Alle Beiträge von twb

Etymologie

Etymologie, das ist die Wissenschaft, die die Herkunft der Wörter erforscht. Etymologie kommt vom altgriechischen etymos (wahrhaftig oder echt). Etymologie ist ein Fremdwort, das nur wenige kennen. Und das ist erstaunlich.

Genau genommen haben Menschen nämlich nur drei Fragen, wenn es um Sprache geht. Die erste – und häufigste: Wie schreibt man das? Die zweite, gerade bei Fremdwörtern: Was heisst das? Und schon die dritte: Woher kommt das?

Etymologie als eine Disziplin der Sprachwissenschaft war lange Zeit umstritten, und Etymologen wurden vielfach nicht ganz ernst genommen – was damit zusammenhängen mochte, dass ihre Wissenschaft mehr mit Raten und Behaupten zu tun hatte als mit wissenschaftlicher Forschung. Das änderte sich mit zwei Herren, die wir von ihrer Märchensammlung her kennen: den Gebrüdern Grimm. Beide – Jacob und der um ein Jahr jüngere Wilhelm Grimm – waren ausgewiesene Forscher, und beide suchten sie das Ursprüngliche, das Wahrhaftige in Sprache und Kultur. Sie nahmen das erste wissenschaftliche Werk der Etymologie in Angriff: das gewaltige Deutsche Wörterbuch, dessen erster Band 1854 erschien und das von ihren Nachfolgern erst 1960 fertiggestellt wurde. Noch heute ist das Deutsche Wörterbuch ein Pfeiler der Wissenschaft, die uns einwandfrei beweisen kann, dass der Hirsch, das Horn und unser Hirn viel enger miteinander verwandt sind, als wir das vermuten würden. Oder dass Mauer und Wand nicht nur anders gebaut werden, sondern viel mit dem Zusammenprall der römischen mit der germanischen Kultur zu tun haben.

Die Gebrüder Grimm übrigens haben den Aufschwung der Etymologie nicht mehr erlebt: Wilhelm Grimm starb schon 1859, Jacob vier Jahre später – über seinem letzten Artikel «Frucht».

Cookie

Ich mag Kekse. Aber natürlich weiss ich: Allzuviel ist ungesund. Kekse sind die natürlichen Feinde einer guten Figur, und die Feinde gesunder Zähne sind sie auch.

Mit Keksen gefüttert werden auch Computer. Sie können schmecken, aber einzelne davon sind gar nicht bekömmlich, weder für uns User noch für den PC.

Die Rede ist von sogenannten cookies. Mit Keksen haben sie nur den englischen Namen gemein, und sie kommen nicht aus der Dose, sondern aus dem Internet. Cookies sind kleine Textdateien, in denen Anbieter von Websites speichern, was uns beim Surfen interessiert. Ein Beispiel: Als eifriger Besucher eines Internetforums zum Thema Schrebergarten halte ich regelmässig nach neuen Beiträgen Ausschau. Damit ich mich nicht jedes Mal neu einloggen muss, kann ich die Option anklicken: «immer eingeloggt bleiben». Damit mein Forum nun weiss, dass es ab sofort von mir keine Zugangsdaten mehr verlangen soll, speichert es ab, dass ich zu den Oberschrebergärtnern zähle, dass ich am liebsten Beiträge über das Rosenzüchten mag und pro Besuch durchschnittlich 14 Minuten brauche.

Dagegen wäre weiter nichts einzuwenden, gäbe es da nicht mindestens drei Probleme: Erstens werden diese Cookies ausgerechnet auf meinem PC gespeichert. Zweitens wird gespeichert, ohne dass ich es weiss. Und drittens sind diese Informationen für Betreiber einer Website ohne weiteres lesbar – je mehr Cookies ich also, ohne es zu wissen, gespeichert habe, desto mehr Auskünfte erhalten Fremde über mein Verhalten im Web.

Wie im richtigen Leben gilt: Allzuviel ist ungesund. Von zu vielen Keksen wird einem schlecht. Daher: Ab und zu sollten Cookies vom Speiseplan gestrichen – sprich: kurzerhand von der Festplatte gelöscht werden.

iPod

Die neue Uniform: Das sind nicht mehr Messingknöpfe mit Schweizerkreuz wie zu Grossvaters Zeiten. Die neue Uniform: das sind zwei weisse Ohrstöpsel und, irgendwo tief in der Tasche, ein iPod. Auf der Strasse, im Zug, auf dem Rad: Der iPod ist allgegenwärtig.

pod ist eine technische Abkürzung für plug-on device; ein direkt anschliessbares Gerät. Das englische Wort pod aber ist älter – ein pod ist ein Saatgutbehälter, eine Schale, ein Gefäss. Das von Apple kultivierte kleine i ist nichts anderes als die Abkürzung für Internet. Der Name – iPod – muss irgendwann im Jahr 2000 entstanden sein, als Visionäre und Techniker bei Apple eine zigarettenschachtelkleine Computerfestplatte entwickelten, die nicht Daten, sondern vielmehr Musik speichern und auch gleich abspielen sollte. Der Rest ist Geschichte, nein, Legende: Weit über 100 Millionen Menschen haben bis heute einen iPod gekauft.

