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Spaghetti

Heisses Wasser, etwas Salz und eine Handvoll Spaghetti: Pasta, so könnte man sagen, sind das erste Fertiggericht der Geschichte.

Einer sehr langen Geschichte. Teigwaren stammen aus dem nördlichen China. Am Ufer des Gelben Flusses fanden Archäologen einen 4000 Jahre alten Topf, in dem sich noch Reste von Spaghetti befanden. Eine gigantische Flut hatte das jungsteinzeitliche Dorf überrollt, mit Mann und Maus und mitsamt dem Spaghettitopf, der kopfüber im Schlamm steckenblieb. In seinem Inneren bildete sich ein Vakuum, in dem die Teigwaren aus Hirsemehl überdauerten – bis zum Augenblick ihrer Entdeckung: Mit dem Ausgraben des Topfs gelangte das Jahrtausende alte Nudelknäuel an die frische Luft. Den Forschern blieb gerade genug Zeit, diese Ur-Spaghetti zu fotografieren; danach zerfielen sie vor ihren Augen zu Staub.

Nach Italien gelangten die Pasta lange vor Christi Geburt. In Gräbern der Etrusker, einem Volk in Norditalien, das später im römischen Reich aufging, finden sich farbenprächtige Fresken, die Nudelbrett, Nudelholz und Mehlsäckchen zeigen. Im 12. Jahrhundert, so berichtet der muslimische Geograph al-Idrisi, wurden auf Sizilien itryya bereits in grossen Mengen hergestellt. Itryya, in süditalienischen Dialekten trie, waren fadenförmige Spaghetti aus Hartweizen, die getrocknet und später in Salzwasser gekocht wurden.

Im vorindustriellen Italien waren Spaghetti eine Delikatesse, die, weil sehr aufwändig, grossen Festen vorbehalten war. Erst die maschinelle Verarbeitung des Nudelteigs machte aus den Teigwaren, was sie heute sind: eine Mahlzeit auf die Schnelle.

Hauptsendezeit

20.15 Uhr ist eine Zäsur. Sie teilt den Tag in ein Vorher und Nachher. Das Davor ist Arbeit und Alltag, das Danach hingegen ist Inbegriff von Feierabend und Freizeit. Vom Sonderfall Schweiz einmal abgesehen, beginnt in Europa Punkt viertel nach Acht der Film.

Nur ist 20.15 Uhr als Uhrzeit etwas schräg. In all den Jahrzehnten hat uns das Radio beigebracht, dass wirklich Wichtiges immer zur vollen Stunde stattfindet. Genau genommen ist das auch beim deutschen Fernsehen so, wo die sogenannte «Hauptsendezeit» ihren Ursprung hat. Am Anfang des deutschen Nachkriegsfernsehens, am 26. Dezember 1952, stand um 20 Uhr die allererste Ausgabe der «Tagesschau» auf dem Programm. Die aus dem Off kommentierten Berichte handelten von der Rückkehr des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower aus Korea, dem neuen Fernsehstudio in Hamburg, einem Fussball-Länderspiel und einer Eisrevue – alles Filme, die man für die Kinowochenschau nicht hatte brauchen können. Diese erste «Tagesschau» dauerte 15 Minuten – das Zweitwichtigste begann erst danach: ein Unterhaltungsprogramm mit dem Titel «Eine nette Bescherung», moderiert vom legendären Entertainer Peter Frankenfeld und gesendet aus einem notdürftig umgebauten, stickigen Hamburger Luftschutzbunker.

Bis heute beginnen Krimi und Spielfilm eisern um 20.15 Uhr. In ganz Europa hat sich, allen Medienrevolutionen zum Trotz, dieses schräge Viertel gehalten. In ganz Europa? Nein. Ein unbeugsames helvetisches Fernsehen SRF hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Auf den 1. Januar 1980 wurde die Schweizer «Tagesschau» um 10 Minuten verlängert. Also beginnt sie seither schon um 19.30 Uhr – und der Film um acht.

Curta

Curt Herzstark, 1902 in Wien geboren, liebt das Basteln. Und noch mehr liebt er es, seinen Vater in dessen Fabrik und auf Bürofachmessen zu begleiten. Hier bekommt der Bub die ersten Rechenmaschinen zu sehen, doch die haben einen gewichtigen Nachteil: Sie sind gross und schwer. Curt Herzstark, mittlerweile selbst Feinmechaniker, träumt davon, eine mechanische Rechenmaschine zu entwickeln, die so klein ist, dass man sie in die Tasche stecken kann.

1939 nimmt sein Traum Gestalt an. Das handliche Ding lässt sich mit einer Hand bedienen und sieht ein bisschen aus wie eine kleine Konservendose. Dieser erste Taschenrechner der Welt lässt sich mit Schiebereglern an der Seite und, zum Rechnen, mit einer kleinen, seidenweich laufenden Kurbel an der Oberseite bedienen. Die Curta, wie Herzstark seinen Rechner nennt, beherrscht alle vier Grundoperationen in bis zu elf-, später sogar fünfzehnstelligen Zahlen. Selbst Dreisatz und Wurzelziehen sind möglich.

