Walkman

Das Wort hatte einen einmaligen Klang: Walkman. Das zeugte von Urbanität und ein bisschen Rebellion, verhiess Selbstbestimmung und Status. Der allererste Walkman hörte auf den Namen Sony TPS-L2, und der war ein batteriegetriebenes Kassettengerät für unterwegs. Revolutionär war nicht die Technik – tragbare Kassettenrecorder gab’s schon länger –, sondern seine Winzigkeit: 3,5 mal 14 mal 9,5 Zentimeter und 300 Gramm: Das war, im Jahr 1979, eine Revolution. Zum ersten Mal fanden Schallplatten Platz in der Hosentasche. Natürlich nicht die Platten selbst, sondern die immer leicht verrauschten und schon damals vorzugsweise illegal kopierten Kassetten, aber das tat der neuen grossen Freiheit keinen Abbruch.

Walkman
Der neue Walkman machte die Musik mobil, und das war buchstäblich unerhört. Pink Floyd auf dem Schulweg, Tschaikowsky im Strandbad – das war der Gipfel der Genüsse. Und damit dieser Genuss von Walkmännern der ersten Stunde nicht in Autismus umschlug, verfügte der TPS-L2 über eine so genannte hot-Taste – einen roten Knopf, der beim Drücken die Lautstärke senkte, ein eingebautes Mikrofon aktivierte und dem Musikfan so wenigstens ein bisschen Umwelt in die Kopfhörer holte. Der erste Walkman war überhaupt ein soziales Gerät: An den TPS-L2 liessen sich nicht nur ein, sondern gleich zwei Kopfhörer anschliessen.

Dem ersten Sony-Walkman war ein enormer Erfolg beschieden – bereits nach drei Monaten waren 30 000 Geräte verkauft. Walkman heissen übrigens ausschliesslich Geräte von Sony: Die Marke ist geschützt. Sie war so erfolgreich, dass sie sich heute noch – in Form eines kugeligen W – auf mp3-Playern und Handys findet.

Der Ur-Walkman von 1979 aber ist fast vergessen. Anzutreffen ist er allenfalls noch auf Ebay – und in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums.

Wäscheklammer

Die Wäscherin im Mittelalter hatte genau zwei Möglichkeiten: Entweder klemmte sie die Wäsche mit einer Klammer fest, die aus einem einfachen Holzstück mit Schlitz bestand, oder aber sie hängte die Kleider lose über die Leine. Beides war nicht ohne Tücken: Entweder scheuerte das Holz mit der Zeit den Stoff durch, oder der Wind verteilte die Wäsche übers Land.

Das änderte sich erst 1853, nachdem Erfinder David M. Smith im US-Bundesstaat Vermont über das Problem nachgedacht hatte. Seine neuartige Wäscheklammer besass zwei Holzschenkel mit einem Stift als Achse. Oberhalb, zwischen die beiden Griffe geklemmt, fand sich eine separate Feder, welche die Klammer nach dem Loslassen wieder zusammenpresste. «Meine Erfindung», so schrieb Smith, «beschädigt den Stoff nicht, wie das eine herkömmliche Klammer tut, und ein weiterer wichtiger Vorteil besteht darin, dass sie sich vom Wind nicht losreissen lässt».

So simpel eine einfache Wäscheklammer auch scheinen mag – in der Zeit der Industrialisierung war sie Gegenstand einer wahren Erfindungswut. Für Klammern aller Art wurden zwischen 1852 und 1887 allein in den USA 146 Patente erteilt. Eine markante Verbesserung war schliesslich die Erfindung des ebenfalls in Vermont lebenden Solon E. Moore: Sein Patent von 1887 zeigt eine Wäscheklammer mit nur noch einem gebogenen Drahtstück, das zugleich als Spiralfeder und als Achse dient. Eben diese Klammer ist es, die seither in unterschiedlichsten Ausführungen unsere Wäsche an der Leine hält: aus Plastik – oder aber, ökologischer, aus Birkenholz, das nicht abfärbt und keine Harzflecken hinterlässt.

WC-Ente

Sauberkeit liegt dem Drogisten Walter Düring aus Dällikon im Kanton Zürich sozusagen im Blut: Seine Mutter Maria hat 1950 das Entkalkungsmittel Durgol erfunden, und Reinigungsmittel werden zum Geschäft der Familien-AG.

Nun gibt es stille Örtchen, die sich naturgemäss nicht gar so leicht putzen lassen – der nach innen gebogene Rand der Toilettenschüssel zum Beispiel. Walter Düring und seine Ehefrau Vera tüfteln und tüfteln, im Büro stapeln sich die Zeichnungen, und daraus wird eine Flasche, deren Hals so gebogen ist, dass sich der Reiniger auch dann noch unter den WC-Rand spritzen lässt, wenn die Flasche fast leer ist.

Ich sah mir meine Skizzen an und plötzlich machte es Klick,

sagt Düring später:

Ich hatte die technische Lösung gefunden. Sie sah aus wie ein Entenhals.

