Bezoar

Ein Bezoar ist ein kugelförmiger oder länglicher, grauer, brauner oder schwarzer und vor allem seltener Stein. Nüchtern betrachtet, ist er eine ausgesprochen unappetitliche Sache: Er entsteht im Magen eines Tieres, gelegentlich auch des Menschen, wenn sich Unverdauliches wie Haar oder Fasern verklumpt. Bei Wiederkäuern, deren Mageninhalt immer wieder umgewälzt wird, kann sich ein solcher Klumpen im Verdauungstrakt einnisten und mit der Zeit versteinern – wird das Tier geschlachtet, kommen die harten, glänzenden Kugeln zum Vorschein. So ansehnlich sie auch sein mögen: In der Tiermedizin gilt ein Bezoar als sogenannter pathologischer Gastrolith, auf Deutsch ein Magenstein.

Und doch war ein Bezoar begehrt und seinem Besitzer lieb und teuer: Besonders ansehnliche Exemplare, die vor allem von Gämsen und Bezoarziegen stammten, wurden nicht selten in Gold gefasst und als Schmuckstück um den Hals getragen. Denn Bezoaren sagte man seit der Antike einen Schutz vor Vergiftungen nach – das Wort padzahr stammt aus dem Persischen und bedeutet wörtlich «gegen Gift». Besonders europäische Herrscher, die sich vor Giftanschlägen fürchteten, hielten ihre kostbar verzierten Bezoare in Ehren – obwohl Ambroise Paré, der Leibarzt des französischen Königs, schon 1565 nachgewiesen hatte, dass der Glaube an die heilenden Steine Humbug war. Das Experiment: Ein Koch hatte Silberbesteck gestohlen und war zum Tode verurteilt worden. Ihm wurde ein Gift verabreicht und danach ein Pulver aus zermahlenem Bezoar; sieben Stunden später war der Koch tot. So findet man Bezoare heute nur noch in Pharmazie- und Medizinmuseen – und manchmal in den Schatzkammern des europäischen Hochadels.

Quengelware

Bonbons und Schokoriegel im Gestell bei der Kasse heissen deshalb «Quengelware», weil sie Kindern regelmässig die Tränen in die Augen und Eltern die Zornesröte ins Gesicht treiben. Weil Kindertränen aber ziemlich gute Argumente sind, wird Quengelware überdurchschnittlich oft gekauft. Und deshalb wird sie ganz bewusst in der sogenannten «Bückzone» platziert, wo sie Kindern förmlich ins Auge fällt. Dabei liegt die Auslage meistens auf der rechten Seite, weil die meisten Menschen Rechtshänder sind und eher Waren betrachten, die rechts ausliegen – aus diesem Grund finden sich in Supermärkten rechts die gewinnträchtigeren Waren, links dagegen die alltagsnotwendigen. An der Kasse schliesslich wäre eine Platzierung längs des Gangs ein Hindernis, weil so die Auslage nur aus dem Augenwinkel sichtbar wäre. Deshalb wird Quengelware quer zur Blickrichtung ausgelegt – und ist damit unübersehbar. Manche Supermärkte gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie vermeiden eine Präsentation in geordneten Reihen und schütten die Quengelware statt dessen in einen Regalkorb – die scheinbar nachlässig ausgelegten Artikel, absichtlich in kleine Hüllen abgepackt, suggerieren dabei einen besonders tiefen Preis, was die Bereitschaft genervter Eltern erhöht, dem Betteln der lieben Kleinen nachzugeben.

Das Prinzip «Quengelware» ist unter Beschuss geraten, weil Süssigkeiten für kindliches Übergewicht mitverantwortlich sind. Nachdem die Stadt Berkeley in Kalifornien Süssigkeiten bereits ganz aus dem Kassenbereich verbannt hat, soll das strategische Platzieren von Quengelware in Grossbritannien noch in diesem Jahr verboten werden.