Doch dann machen Rassenwahn und Krieg dem Erfinder einen Strich durch die Rechnung. 1943 wird Herzstark als «Halbjude» verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Als Mechanikgenie wird er hier für den Bau hochpräziser Waffenteile gebraucht. Herzstark, selbst eine Art Vorzeige-Häftling, rettet einer ganzen Reihe von Menschen das Leben: Er beschafft Lebensmittel und holt andere KZ-Insassen in die schützende Fabrik.

Nach seiner Befreiung findet Herzstark Geschäftspartner – und im Fürsten von Liechtenstein einen Mentor. Im liechtensteinischen Mauren werden in den folgenden Jahrzehnten 140 000 «Curtas» herstellt – bis am Ende die ersten Elektronenrechner aus Fernost diesem mechanischen Wunderwerk den Garaus machen.

Bargeld

Bargeld ist teuer. Das Drucken einer Banknote kostet zwar nur rund 30 Rappen. Weil die im Durchschnitt aber nur drei Jahre lang hält, fallen bei der Schweizerischen Nationalbank jedes Jahr Ersatzkosten von 20 bis 30 Millionen Franken an. Münzgeld ist noch teurer. Was Wunder, dass immer mehr Länder über die Abschaffung von Bargeld nachdenken.

2014 nannte der Harvard-Professor Kenneth Rogoff in einem vielbeachteten Aufsatz zwei gewichtige Gründe, die gegen Bargeld sprechen. Bargeld ist – erstens – eine Nullzinsanlage. Um in Zeiten einer drohenden Deflation Preise und Währungen stabil zu halten, haben die Notenbanken Negativzinsen eingeführt. Im Klartext sind das Gebühren, die die Geschäftsbanken am Ende bei ihren Kunden eintreiben. Auf einmal lohnt sich das Horten von Papiergeld, weil es unter der Matratze seinen Wert behält, auf dem Bankkonto dagegen nicht. Es liegt – zweitens – in der Natur des Bargelds, dass der Empfänger nichts über seine Herkunft zu wissen braucht. Bares, über oder unter dem Tresen durchgeschoben, verleiht Anonymität. Damit ist es dazu angetan, den Handel vor dem Staat zu verschleiern. Es wird geschätzt, dass weltweit mehr als die Hälfte allen Geldes im Untergrund verschoben wird.

Diese beiden Gründe – Nullzins und Anonymität –, dazu das Überhandnehmen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und die neuen Kryptowährungen wie Bitcoin legen laut Rogoff den Verzicht auf Bargeld nahe, zumindest erst einmal der grossen Noten. Ein so radikaler Vorschlag bleibt natürlich nicht unwidersprochen. Aber: Eine Reihe von Ländern haben bereits Barzahlungs-Höchstbeträge eingeführt, und als erstes Land der Welt ist Schweden dabei, das Zahlen mit Cash gänzlich abzuschaffen.

Steganographie

Das kleine Einmaleins des Geheimniskrämers ist das Verschlüsseln, von der einfachen Buchstabentabelle für den Liebesbrief auf dem Schulhof bis hin zur legendären Enigma für die Verschlüsselung deutscher Telegramme im Zweiten Weltkrieg. Das Verschlüsseln hat eine kleine Schwester, die zwar weniger bekannt, aber genauso talentiert ist: die Steganografie.

«Steganografie» ist Griechisch und heisst wörtlich «verdecktes Schreiben». Das einfachste Beispiel ist das Schreiben mit Zitronensaft: Das Vertrauliche lässt sich mit normaler Tinte überschreiben und wird erst durch Erwärmen über einer Kerzenflamme sichtbar. Während klassisches Verschlüsseln aus einem Text unverständliches Kauderwelsch macht, bleibt ein Steganogramm lesbar. Nur der Empfänger weiss, was es damit auf sich hat – zum Beispiel, dass die versteckte Information aus den Anfangsbuchstaben aller Wörter besteht. Für den heimlichen Mitleser dagegen bleibt die Botschaft ohne weiteres verständlich. Und weil er nicht weiss, worum es wirklich geht, schöpft er keinen Verdacht und legt den Brief zur Seite.

Steganografie wird längst nicht mehr nur auf Text angewandt. Eine geheime Planskizze lässt sich in einem harmlos aussehenden Katzenfoto verstecken, indem ein Stückchen Information zur Beschreibung jedes einzelnen Bildpunkts zweckentfremdet wird. Mit entsprechendem Werkzeug lässt sich selbst Spionage-Software in Ton oder Video verwandeln. Auf diese Weise bleibt nicht nur die versteckte Information vertraulich, sondern sogar der Umstand, dass da überhaupt etwas versteckt ist – Steganographie ist sozusagen Geheimniskrämerei im Quadrat.