Panzerknacker

Roter Kittel, blaue Hose und Mütze, die schwarze Maske im Gesicht und die Sträflingsnummer auf der Brust: Die Panzerknacker aus Entenhausen hatten höchst reale Vorbilder. Wie zum Beispiel die Gebrüder Franz und Erich Sass aus Berlin. Im deutschen Reich der 1920er-Jahre wurden sie zu gefeierten Medienstars.

Wochenlang hatten sie geschuftet, um den Tunnel zu graben, doch nun, an diesem 27. Januar 1929, waren sie am Ziel, im Tresorraum der Diskontobank an der Kleiststrasse 23. Staubig und verschwitzt leerten die beiden Bankräuber zur Feier des Sonntags zwei Flaschen Wein. Die Schliessfächer waren aufgebrochen, und alles, was die Berliner Hautevolee der Bank anvertraut hatte, lag zum Abtransport bereit.

Es sollte eine Weile dauern, bis der Einbruch überhaupt bemerkt wurde. Als der Kassierer am Montagmorgen den Tresor öffnen wollte, stellte er verblüfft fest, dass sich die Panzertür nicht bewegen liess. Die Bank vermutete einen Defekt, und erst nach zwei Tagen gelang es, die massive Wand zu durchbrechen. Um Zeit zu gewinnen, hatten die Sassens die Tür von innen blockiert.

Der Fall schlug hohe Wellen. Die Kriminalpolizei hatte sofort die Brüder Sass im Visier, doch es half alles nichts: Keine Fingerabdrücke, von der Beute keine Spur. Als die Sassens aus der U-Haft freikamen, schenkten sie der begeisterten Presse Champagner aus.

Fünf Jahre später wurden die Ganoven dann doch überführt und 1940 auf Befehl Adolf Hitlers erschossen. Die 2,5 Mio. Reichsmark aus der Diskontobank dagegen sind bis heute verschollen.

Parkett

Parkettböden, versiegelt oder geölt, sind zeitlos elegant und sehr beständig. Sie sind so alt wie die Architektur. Bei Steinböden nämlich zeigte sich oft ein Problem: Beim Fegen drang regelmässig Wasser durch die Fugen, was die tragenden Balken darunter morsch werden liess. Im Mittelalter waren daher unbehandelte Holzbohlen ein einfacher, robuster Zweckbelag.

Das änderte sich, als der französische König Louis XIV im Jahr 1677 das Schloss Versailles zum offiziellen Regierungssitz machte. Um den Hofstaat aufnehmen zu können, musste der Palast um- und ausgebaut werden. Den Boden des neuen Spiegelsaals liess Architekt Jules Hardouin-Mansart mit rautenförmigen Tafeln aus französischer Eiche belegen. Tatsächlich kommt «Parkett» vom Diminutiv von parc und bedeutete «abgetrennter Raum» oder «hölzerne Einfassung».

Die Herstellung der Tafeln war alles andere als trivial. Die Grösse der einzelnen Kassetten musste perfekt auf den 73 Meter langen und 10,5 Meter breiten Prunksaal und die an den beiden Enden gelegenen Salons abgestimmt werden. Eine erste Parketttafel wurde gezeichnet, und nach ihr hatten sich alle Gesellen und Lehrlinge bis ins letzte Detail zu halten.

Das charakteristische Flechtmuster aus Eichenholz wurde bald zum Inbegriff höfischer Eleganz. Wer etwas auf sich hielt – erst Adel und Kirche, schliesslich wohlhabende Bürger –, liess seinen Salon mit Versailler Parkett schmücken. Und wenn die Kasse stimmt, wird das Parkett des französischen «Sonnenkönigs» bis heute verlegt.

Post

Seit er schreiben kann, schreibt der Mensch Briefe. Schon 3200 vor Christus kratzten Sumerer ihre Nachrichten auf Tontafeln, seit 500 vor Christus Römer die ihren in Wachs. Als teuer, aber praktisch erwies sich das Pergament, das leichter zu transportieren war, doch seinen eigentlichen Durchbruch erzielte der Brief mit dem ums Jahr 100 nach Christus in China entwickelten Papier.

Von allein finden die Briefe ihren Weg kaum; im allgemeinen braucht es dazu die gute alte Post. Alt ist dabei wörtlich gemeint: Einen verlässlichen Botendienst für die Staatsverwaltung gab es schon im alten Persien. Ein Postwesen im modernen Sinn entwickelten dann die alten Römer, zur Kaiserzeit in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus. Daher auch der Name: Post kommt vom lateinischen a positis equis – also vom Ort, wo es Boten und vor allem Pferde zur Beförderung gab.

