Schreibmaschine, elektrische

7. Mai 1957: Die Hannover-Messe öffnete ihre Tore. In der Fachausstellung für Büromaschinen, der Mutter der heutigen CeBIT, stand der Star der Messe: die erste elektrische Schreibmaschine. Mechanische Schreibmaschinen gab es zwar schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts, und längst hatte der harte Anschlag das einstige Kratzen der Federkiele verdrängt.

Elektrische Schreibmaschine
Tippen war harte Arbeit: Eine Sekretärin, die pro Tag 100’000 Anschläge schaffte, drückte ein Gesamtgewicht von 6 Tonnen. Dass in Hannover nun ein Gerät präsentiert wurde, in dem ein Elektromotor die anstrengende Tipperei erledigte, verhiess Komfort und Effizienz.

Doch auch wenn sie zur Ikone der Geschäftswelt werden sollte: diese elektrische Schreibmaschine war bei weitem nicht die erste. Die hatte schon 1902 in Erie, Pennsylvania, der Erfinder George C. Blickensderfer entwickelt: die «Blick’s Electric». Sie war ein Wunder ihrer Zeit – und von Haus aus mit der so genannten «wissenschaftlichen» Tastatur versehen: Die im Englischen häufigsten Buchstaben D-H-I-A-T-E-N-S-O-R fanden sich auf der untersten Tastenreihe, wo sie der Schreiberin am nächsten waren. Das heutige Tastenlayout Q-W-E-R-T-Y hatte die Firma zwar auch auf Lager, riet aber streng davon ab.

Die «Blick’s Electric» mit ihrem wuchtigen, gusseisernen Rahmen konnte schon alles, was 60 Jahre später die legendäre Kugelkopf-Schreibmaschine «Selectric» von IBM auch konnte. Nur erfolgreich war sie nicht. Aber das lag weniger an der Maschine als vielmehr am Umstand, dass es in den Büros von 1902 etwas Entscheidendes noch gar nicht gab: elektrischen Strom.

Schubumkehr

Wir Nichtflieger kennen die Aviatik bestenfalls durch den Flugsimulator am Computer. Und unsere kläglichen Landeversuche bei schlechter Sicht und heftigen Seitenböen haben uns gelehrt, dass auch einfachere Flugmodelle ihre Tücken haben.

Ein Problem beim Landen ist das Tempo: Nach dem Aufsetzen muss gebremst werden, und das tüchtig: Die Landegeschwindigkeit eines modernen Airbus A 320, wie ihn etwa die Swiss einsetzt, beträgt 220 Stundenkilometer. Mit herkömmlichen Bremsen allein ist ein Passagierflugzeug schwer zu stoppen. Dazu braucht es bei Jets die Schubumkehr: Mit einer Stahlklappe, die sich von oben her schräg über den Abgasstrahl schiebt, wird dieser nach unten und nach vorn abgelenkt. Der damit gegen die Fahrtrichtung gerichtete Schub bremst das ausrollende Flugzeug stark ab; die Passagiere hören die Schubumkehr vor allem als Aufheulen der Triebwerke. Bei Tempo 110 wird die Schubumkehr wieder ausgeschaltet, damit aufgewirbelte Steine oder angesaugte Abgase das Triebwerk nicht beschädigen können. Den Rest erledigen dann mechanische Bremsen.

In der zivilen Luftfahrt dürfen nur Flughäfen angeflogen werden, die eine Landung auch ohne Schubumkehr zulassen. Namentlich bei schlechtem Wetter aber ist die Schubumkehr nötig; es hat schon mehrere Unfälle gegeben, weil die Piloten die Schubumkehr zu spät aktivierten. Umgekehrt kann ein Aktivieren vor dem Aufsetzen den Jet abstürzen lassen, und Umkehrschub während des Starts war ebenfalls die Ursache einer ganzen Reihe von Flugzeugunglücken.

Aller Katastrophen zum Trotz: In der Schweiz sind 2007 12 Menschen in Schweizer Flugzeugen ums Leben gekommen. Im Strassenverkehr waren es 384.

Schuh

Der Schuh ist so alt wie die Menschheit selbst. 120 000 Jahre alte Ahlen aus Knochen zeigen, dass schon die Neandertaler Fellstücke zu einer Art Stiefel zusammengenäht haben. Aus dem Fusssack gegen die Kälte wurde mit der Zeit der heutige Mokassin, aus unter die Füsse gebundenen Palmblättern die Sandale – tatsächlich sind die ältesten, in Fort Rock, Oregon, gefundenen Schuhe indianische Sandalen, die vor über 10 000 Jahren hergestellt wurden.

Mit Schuh ist der Fuss anderen Belastungen ausgesetzt als ohne. Das verändert mit der Zeit das Skelett, und solche Mutationen lassen sich schon an den fossilen Knochen von Steinzeitmenschen nachweisen, die in der Tianyuan-Höhle bei Peking gelebt haben. Alt ist auch das Wort: Der Ursprung ist vermutlich die indoeuropäische Silbe sko – und so heisst «Schuh» in ganz Skandinavien bis heute.

