Ombudsmann

Ein Ombudsmann – oder eine Ombudsfrau – wird in der Regel von einem Parlament eingesetzt. Sie sollen sicherstellen, dass die Rechte von Bürgerinnen und Bürgern eingehalten werden, und sie überprüfen die Arbeit der Verwaltung. Der sperrige Name «Ombudsmann» kommt vom altnordischen Wort umboð, auf Deutsch «Auftrag» oder «Vollmacht». Der erste Ombudsmann der Geschichte war ein Schwede: Sein Amt wurde 1809 eingeführt und war als Vertrauensperson des Volkes gedacht. Das Beispiel machte Schule: Ombudsleute setzten sich erst in Skandinavien, nach dem Zweiten Weltkrieg dann auch in anderen Ländern Europas durch.

Heute haben die UNO, Regierungen, Organisationen und auch private Unternehmen eigene Ombudsleute. Ihre Dienste sind in der Regel kostenlos, sie arbeiten unabhängig, besitzen aber keine Verfügungsgewalt. Sie nehmen Beschwerden entgegen, hören zu, erklären, vermitteln und suchen Lösungen. Sie prüfen, ob die Verwaltung korrekt, verhältnismässig und bürgernah arbeitet. Viele Ombudsstellen stehen auch Angestellten der Verwaltung offen, die bei Problemen am Arbeitsplatz nicht weiterwissen.

Vorreiterin in der Schweiz war die Stadt Zürich, die 1971 eine erste Ombudsstelle einrichtete, andere Städte und Kantone folgten. Einzig auf Bundesebene hat’s bisher nicht geklappt: Viele Kantone und die bürgerlichen Parteien stellten sich quer, und so beschloss die zuständige Nationalratskommission 2004, auf ein entsprechendes Gesetz zu verzichten.

Palast

Das antike Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, einer davon ist der 10 Hektar grosse und 51 Meter hohe Palatin. Seinen Namen hat er, so nehmen Sprachforscher an, vom römischen Hirtengott Pales. Auf dem Palatin hat Romulus angeblich die Stadt gegründet, hier standen Tempel, hier liessen Patrizier und Konsuln ihre Villen bauen und nach ihnen die Kaiser Augustus, Tiberius und Nero. Der Palatin war das exklusivste Villenviertel der Stadt.

Als Synonym für «herrschaftliche Residenz» wanderte der Name «Palatin» in die europäischen Sprachen ein und wurde zu palais, palace, palazzo – und im Deutschen als erstes zur Pfalz. Die über 350 deutschen Pfalzen waren Schlösser und Burgen für die reisenden Könige, Kurfürsten, Herzöge und Bischöfe. Viel später wurde dasselbe Wort «Palatin» ein zweites Mal entlehnt, und dieses Mal wurde daraus «Palast».

Ein Palast ist nicht nur der Inbegriff unermesslichen Reichtums, er ist auch ein Zeichen der Macht. Es war daher kein Zufall, dass die französische Revolution 1793 ihr Tribunal im früheren Pariser Königspalais einrichtete und dieses umbenannte in «Palais de la Justice». 180 Jahre später liess die DDR ihr Parlamentsgebäude in Berlin auf dem Gelände des kaiserlichen Stadtschlosses bauen und nannte es machtbewusst «Palast der Republik». Die Schweiz ist da bescheidener: Hier ist «Palace» höchstens der Name für ein – zugegebenermassen luxuriöses – Hotel.

Palaver

Wenn die Roten sich einmal bei einem solchen Palaver befinden, pflegt dieses fast kein Ende zu nehmen,

schreibt Karl May in seinem Klassiker «Winnetou». Und so wissen wir seit unserer Kindheit, dass ein Palaver nichts als ein langatmiges, fruchtloses Gerede ist.

Im alten Griechenland war παραβολή, parabolē, noch ein literarisches Gleichnis, und als solches ist es verwandt mit der deutschen Parabel und der Parole. Als dieses Wort als palavra bei den Seeleuten Portugals ankam, wurde es zum Begriff für langwierige, oft ergebnislose Verhandlungen mit den Händlern an den Küsten Westafrikas.

Tatsächlich hat das Palaver auf dem afrikanischen Kontinent eine lange Tradition. Und hier ist es alles andere als leeres Geschwätz. Ein afrikanisches Palaver ist ein Dialog auf Augenhöhe, freundlich im Ton und friedvoll in der Absicht, und sein Ziel ist es, im weitesten Sinn ein Problem zu lösen. Keiner der Teilnehmer hat den Ausweg parat, keiner will ein Ergebnis durchsetzen. Lösungen werden gesucht und, von gleich zu gleich, entwickelt. Dabei geht es nie nur um die Sache, sondern immer auch um die Gemeinschaft, den Konsens. Mehrheit gegen Minderheit, eine Kontroverse, ein Streit, all das wird konsequent vermieden. Kurzum: Das Ziel des Palavers ist, was wir heute eine Win-win-Situation nennen.