Auch Email und SMS haben nichts daran geändert: Das Briefeschreiben kommt nicht aus der Mode. Fast 4 Milliarden Briefe stellt allein die schweizerische Post jedes Jahr zu. Und würde die Post sie nicht befördern, sondern säuberlich stapeln, entstünde da jeden Tag ein Turm von mehr als 20 Kilometern Höhe. Dass die Post täglich auch noch 300 000 Menschen ans Ziel bringt, 400 000 Pakete befördert, und 3,3 Millionen Zahlungen abwickelt, sei hier nur am Rande erwähnt. Mit Boten und Pferden ist das nicht mehr zu leisten. Dafür braucht es modernste Technik und Verkehrsmittel – und insgesamt 44 000 Angestellte. Ohne sie käme kein Feriengruss, keine Liebeserklärung jemals ans Ziel.

Die Liebe ist eine Himmelsmacht, und trotzdem: Die allermeisten Briefe sind geschäftlich und knapp gehalten. Und auch das war schon bei den alten Römern so: Brief kommt nämlich vom lateinischen brevis, und das heisst kurz.

Postfach

1873 hält die Moderne Einzug: Nach dem Vorbild der beliebten lock boxes in den USA eröffnet die Schweizerische Post als eines der ersten Länder Europas ihre allererste Postfachanlage. Sie besteht aus Dutzenden abschliessbarer Fächer, in die frühmorgens alle ankommenden Briefe einsortiert werden.

Das Postfach bietet seinem Besitzer drei Vorteile: Er braucht erstens nicht auf den Briefträger zu warten, sondern kann seine Briefpost abholen, so früh er mag. Zweitens kann er seine Wohnadresse für sich behalten: Die Postadresse lautet nur auf das Postfach, dessen Nummer und den Ort. Und drittens verteilen grössere Poststellen die eintreffende Post gleich mehrmals pro Tag. Das Postfach ist daher eine patente Dienstleistung für Firmen, Behörden, Vereine und für ungeduldige, auf Diskretion bedachte Briefeschreiber.

1873 noch postalische Avantgarde, haben E-Mail und Smartphone dem Postfach in den letzten 10 Jahren arg zugesetzt. Heute gibt es in der Schweiz noch rund 360 000 Postfächer. Doch obwohl die Post jährlich immer noch rund 18 Millionen Briefe zustellt, stehen 150 000 Postfächer leer. Das kommt die Post teuer zu stehen: In Städten stehen Postfachanlagen oft an Orten mit hohen Mieten.

Im Gegensatz zu den Telefonkabinen, die noch immer zur Grundversorgung der Post gehören, sind die Postfächer nicht Teil des gesetzlich vorgeschriebenen service public. 200 Anlagen wurden schweizweit bereits abgebaut, und die Nachfrage sinkt weiter. Obwohl sich die Postkunden eigentlich freuen könnten: Bei mehr als fünf adressierten Briefen pro Tag ist der Dienst nämlich gratis. Weil die Briefe auf Papier aber immer weniger werden, ist auch das Postfach immer mehr ein Dienst von gestern.

Postscheck

Noch vor 150 Jahren war Bezahlen eine umständliche Sache. Man musste Bargeld mit sich tragen – bei Hunderten verschiedener Münzen allein auf dem Gebiet der Schweiz alles andere als trivial. Der Gläubiger wiederum musste über Wechselgeld verfügen. Und ob man den Weg selbst unter die Füsse nahm oder einen Boten schickte: Immer konnte etwas schiefgehen, sehr zur Freude der Langfinger.

Abhilfe tat Not. Am 1. Januar 1906 nahm die Schweizerische Post daher ein Zahlungssystem in Betrieb, das ohne Bargeld auskam – nach dem Vorbild Österreichs, das einen solchen Dienst bereits seit 1883 besass. Erstaunlich genug: Für das Geschäft mit dem Überweisen von Geld hatten sich die Banken nie interessiert – zu klein die Beträge, zu gross der Aufwand. Ohnehin wurden die Zahlungen Anfang des 20. Jahrhunderts noch in bar vorgenommen: Der Zahltag steckte noch in der Lohntüte aus Papier, die Miete drückte man dem Hausbesitzer persönlich in die Hand.

Der neue Postscheck-Dienst war ein Kassenschlager. Der sichtbare Teil des neuen Service war der Einzahlungsschein (wie dieser korrekt auszufüllen war, wurde lange Zeit sogar an den Schulen gelehrt). Nachgelagert aber bestand der Dienst aus einer mächtigen staatlichen Infrastruktur, bestehend aus den vielen Poststellen, an denen man die Zahlungsaufträge aufgab, den Postscheckämtern, die die Aufträge sammelten, und schliesslich den Rechenzentren, in denen die Anweisungen anfangs manuell, seit den 1970er-Jahren dann zunehmend maschinell verarbeitet wurden.

Heute ist bargeldloses Zahlen Alltag. Doch schon steht die nächste Revolution vor der Tür: das kontaktlose Bezahlen per Handy und per Smartwatch.