Filterblase

«Filterblase» ist ein Wort, das 2011 der Jurist, Politologe und Aktivist Eli Pariser erfunden hat, in seinem Buch «The Filter Bubble: What the Internet is Hiding from You» – «Die Filterblase: Was das Internet vor Dir versteckt». Pariser stellte fest, dass Suchmaschinen seine Ergebnisse filtern – abhängig davon, was er davor gesucht hatte. Suchen, Teilen, Bestellen – alles wird heute gespeichert und ausgewertet, und die Algorithmen von Google, Amazon, Facebook & Co. lernen von Mal zu Mal besser, was uns gefällt. Im Einschätzen unserer Vorlieben wird das Web immer geschickter, und die Inhalte, die es uns vorsetzt, passen immer besser. Wenn wir gern fotografieren, dann werden wir mit Google bevorzugt Fotoreportagen und Kameras entdecken. Menschen mit liberaler Ausrichtung bekommen liberale Inhalte präsentiert, Inhalte, die konservative Menschen gar nicht mehr zu sehen bekommen.

Und das ist ein Problem. Nicht wir entscheiden, womit wir uns beschäftigen wollen, sondern ein Algorithmus, den wir nicht verstehen. Er setzt uns, um es mit Pariser zu sagen, das «Informations-Dessert» vor und blendet dafür das «Informations-Gemüse» aus, weil er weiss, dass wir Süsses lieber mögen.

Sich eine eigene Meinung zu bilden bedeutet, sich auch mit unbequemen Standpunkten zu befassen. Wenn wir die aber gar nicht erst finden, weil uns Google oder Facebook nur noch wissen lassen, was wir immer schon gewusst haben, dann lernen wir nichts mehr dazu. Statt dessen spitzen wir unsere eigene Sicht der Dinge immer weiter zu, bis wir im schlimmsten Fall die Fähigkeit zur Diskussion verlieren und nur noch Gift und Galle speien, wenn jemand anderer Ansicht ist.

Gadget

Ob Smartphone oder Smartwatch: Das Gadget ist so etwas wie der Feuerstein des modernen Menschen. Smart sind wir bekanntlich alle, und ohne gehen wir nie dem Haus. Die begehrtesten stammen aus dem Hause Apple, doch obwohl wir Äpfel reif und saftig mögen, ist es bei Gadgets genau andersrum: Die grünsten sind die besten, und die fettesten Schlagzeilen gibt es, wenn sie noch gar nicht geerntet sind.

Das Wort «Gadget» dagegen hat Jahrhunderte auf dem Buckel. Schon um 1850 war es Teil der Seemannssprache und stand für irgendwas, dessen Namen man vergessen hatte. Zum ersten Mal schwarz auf weiss steht es in einem Reisebericht des Forschers Robert Brown von 1886:

Und dann die Namen all der Dinge auf einem Schiff! Ich kenne noch nicht mal die Hälfte davon! Sogar die Matrosen vergessen sie ab und zu; und wenn ihnen der Name für ein Ding gerade nicht einfällt, dann nennen sie es auf Englisch «chicken-fixing», «gill-guy», «timmey-noggy», «wim-wom» oder «gadjet».

Auf Deutsch ist das Gadget also einfach ein «Dings». Immer wieder liest man, es komme von einem New Yorker Souvenir, einer Mini-Freiheitsstatue, die von der Firma Gaget, Gauthier & Cie produziert wurde. Sprachforscher dagegen glauben, es stamme vom französischen gâchette ab, einem Allzweckwort, das Auslöser einer Kamera, Abzug einer Waffe oder Mechanismus eines Türschlosses bedeutet.

Damit schliesst sich der Kreis: Das Gadget, das wir alle in der Tasche tragen, hat einen Auslöser, mit dem wir Fotos schiessen, und abgeschlossen ist es auch, mit einem Riegel namens Passwort.

Gartenlaube

Grüß Euch Gott, lieben Leute im deutschen Lande!,

schrieben Redaktor Ferdinand Stolle und Herausgeber Ernst Keil in der Weihnachtszeit des Jahres 1852:

Zu den vielen Geschenken, die Euch der heilige Christ bescheert hat, kommen auch wir mit einer Gabe – mit einem neuen Blättchen! Fern von aller raisonnirenden Politik und allem Meinungsstreit in Religions- und andern Sachen, wollen wir Euch in wahrhaft guten Erzählungen einführen in die Geschichte des Menschenherzens und der Völker, in die Kämpfe menschlicher Leidenschaften und vergangener Zeiten.

