Okay

In Ordnung, das war gestern. Heute heisst das okay. Ob es um den Preis eines Massanzugs geht oder die moralische Bewertung eines Seitensprungs: alles ist okay. Was uns da so selbstverständlich über die Lippen kommt, ist ein Lieblingskind der Sprachgeschichte.

Okay
Okay
«Ok» ruft abenteuerlichste Spekulationen hervor, und einige davon klingen ganz plausibel: Der deutsche Sprachrat vermutet den Ursprung auf deutschen Druckfahnen mit dem Vermerk «ohne Korrektur», o.k. Die deutsche Bundeswehr dagegen glaubt an die Abkürzung für «Ober-Kommando»; die american army an zero killed, null k, keine Opfer. Sprachforscher wiederum vermuten den Ursprung im Dialekt der Choctaw-Indianer, wo das Wort okeh soviel heisst wie «Ja, in Ordnung». Und schliesslich gibt’s da noch die Boxer und Humoristen, die behaupten, ok sei schlicht das Gegenteil von k.o.

Die plausibelste Herleitung stammt vom im Jahr 2002 verstorbenen amerikanischen Sprachwissenschaftler Allan Walker Read. Seine Geschichte geht so: In den 1830-er und 1840-er Jahren gab es an der amerikanischen Ostküste die beliebte Mode, alltägliche Ausdrücke mit möglichst unsinnigen Abkürzungen zu versehen. Da stand etwa kg für no go, ow stand für all right – ganz nach dem Motto: Je falscher, desto besser.

Ok, soviel fand Read heraus, stammt von einem Kolumnisten, der dieser Abkürzungsmasche erlag und am 23. März 1829 in einer Satire der Boston Morning Post ok schrieb – als spassige Abkürzung für all correct. All mit o, correct mit k: Das war gleich doppelt falsch – und in den Augen der Spassvögel also auch doppelt so gut.

Dass hinter ok also viel Falsches steckt, das wissen wir heute nicht mehr – oder höchstens dann, wenn wir hören, ein sündhaft teurer Massanzug oder ein kleiner Seitensprung seien «okay».

Oktobass

Hector Berlioz war hell begeistert.

Herr Vuillaume, Geigenbauer in Paris, dessen vortreffliche Geigen sehr gesucht sind, hat die Familie der Streichinstrumente mit einer schönen und mächtigen Individualität bereichert: mit dem Okto-Baß. (…) Dieses Instrument hat Töne von merkwürdiger Gewalt und Schönheit, voll und stark, ohne Rauheit. Es würde in einem großen Orchester außerordentliche Wirkungen hervorbringen und sollte bei Musikfesten, falls die Zahl der Instrumentalisten 150 übersteigt, wenigstens in dreifacher Besetzung vorhanden sein.

Dies schreibt der Komponist in seiner Instrumentationslehre. Das Instrument, das der Pariser Geigenbauer Jean-Baptiste Vuillaume 1850 auf Berlioz‘ Wunsch nach einem noch voller klingenden Bass hin gebaut hatte, war tatsächlich enorm: Der Oktobass mit seinen drei Saiten, deren Stimmung eine Oktave unterhalb des Cellos liegt, misst volle dreieinhalb Meter. Das Griffbrett ist so lang und die Saiten sind so dick, dass der Musiker, auf einem eigens dafür gebauten Podest stehend, den Oktobass nur mit einem Mechanismus aus Hebeln oder Pedalen spielen kann. Die wenigen modernen Nachbauten sind sogar noch eine Oktave tiefer gestimmt: Der tiefste Ton schwingt bei für das menschliche Ohr nicht mehr hörbaren 16 Hertz.

Erfinder Vuillaume baute Zeit seines Lebens nur gerade drei Oktobässe, deren einer gar 1867 in London einem Grossbrand zum Opfer fiel. Und obwohl 2016 das Orchestre symphonique de Montréal unter seinem Chef Kent Nagano den Oktobass offiziell eingeführt hat, ist diese Riesin unter den Bassgeigen eine ausgesprochene Seltenheit geblieben.

Ombudsmann

Ein Ombudsmann – oder eine Ombudsfrau – wird in der Regel von einem Parlament eingesetzt. Sie sollen sicherstellen, dass die Rechte von Bürgerinnen und Bürgern eingehalten werden, und sie überprüfen die Arbeit der Verwaltung. Der sperrige Name «Ombudsmann» kommt vom altnordischen Wort umboð, auf Deutsch «Auftrag» oder «Vollmacht». Der erste Ombudsmann der Geschichte war ein Schwede: Sein Amt wurde 1809 eingeführt und war als Vertrauensperson des Volkes gedacht. Das Beispiel machte Schule: Ombudsleute setzten sich erst in Skandinavien, nach dem Zweiten Weltkrieg dann auch in anderen Ländern Europas durch.