Ein von Hand geschnitzter Prototyp aus Holz wird 1980 patentiert, die WC-Ente kommt auf den Markt und tritt ihren Siegeszug an.

20 Jahre später, im Jahr 2000, läuft der Patentschutz aus, und heute wird der Reiniger «mit Entenhals-Technologie» vom amerikanischen Konzern SC Johnson hergestellt. Doch die Ente hat schon bessere Zeiten gesehen: Tests bemängeln seit Jahren bedenkliche Inhaltsstoffe, umweltschädliche Desinfektionsmittel oder Ameisensäure. Und doch kennt jedes Kind die Plastikflasche mit dem charakteristischen Hals: Die WC-Ente ist eine Design-Ikone, und sie prangt, zu Ehren des Erfinders Walter Düring, seit September 2025 auf einer 2.50-Franken-Briefmarke der Schweizerischen Post.

Web, world wide

Wieviele Seiten hat das Internet? Eine Antwort ist fast unmöglich. Da gibt es zwar den Google-Trick: Ins Suchfeld geben Sie den Buchstaben e ein, und Google zählt über 7 Milliarden Treffer. Aber bei arabischen oder chinesischen Seiten hilft unser e nicht weiter.

Also noch einmal: Wieviele Seiten hat das Internet? Das anerkannte britische Unternehmen netcraft.com aus Bath weiss es. Netcraft kontaktiert mit speziellen, spiders genannten Suchprogrammen alle am Netz befindlichen Server der Welt und zählt dann die auf diesen Servern gelagerten Websites. Die aktuellste Zählung ergab insgesamt 185 Millionen Websites.

Nur: Eine Website kann eine einzige Seite sein mit Lebenslauf oder Familienfotos – oder aber ein Firmenauftritt mit Tausenden von Einzelseiten, die dynamisch von einer Datenbank erzeugt werden. Das sind dann nicht mehr Webseiten im eigentlichen Sinn.

Aber dennoch: Es gibt einen Weg, die Seitenzahl des Internet zu schätzen. Und der geht so: Im August 2005 publizierte die Suchmaschine Yahoo zum letzten Mal die Gesamtzahl der von ihr indexierten Seiten – es waren gut 19 Milliarden. Die verteilten sich, diesmal laut Netcraft und ebenfalls im August 2005, auf gut 70 Millionen Websites – das macht durchschnittlich 273 Seiten pro Website. Nach Adam Riese heisst das: Unsere heutigen 185 Millionen Websites mal 273 ergibt sage und schreibe 51 Milliarden Seiten.

Zugegeben: Mit genauem Rechnen haben diese 51 Milliarden Seiten nichts zu tun. Nur: Unmögliche Rechnereien wie diese haben Menschen schon immer fasziniert. Im Mittelalter stritten sich Gelehrte darüber, wieviele Engel auf einer Nadelspitze sitzen können.

Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

WEF

Das jährliche Managertreffen in Davos ist in der Öffentlichkeit bekannt unter dem Namen WEF. Und das ist eigentlich falsch. Das Weltwirtschaftsforum nämlich ist eine private Stiftung in Genf. Aber klar: Schlagzeilen macht das WEF nicht mit dem stillen Wirken hinter den Kulissen, sondern mit seiner riesigen Bühne in Davos: Jedes Jahr treffen sich im Kongresszentrum zweieinhalbtausend Wirtschaftsvertreter, dazu Hunderte von Politikern, religiösen Führern, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, aus einhundert Ländern der Erde. Für die Sicherheit der alles in allem 6000 Besucher, von Präsidentin bis Kammerdiener, sind 5000 Soldaten zuständig. Und fürs nötige Rampenlicht sorgen 400 Medienleute jeder Couleur.

Nur: Soviel Rampenlicht will nicht so recht zum lichtscheuen WEF passen. Wirklich Wichtiges wird in gut abgeschirmten Sitzungszimmern und Hotelsuiten besprochen, fernab jeder Öffentlichkeit. Die bleibt allein schon wegen der Teilnahmegebühr von 14 000 Franken fern. Kritiker monieren, dass am WEF zwar die Probleme dieser Welt diskutiert werden, dass aber die Menschen, namentlich in der Dritten Welt, kaum oder gar nicht vertreten sind. Die militanten WEF-Gegner schliesslich, die immer wieder mit Ausschreitungen auf sich aufmerksam machen, hätscheln sorgfältig das Image vom Forum als Fratze der Globalisierung.

Das WEF als riesiger Wirtschafts-, Polit- und Medienbetrieb hat da ein Imageproblem. Abhilfe schaffen soll die neue Internetplattform welcom.org. Hier sollen sich Wirtschaftsführer, Spitzenpolitikerinnen und Experten ungestört austauschen können – zum Wohle der Menschheit natürlich. Der Menschheit? Die Seite enthält vor allem ein Eingabefeld für das Passwort. Denn sie funktioniert fast wie das WEF: unter Ausschluss der Öffentlichkeit.