Wenn ein Schuhmacher einen Schuh herstellt, benutzt er seit jeher einen Schusterleisten, eine Holzform in der Form eines Fusses – von ihm kommt die Redensart «Schuster, bleib bei deinem Leisten». Zwei gut erhaltene römische Schuhleisten wurden 2007 in Oberwinterthur gefunden. Bei der Herstellung eines soccus (eines bei Römerinnen beliebten leichten Schuhs, von dem auch unsere «Socke» abstammt) wurde zuerst Oberleder und Innensohle mit der Innenseite nach aussen zusammengenäht. Damit die Nähte später innen lagen und die Laufsohle aufgenäht werden konnte, musste der Schuh nach aussen gestülpt werden. Und dank diesem Kniff sagen wir bis heute: «Umgekehrt wird ein Schuh draus».

Schutzstaffel

Am Anfang war der «Stosstrupp Adolf Hitler», 1923 rekrutiert, im Jahr des ersten Putschversuchs im Münchner Bürgerbräukeller. Aus den Bodyguards von einst wurde die «Schutzstaffel», eine reichsweite Organisation, die sich gegen Widersacher im Inneren der Partei richtete. Dieser Wandel vom Schläger- zum Spitzeldienst war fatal: Die SS und insbesondere ihre Elite, die Waffen-SS, gab vor, das deutsche Volk zu schützen – nicht vor äusseren Feinden, sondern vielmehr vor angeblichen Schädlingen im Inneren: vor Juden, Kommunisten, Geisteskranken, Homosexuellen, Kriminellen, Arbeitsscheuen, Zigeunern und Landstreichern, wie sie im SS-Jargon hiessen. Mit «Schutzhaftbefehlen» wurde ohne Verfahren, auf blosse Denunziation hin oder nach reinem Gutdünken verhaftet, oft auf unbeschränkte Zeit und bis zum Tod durch Krankheit oder Folter. Die SS führte die Konzentrationslager, SS-Einheiten eskortierten die Züge, die Millionen in die Vernichtungslager brachten. Und in der Zentrale im Berliner Prinz-Albrecht-Palais wurden die Gräuel mit bürokratischem Irrwitz verwaltet: Jede Schreibmaschine verfügte eigens über eine Type mit der SS-Doppelrune.

Heinrich Himmler, oberster Chef dieser perversen Polizei, suchte nach Kriegsende hektisch nach Kontakten mit den Alliierten, um einer Strafe zu entgehen. Ohne Erfolg. Seine etwas zu neuen, auf den Namen «Heinrich Hitzinger» gefälschten Papiere fielen britischen Militärpolizisten auf, und am 23. Mai 1945 biss Himmler in einem Verhörzimmer in Lüneburg auf eine Zynkalikapsel. Die SS wurde formell aufgelöst, ihr Hauptquartier an der Prinz-Albrecht-Strasse gesprengt.

Heute steht auf der mit grauem Schotter bedeckten, leeren Fläche ein Dokumentationszentrum mit dem Namen «Topographie des Terrors».

Schweizer-Käse-Modell

Irren ist menschlich, und wir alle machen Fehler. Daher verfügen komplexe Systeme wie Flugzeuge, Kliniken oder Kraftwerke über ein ganzes Arsenal von Schutzmechanismen, Alarmen, Barrieren oder Abschaltvorrichtungen. Diese Vorkehrungen sind in Schichten angelegt, so dass ein Fehler in einer Schicht spätestens von der nächsten aufgefangen wird. Im Jahr 2000 untersuchte der britische Psychologe James Reason eine ganze Reihe von Untersuchungsberichten, zum Atomunfall von Tschernobyl etwa, zur Giftgaskatastrophe von Bhopal oder der Explosion der Raumfähre «Challenger» – und erfand das «Schweizer-Käse-Modell».

«In einer idealen Welt ist jede Verteidigungsschicht intakt», schrieb Reason in seiner Studie. «In der Realität aber sind Sicherheitsmassnahmen eher wie Scheiben eines Schweizer Käses, die viele Löcher haben.» Reasons Metapher leuchtet ein: Jede einzelne Käsescheibe mag zwar da und dort ein Loch haben, aber kaum je an derselben Stelle wie die nächste. Und doch zeigt die Erfahrung, dass irgendwann irgendwo lauter Löcher übereinander zu liegen kommen und ein Fehler bis zur Katastrophe durchrutscht. Und zu verhindern, dass so etwas passiert, greifen Fachleute bei der Risikoanalyse bis heute zum «Schweizer-Käse-Modell». Sie suchen nach Löchern – zum Beispiel zu ähnliche Arzneimittelpackungen in der Spitalapotheke, die, wenn dicht an dicht gelagert, zu Verwechslungen führen können. Eine neue Käsescheibe kann vorsehen, dass die Medikamente anders verpackt und nicht mehr am selben Ort gelagert werden.