Bescheiden war sie nicht, die Woche für Woche erscheinende «Gartenlaube», und die Namen der Autoren sind ein Who is Who der Zeit: Romankapitel von Theodor Fontane standen da Seite an Seite mit Texten von Alfred Brehm (von «Brehms Tierleben») oder Heimatgeschichten von Ludwig Ganghofer. Ein Erfolgsrezept war der damals noch neue Fortsetzungsroman: Keine zehn Jahre nach der Gründung lag die Auflage bereits auf 100 000; 1875 wurde das Blatt von Millionen gelesen.

Die «Gartenlaube» ist ein Spiegel der deutschen Geschichte. In den ersten Jahren eine moralische Belehrungsschrift, wurde sie nach der Reichsgründung 1871 zum preussisch-liberalen Kampfblatt, keine 10 Jahre später schliesslich zum konservativ-unpolitischen Unterhaltungsorgan. 1904 geriet die «Gartenlaube», diese Urmutter aller Illustrierten, in rechtsnationales, dann in nationalsozialistisches Fahrwasser. Der Erfolg aber war dahin: 1944, noch vor Kriegsende, war Schluss; späte Wiederbelebungsversuche in den 70er- und 80er-Jahren führten zu nichts. Und heute sind die erhaltenen Ausgaben der «Gartenlaube» vor allem ein Fall für die Forschung.

Gif

Als die Bilder auch im Internet laufen lernten, zeigten sie etwa einen emsig schaufelnden Arbeiter und darunter die Worte «Site in construction» oder ein sich drehendes @-Zeichen, darunter «Für E-Mail hier klicken». Mit solchen bewegten Bildchen pflegten die Webmaster der ersten Stunde ihre Seiten zu dekorieren wie der Zuckerbäcker seine Torten. Was heute als Merkmal grässlichen Designs gilt, ist tatsächlich eine geniale Erfindung, die älter ist als das Web.

Am Anfang war das Internet schwarzweiss. Um das zu ändern, gab der Onlinedienst Compuserve 1987 dem Ingenieur Steve Wilhite den Auftrag, ein Farbformat zu entwickeln. Zusammen mit seinem Team schaffte Wilhite die Quadratur des Kreises: Ihr neues Format hiess «Gif» für Graphics Interchange Format. Es konnte 256 Farben speichern und sogar transparent sein, und trotzdem erzeugte es nur eine geringe Datenmenge. Der Clou aber war: Ein Gif kann beliebig viele Einzelbilder speichern, die es dann genau so abspielt wie in alten Zeiten das Daumenkino.

Die neuen Gifs waren sparsam und damit ideal für das Schneckentempo der damaligen Datenverbindungen. Dass die Bildqualität dürftig blieb, spielte noch keine sonderlich grosse Rolle. Denn Gifs konnten Fotos und Symbole zum Leben erwecken, und so war ihr Siegeszug quasi vorprogrammiert.

Das Schwarzweissfoto eines Grammophons, auf dem sich lautlos eine Platte dreht; das Stilleben, dessen Kerzenflamme erkennbar flackert – «Gif Art», diese Fotokunst in Endlosschlaufen, ist zu einer Form der Popkultur geworden, deren Werke sich viral im Netz verbreiten.

Goldberg, Rube

Reuben Lucius Goldberg, Jahrgang 1883, war Ingenieur mit Abschluss an der University of California in Berkeley. Seine wahre Leidenschaft aber galt dem Zeichnen, zuerst als Cartoonist in San Francisco, später in New York. Für seine politischen Karikaturen in der «New York Sun» erhielt Rube Goldberg 1948 den Pulitzer-Preis. Seine bekannteste Figur aber ist Professor Lucifer Gorgonzola Butts, und der ist über die Massen komisch. In diesem Comic kommen immer wieder die kompliziertesten Maschinen zur Bewältigung der einfachsten Aufgaben vor. Diese hier erklärte Goldberg in einem Film von 1940 gleich selbst:

Kellner setzt Katze B auf den Geschirrstapel A. Katze B sieht ausgestopfte Maus C. Katze springt auf Maus und betätigt damit Hebel D, der brennende Kerze E an Zündschnur F hält, worauf Bombe G explodiert, was ganz sanft Tür H öffnet.

Unsinnige Apparate wie dieser Türöffner machten die nach ihrem Zeichner benannten «Rube-Goldberg-Maschinen» zum Inbegriff unnötig komplizierter Technik.

Goldbergs detailverliebte Mechanismen erinnern an Patentschriften, und sie ziehen Nerds bis heute in ihren Bann. Auf Youtube versuchen sich Rube-Goldberg-Tüftler gegenseitig zu überbieten, mit Hunderten komplexester Konstruktionen mit Kugeln und schiefen Bahnen, Rädern und Hebeln, Glaskolben und Bunsenbrennern, ja selbst Kaninchen und Goldhamstern, die nach minutenlanger Arbeit am Ende nichts anderes vollbringen als etwa das Umblättern einer Zeitung. Rube Goldberg und sein verrückter Comicprofessor hätten ihre helle Freude daran.