Temperaturen von mehr als 200 Grad unmittelbar am Fuss senkrecht aufgestellter, glatter Steinflächen zu verbrennen. Nach drei Stunden lässt sich dann eine brauchbare Menge an Birkenpech abschaben.

Das allerdings schmälert die Leistung der Urzeit-Ingenieure in keiner Weise: Birkenpech ist nicht nur ein natürlicher, bärenstarker Universalkleber, sondern auch der allererste Kunststoff der Menschheit.

RFID

RFID ist die Abkürzung für radio frequency identification, «Funkfrequenzerkennung». RFID besteht aus einem Lesegerät mit einem Sender und einem sogenannten Transponder, der ein Funksignal empfangen und automatisch beantworten kann. Dieser Transponder ist passiv: Er benötigt keine Stromversorgung, denn die Energie, die er zum Funken braucht, bezieht er aus dem elektromagnetischen Feld des Senders. Daher kann er geradezu winzig sein: In Fingernagelgrösse sitzt er auf Kreditkarten, klein wie ein Reiskorn lässt er sich implantieren, und flach wie eine Briefmarke wird er auf Produkte geklebt. Türschliessanlage, Wareninventar, Hundesteuer, Buchausleihe, Passkontrolle: Nichts, was sich mit RFID nicht eindeutig identifizieren liesse. Der Vater von RFID waren der Elektroingenieur Charles Walton und seine Firma im Silicon Valley. Walton war nicht der erste, aber wohl der geschäftstüchtigste Forscher auf diesem Gebiet, und 1983 wurde sein Funkprinzip patentiert.

RFID hat die Welt erobert. Kontaktlos zahlen wir heute im Supermarkt, an der Tankstelle, im Café. Wir halten unsere Bank– oder Kreditkarte, das Handy oder gar die Armbanduhr an den Leser – und die Rechnung ist beglichen. Weil das Funksignal verschlüsselt ist, weil der integrierte Transponder nur auf eine Entfernung von wenigen Zentimetern funktioniert und sich aus der Ferne nicht hacken lässt, gilt RFID als sehr sicher; bei kleineren Beträgen ist in der Regel nicht einmal mehr ein PIN notwendig.

Die RFID-Patente sind längst abgelaufen, und Erfinder Walton starb 2011. Seine Erfindung aber ist lebendig wie nie.