Und weil ein Palaver viel mehr sucht als bloss den schnellen Ausweg, kann es viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber: Am Ende steht die belastbare Übereinkunft, die für alle bindend ist, weil alle sie gemeinsam erarbeitet und ihr am Ende zugestimmt haben. So gesehen, wäre der Welt durchaus mehr Palaver zu wünschen.

Pangäa

Vor 200 Millionen Jahren war der Atlantik noch ein See, Marokko grenzte an Kanada, und die Schweiz lag am Meer. Und Kontinente gab es nicht.

Oder besser: Es gab nur einen einzigen Kontinent. Im hohen Norden lag China, im Osten Iran, im Westen Mexiko, ganz im Süden Neuseeland – oder zumindest die Landmassen, die wir heute als Länder kennen. Dass der Osten Südamerikas auf Afrikas Westen passt wie ein Puzzleteil aufs andere, fiel Kartografen schon im 16. Jahrhundert auf. Das ging auch dem deutschen Geowissenschaftler Alfred Wegener so:

Die erste Idee der Kontinentverschiebungen kam mir bereits im Jahre 1910 bei der Betrachtung der Weltkarte unter dem unmittelbaren Eindruck von der Kongruenz der atlantischen Küsten, ich ließ sie aber zunächst unbeachtet, weil ich sie für unwahrscheinlich hielt.

Aber: Immer mehr geologische und erdgeschichtliche Befunde legten nahe, dass alle Erdteile einmal zu einem urzeitlichen Riesenkontinent gehört haben müssen, bevor dieser durch langsame Bewegung, die «Drift», in einzelne Teile zerbrach. Die Theorie dieser einen Rieseninsel im erdumspannenden Ozean formulierte Wegener zum ersten Mal in zwei Vorträgen 1912; den Superkontinent nannte er «Pangäa» – von pan, dem griechischen Wort für «ganz», und gaia, der poetischen Bezeichnung für «Land».

Dessen Überreste liegen bis heute buchstäblich unter unseren Füssen: In Gesteinsschichten des Monte San Giorgio im Tessin, einst eine Meereslagune, liegen die Skelette Abertausender Schwimmsaurier, die einst Pangäa bevölkert haben.

Panik

Zu Hunderten bevölkerten die Götter den Olymp, doch auch sie wurden zuweilen vom Teufel geritten. Davon erzählen lustvoll die Sagen der griechische Mythologie. Einer dieser Götter war der Wald- und Hirtengott Pan, der Sohn des Hermes und einer Nymphe. Weil klein Pan mit Hörnern, Hufen und einem Bart zur Welt kam, setzte ihn seine entsetzte Mutter kurzerhand aus. Halb Mensch, halb Ziegenbock – auf dem Olymp fand Pan keinen Platz, so dass er mit Arkadien vorlieb nehmen musste.

So göttlich seine Abstammung, so teuflisch seine Anwandlungen. Aus purer Niedertracht und in der glühenden Stille des Mittags, so will es die Sage, pflegte Pan mit einem lauten Schrei ganze Herden in Angst und Schrecken zu versetzen und in eine zügellose Flucht zu jagen. «Panisch» heisst denn auch nichts anderes als «dem Hirtengott Pan gleich», und über das griechische Adjektiv «panikós» und das französische «panique» ist der panische Schreck im 18. Jahrhundert auch in deutsche Auen eingefallen. Dabei erschreckt Pan durchaus auch Herden im übertragenen Sinn: «Ein panisches Schrecken bemächtigte sich aller Zuhörer», schildert Karl Philipp Moritz in seinem Roman «Anton Reiser» 1785 die Wirkung, die der wortgewaltige Pastor Paulmann mit seiner donnernden Predigt erzielt. Das psychologische Phänomen, das wir heute unter Panik verstehen, beschreibt Detlev von Liliencron präzise in einem Gedicht von 1903:

Es hält nicht länger die Gesellschaft fest,
Ein Hasten, Schieben, Schubsen, Stossen, Schrein,
Panik und Flucht aus dem verfluchten Nest,
Ein jeder will der erste draussen sein.

Bedrängnis und Beklemmung sind tatsächlich der Ursprung aller Angst: «Angst» allerdings heisst schon seit Jahrtausenden so und stammt nicht von Göttern ab, sondern vom indogermanischen Wort für «eng».