Heute haben die UNO, Regierungen, Organisationen und auch private Unternehmen eigene Ombudsleute. Ihre Dienste sind in der Regel kostenlos, sie arbeiten unabhängig, besitzen aber keine Verfügungsgewalt. Sie nehmen Beschwerden entgegen, hören zu, erklären, vermitteln und suchen Lösungen. Sie prüfen, ob die Verwaltung korrekt, verhältnismässig und bürgernah arbeitet. Viele Ombudsstellen stehen auch Angestellten der Verwaltung offen, die bei Problemen am Arbeitsplatz nicht weiterwissen.

Vorreiterin in der Schweiz war die Stadt Zürich, die 1971 eine erste Ombudsstelle einrichtete, andere Städte und Kantone folgten. Einzig auf Bundesebene hat’s bisher nicht geklappt: Viele Kantone und die bürgerlichen Parteien stellten sich quer, und so beschloss die zuständige Nationalratskommission 2004, auf ein entsprechendes Gesetz zu verzichten.

Open source

Ruhm und Ehre – und sonst gar nichts: Dies wird Ihr Lohn sein, wenn Sie in nächtelanger Fronarbeit Computerprogramme schreiben und sich der Open-Source-Bewegung anschliessen. Das ist wenig, zugegeben, und erklärungsbedürftig ist es auch.

Open Source – dieser Begriff bezeichnet Software, die kostenlos ist. Jedermann darf sie im Internet herunterladen, nach Belieben nutzen und an beliebig viele andere weitergeben. Nicht nur das: Auch der Quelltext, also der für Programmierer lesbare Bauplan, ist für alle frei verfügbar und darf nach Herzenslust verändert und neu zusammengefügt werden. Die Open-Source-Bewegung glaubt, dass der Zugang zu Wissen immer häufiger die Benutzung von Computern voraussetzt. Die Hersteller von Programmen sollen daher, so lautet ihr elftes Gebot, von den Benutzern kein Geld verlangen.

Da hat uns also jenes amerikanische Unternehmen aus Redmond, das für Open-Source-Anhänger Teufel und Beelzebub in einem darstellt und hier für einmal nicht genannt werden soll, 30 Jahre lang weisgemacht, dass Computerprogramme eine ganz normale, teure Handelsware sind. Und nun erklären uns milchbärtige, chronisch übernächtigte und sich aus Pizzaschachteln ernährende Freaks allen Ernstes, dass – sinnbildlich – Privatverkehr ein Menschenrecht sei und sich daher jeder einen Wagen aussuchen und damit – mitsamt allen Plänen – einfach so und ohne zu zahlen nach Hause fahren darf.

Absurd? Keineswegs, sondern ein Erfolgsprogramm. Ein für alle privaten Zwecke bestens ausgerüsteter Computer lässt sich heute mit solchen Open-Source-Programmen betreiben. Das Betriebssystem Linux, das Office-Paket Open Office oder der Webbrowser Firefox – alles hört auf den Namen Open Source und ist ausgereift, einfach, leistungsfähig.

Milton Friedman, Übervater aller Ökonomen, formulierte das Grundgesetz der Marktwirtschaft so: «There ain’t no such thing as a free lunch». Friedman hatte nur fast recht: Kostenlose Mahlzeiten gibt’s tatsächlich nicht. Software dagegen schon.

PacMan

«PacMan» hat Jahrgang 1980 und ist ein gelber Kreis mit einem nach rechts geöffneten, dreieckigen Mund. Und er ist ein gefrässiger Kerl. Er frisst kleine rosa Punkte und vor allem, bei geschicktem Spielen, eines der vier bunten Gespenster, die ihm auf die Pelle rücken.

PacMan

Und vor allem frass er, ratzeputz, das Taschengeld einer ganzen Generation. Bis Ende der 1990-er Jahre spielte PacMan allein in den USA 2,5 Milliarden Dollar ein – in 25-Cent-Münzen, die man gegen jeweils drei PacMan-Leben tauschte. PacMan war ein Videogame. 1980, als die Wissenschaft noch mit dem ersten Personalcomputer schwanger ging und an ein Web noch nicht zu denken war, war das ein schrankgrosser Kasten mit einem gewölbten Bildschirm, einem Joystick zum Steuern des gefrässigen Protagonisten und, eben, einem nicht minder gefrässigen Münzeinwurf.

Dabei sah es im Mai 1980 so aus, als wäre das neue Videogame des japanischen Herstellers Namco ein Flop. Die Spielhallen der aufgehenden Sonne liebten «Space Invaders» oder «Asteroids» und liessen den schmatzenden Punkt beinah verhungern. Auch amerikanische Marketingleute übersahen das an einer Messe vorgestellte Game komplett. Bis einige wenige Spielsalons aufs Geratewohl Namcos Neuling orderten – und vom Andrang eines restlos begeisterten Publikums förmlich überrannt wurden.

PacMan zählt heute zu den wichtigsten Spielen der Computergeschichte und ist nicht mehr einfach ein Game, sondern Mitbegründer einer neuen Kunstgattung. Zu finden ist PacMan heute auf dem Spartphone, im Web – und, zusammen mit 13 weiteren Games, im Museum of Modern Art in New York.