Tag

Was in unbekanntem Gelände weiterhilft, sind Wegweiser. Verschlungener als im Internet sind die Wege nie gewesen. Da braucht es eine Menge Wegweiser.

Einer davon nennt sich tag, Englisch für «Schild», «Aufkleber» oder «Etikett». Schilder gibt’s in der virtuellen Welt nicht, weshalb man besser von Kategorien spräche, aber die Funktion ist dieselbe: Tags sollen eine Beziehung zwischen Inhalten herstellen, die der Computer allein nicht erkennen kann. Computer sind nämlich ziemlich einfältig. Für sie hängt zusammen, was zum Beispiel dasselbe Wort oder dieselbe Zahl enthält. Zwei Artikel zum Beispiel, einer über über den Unternehmer Mark Zuckerberg und einer über das grösste soziale Netzwerk, haben in der Datenwelt nichts miteinander zu tun.

Es sei denn, ein Mensch stelle diesen Zusammenhang ausdrücklich her. Dazu dient der Tag – also etwa «Facebook» – ein Begriff, das im genannten Artikel nicht einmal vorzukommen braucht (weshalb man auch von Metadaten spricht). Eingeführt wurden die Tags 2003 von der Link-Sharing-Plattform Delicious und dem Bilderdienst Flickr. Tags können vollkommen beliebig vergeben werden, je nach System vom Verfasser, von der Leserin oder gar von beiden. Wer den Zuckerberg-Artikel also etwa mit «Ideenklau» taggt, wird nicht auf Widerspruch seines Computers stossen, sondern allenfalls der Facebook-Rechtsabteilung.

Tags sind im heutigen Web unverzichtbar; beliebt ist die so genannte tag cloud, eine Wolke von Wörtern, deren Schriftgrösse ihrer Häufigkeit entspricht. Aber Tags sind beileibe keine Erfindung des Internet. Über Generationen waren sie eine Domäne der Bibliothekare, füllten ganze Kataloge und hiessen «Schlagworte».

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