Wette

Wetten, dass wir keine Ahnung haben, woher das Wort «Wette» kommt? Die alten Goten verstanden unter einer Wette den Wetteinsatz oder das Pfand, doch das Wort reicht bis in vorgermanische Zeiten zurück. Sozusagen ein Cousin unserer heutigen Wette ist der lateinische vas, der Bürge, oder auch vadimonium, das Pfand.

Welcher Jäger erlegt das Mammut, welcher Ritter gewinnt das Turnier? Wetten zählt zu den ältesten Leidenschaften des Menschen. Ob Bauland oder Börse – Wetten war zu allen Zeiten ein Geschäft. Ob ein gutes oder schlechtes, war dabei nur eine Frage des Sachverstandes oder des Glücks. Weltmeister sind die Briten – auf der Insel ist Wetten big business. Mit über einer Milliarde Pfund Umsatz pro Jahr zählt der Wettanbieter Ladbrokes zu den 250 grössten Unternehmen Englands, und auf ladbrokes.com lässt sich auf alles setzen, was sich in eine Wette fassen lässt: Fussball, Schach, den nächsten Chef von Microsoft oder den nächsten Literatur-Nobelpreisträger. (Den übrigens haben die belesenen Zocker längst gewählt: Der Japaner Haruki Murakami ist mit einer Quote von 3/1 haushoher Favorit. Der Amerikaner Philip Roth, quasi ewiger Nobelpreiskandidat, steht bei 16/1. Dagegen erzielt die britische Landsfrau Hilary Mantel lediglich eine kümmerliche Quote von 100/1, trotz ihres überragenden Romans «Wolf Hall», einer packenden Biografie von Thomas Cromwell, Minister des Skandalkönigs Heinrich VIII, und der ebenso fesselnden Fortsetzung «Bring Up the Bodies».)

Übrigens: Mit der deutschen Wette nicht verwandt ist das englische to bet. Dessen Ursprung liegt ebenso im Dunkeln wie der zukünftige Bodenpreis, Aktienkurs – oder Nobelpreisträger.

WIR

Hierzulande ist WIR nicht nur ein Personalpronomen. In der Schweiz ist WIR, wie könnte es anders sein, auch eine Währung und eine Bank mit Sitz in Basel. Keine kleine Bank im übrigen, mit einer Bilanzsumme von 3,4 Milliarden Franken und mit sieben Filialen in der ganzen Schweiz.

Die WIR-Bank ist aus dem Wirtschaftsring hervorgegangen, einer Genossenschaft, die 1934 als Selbsthilfeorganisation gegründet wurde. 1934, das war der Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise. Die Gewerbebetriebe horteten ihr Geld, statt es auszugeben, und so wurde Geld immer knapper. Einen Ausweg fand Werner Zimmermann, ein Lehrer und Hansdampf in allen Gassen, mit Interessen von Psychoanalyse bis Ökonomie. Zusammen mit 15 Gesinnungsgenossen gründete er die Wirtschaftsring-Genossenschaft.

WIR, das ist eine sogenannte Komplementärwährung. Der Kurs ist an den Franken gekoppelt: Ein WIR ist nominal immer ein Franken. Der Clou: Das Geld bleibt im Kreis der WIR-Teilnehmer; das Gewerbe soll so von zusätzlichen Aufträgen profitieren können. WIR-Guthaben werden nicht verzinst. Das klingt zwar wie ein Alptraum des Kleinsparers, aber es war damals, in der Krise, durchaus sinnvoll. Auch heute noch werden die rund 60 000 kleinen und mittleren Unternehmen ihre WIR rasch wieder los – und sorgen so für Umsatz bei ihresgleichen. Attraktiv sind WIR vor allem in Krisenzeiten und bei Hypotheken und Krediten der WIR-Bank: ein Teil in Franken, ein Teil in WIR, zu sehr günstigen Konditionen.

WIR gibt’s übrigens nicht als als Münzen und Banknoten. Bezahlt wird per Verrechnungsauftrag, per Bankkarte oder Internet. Und weil ein jeder seine WIR schnell wieder ausgeben will, heisst WIR bei Witzbolden auch schon mal «Westindischer Rubel».