Man stelle sich vor: Vor zwanzig Jahren war eine Festplatte gross und schwer wie ein Ziegelstein und laut wie ein Heizlüfter. Sie verfügte über einen Speicher von 20 Millionen Byte und fasste umgerechnet vierzigtausend Buchseiten. Wer damals über dieses technische Wunder staunte, der schüttelt heute nur noch verständnislos den Kopf. Denn der kleinste iPod hat heute noch die Grösse einer Wäscheklammer und bietet schon Platz für eine ganze Bibliothek. Sein grosser Bruder kann 40 000 Songs speichern. Das ist, ohne eine einzige Wiederholung, drei Monate lang Musik rund um die Uhr. Und mit dem kleinen i für Internet macht Apple auch Ernst – der iPod fasst nicht mehr nur Musik, sondern gleich noch drahtloses Internet dazu. Und die Fotosammlung und die Lieblingsfilme ebenso.

Da wollen wir gar nicht mehr wissen, worüber wir in 20 Jahren den Kopf schütteln werden.

Pixel

Ohne den Pixel gäbe es kein E-Mail, kein Internet, kein gar nichts, und doch gibt es kaum etwas unscheinbareres auf der Welt. Das ist eigentlich erstaunlich. Denn alle blicken wir Tag für Tag auf einen Bildschirm – Handy, Fernsehen, Computer. Wenn Sie den einzelnen Pixel suchen: In normaler Computerschrift ist der Pixel buchstäblich das einzelne Pünktchen auf dem i.

Pixel ist ein in den 60er Jahren entstandenes Kunstwort aus picture und element. Wer’s etwas deutscher mag, spricht von Bildpunkten. Aus ihnen setzt sich jedes elektronische Bild zusammen. Was Sie auf einem handelüblichen Computer betrachten, wird von rund 1,3 Millionen Pixeln dargestellt, allein Ihr Handy kann es schon auf 100 000 Pixel bringen.

Vor 20 Jahren war der einzelne Bildpunkt noch viel bescheidener: eine kleine Stelle auf dem Bildschirm, auf der durch eine Lochmaske hindurch geschossene Elektronen besondere, auf dem Bildschirmglas angebrachte chemische Verbindungen zum Leuchten brachten. Diese Punkte konnten mehr oder weniger hell sein und erzeugten so einfarbige Bilder. Heutige Pixel haben mit ihren Vorfahren nur noch wenig gemein: Sie sind kleine Quadrate, die aus Flüssigkristall und hauchdünn aufgetragenen Transistoren bestehen. Sie sind 0,3 Millimeter klein und unterteilen sich in drei Rechtecke – je einem für die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau. Die fein abgestufte elektrische Ansteuerung dieser drei Teile versetzen schon den einfachsten Pixel in die Lage, sage und schreibe 17 Millionen verschiedene Farben darzustellen.

Heute bestimmt der Pixel nichts weniger als unser digitales Leben. Allerdings, wirklich bedeutsam ist das nicht. Wer ein Buch liest, hat auch keine Ahnung davon, wieviel Punkt, Pica oder Cicero der Schriftgrad beträgt. Auf den Inhalt kommt es an. Und, trotz seiner staunenswerten Eigenschaften, nicht auf den Pixel.

Open source

Ruhm und Ehre – und sonst gar nichts: Dies wird Ihr Lohn sein, wenn Sie in nächtelanger Fronarbeit Computerprogramme schreiben und sich der Open-Source-Bewegung anschliessen. Das ist wenig, zugegeben, und erklärungsbedürftig ist es auch.

Open Source – dieser Begriff bezeichnet Software, die kostenlos ist. Jedermann darf sie im Internet herunterladen, nach Belieben nutzen und an beliebig viele andere weitergeben. Nicht nur das: Auch der Quelltext, also der für Programmierer lesbare Bauplan, ist für alle frei verfügbar und darf nach Herzenslust verändert und neu zusammengefügt werden. Die Open-Source-Bewegung glaubt, dass der Zugang zu Wissen immer häufiger die Benutzung von Computern voraussetzt. Die Hersteller von Programmen sollen daher, so lautet ihr elftes Gebot, von den Benutzern kein Geld verlangen.

Da hat uns also jenes amerikanische Unternehmen aus Redmond, das für Open-Source-Anhänger Teufel und Beelzebub in einem darstellt und hier für einmal nicht genannt werden soll, 30 Jahre lang weisgemacht, dass Computerprogramme eine ganz normale, teure Handelsware sind. Und nun erklären uns milchbärtige, chronisch übernächtigte und sich aus Pizzaschachteln ernährende Freaks allen Ernstes, dass – sinnbildlich – Privatverkehr ein Menschenrecht sei und sich daher jeder einen Wagen aussuchen und damit – mitsamt allen Plänen – einfach so und ohne zu zahlen nach Hause fahren darf.

Absurd? Keineswegs, sondern ein Erfolgsprogramm. Ein für alle privaten Zwecke bestens ausgerüsteter Computer lässt sich heute mit solchen Open-Source-Programmen betreiben. Das Betriebssystem Linux, das Office-Paket Open Office oder der Webbrowser Firefox – alles hört auf den Namen Open Source und ist ausgereift, einfach, leistungsfähig.

Milton Friedman, Übervater aller Ökonomen, formulierte das Grundgesetz der Marktwirtschaft so: «There ain’t no such thing as a free lunch». Friedman hatte nur fast recht: Kostenlose Mahlzeiten gibt’s tatsächlich nicht. Software dagegen schon.