Zins

Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; ihr sollt keinerlei Zinsen von ihm nehmen.

Das sagt klipp und klar das 2. Buch Mose. Zinsen sind Teufelszeug. Bloss: Zinsen sind auch ein gutes Geschäft. Also mussten kreative Lösungen her.

Wie zum Beispiel die von Wichmann von Seeburg, Erzbischof von Magdeburg im 12. Jahrhundert. Er baute Kirchen und führte Krieg, und beides war teuer. Also griff Wichmann zum sogenannten «Schwundgeld». Alle sechs Monate wurden die Münzen in Magdeburg kurzerhand für ungültig erklärt. Die alten Münzen liessen sich zwar in die frisch geprägten neuen umtauschen, doch erhielten die Bürger für zwölf alte Münzen jeweils nur noch neun neue. Halbjahr für Halbjahr ging so ein volles Viertel an den Erzbischof. Dessen Kasse füllte sich, und der Geldumlauf wurde beschleunigt, denn um dem empfindlichen Wertverlust zu entgehen, brachten die Magdeburger ihr Geld so rasch wie möglich wieder in Umlauf.

Der Trick mit dem Schwundgeld war im Mittelalter weit verbreitet, denn er war mit dem biblischen Zinsverbot kompatibel: Ein Kredit musste mit derselben Anzahl Münzen zurückgezahlt werden. Im Klartext: Wer 100 (alte) Münzen geliehen hatte, musste nach Ablauf der Kreditdauer 100 (neue) Münzen zurückzahlen, und der Kredit blieb (scheinbar) zinslos. Bloss: Während der ganzen Zeit trug der Schuldner die vollen Kosten, die jedesmal beim Münztausch anfielen, was ja de facto nichts anderes als Zinsen waren.

Kniffe und Tricks ohne Zahl: Jahrhundertelang brachte das Zinsverbot den Geldhandel in Not. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch.

Zoll

«Zoll» kommt vom griechischen telṓnion, «Zollhaus», und das Geschäftsmodell ist seit dem Altertum gang und gäbe. Ein Zoll ist eine Abgabe, den der Fuhrmann einst für die Benutzung einer Strasse oder beim Übergang über eine Brücke zu zahlen hatte. Diese Wege- oder Brückenzölle waren zwar wenig beliebt, aber noch durchaus einleuchtend: Der Bau hatte eine Menge Geld gekostet, und man konnte es dem Erbauer nicht verdenken, wenn er, Abgabe für Abgabe, sein Geld wiedersehen wollte. Der Zoll als Steuer dagegen, die erst an den Kaiser oder König, später dann an den Staat ging, leuchtete weniger ein. Aber nur so lange, bis die örtliche Wirtschaft begriff, dass dieser Einfuhrzoll tatsächlich ein ziemlich wirksamer Schutz war: Fremde Ware wurde per se um den Zollbetrag teurer als hiesige; von Auswärtigen unterboten zu werden, wurde also schwieriger. Und damit war der Schutzzoll geboren – und der sogenannte Protektionismus zählte bald zum Standardrepertoire der Aussenhandelspolitik.

Zölle werden heute kritisch betrachtet, denn sie behindern den internationalen Handel. Sie haben den Nachteil, verkrustete Strukturen und damit unwirtschaftliche Branchen zu schützen, die Preise künstlich hoch zu halten und damit der Allgemeinheit mehr zu schaden als zu nützen. 1947 rückte das allgemeine Zoll und Handelsabkommen GATT den Zöllen weltweit auf den Leib, seit 1995 tut dies die Welthandelsorganisation WTO. Aber ganz der Vergangenheit gehören sie noch lange nicht an. Wer im Ausland shoppen geht, tut das zollfrei nur bis 300 Franken. Geht’s gar um Fleisch, Tabak oder Alkohol, helfen nur noch Merkblätter weiter – oder, ganz zeitgemäss, die App «QuickZoll».