Mauer

Sie umgibt uns, sie wärmt und schützt. Und je nachdem hält sie uns auch gefangen: die Mauer. Aus ihr besteht jedes Haus, und sie ist synonym mit jenem unseligen Bau, der bis zum 9. November 1989 Berlin und die Welt in zwei Teile teilte.

Mauern sind eine Hinterlassenschaft der Römer. Zwar lernen wir in der Schule, dass das dekadente Rom dem Ansturm der Germanen nicht gewachsen war: «Als die Römer frech geworden», dichtete Joseph Victor von Scheffel 1847 in seinem Spottlied über den römischen Senator Varus, dessen drei Legionen im Jahr 9 nach Christus im Teutoburger Wald eine verheerende Niederlage erlitt, in der Schlacht gegen ein Germanenheer unter Führung eines Cheruskerfürsten namens Hermann.

Den Kampf um die beste Bauweise aber hatten die Römer gewonnen: Sie bauten schon vor zweitausend Jahren mit Stein – Naturstein oder gebrannter Lehm – und mit Zement. Und was sie bauten! Das Kolosseum oder das Pantheon in Rom sind eindrückliche Zeugnisse.

Und auch wenn sie später Spottlieder singen sollten: Beeindruckt waren auch die Germanen. Sie stellten mit Verwunderung fest, dass sich Häuser auch anders bauen liessen als aus geflochtenen und mit Lehm verschmierten Ruten und Zweigen. In der Wortgeschichte des Bauens, in Mauer und Wand zum Beispiel, zeigt sich ein epochaler Kulturwandel: hier die Wand, das gotische Wort für Rute, das von winden kommt und Flechtwerk bedeutet, da die Mauer, die vom lateinischen murus abstammt und die im Lauf der Zeit (und weil’s ein bisschen einfacher ist) von der Wand das weibliche Geschlecht übernommen hat.

Im Teutoburger Wald mag Senator Varus den Kürzeren gezogen haben. Auf den Bauplätzen der Welt aber hatten die Römer die längeren Spiesse.

Mellotron

Der Kunde aus Kalifornien hiess Bill Fransen, und als er im britischen Birmingham ankam, hatte er eine seltsame Erfindung dabei. Der Prototyp sah aus wie eine Hausorgel mit zwei Manualen und einer Reihe von Reglern und Knöpfen. Hinter jeder Taste sass ein schmaler Tonbandapparat, der ein Band mit dem Ton eines Musikinstruments abspielte, einer Flöte oder Geige. Jede Taste drückte ihr Band gegen einen Tonkopf, der die Aufnahme abspielte. Genau diese Tonköpfe waren Fransens Problem: Sie mussten schmal sein, von hoher Qualität, und Franson brauchte eine ganze Menge davon.

Die konnten seine Geschäftspartner von der Tonbandfirma Bradmatic Ltd. liefern, und mehr als das: Der BBC-Dirigent Eric Robinson kümmerte sich um die Tonaufnahmen – Klarinette, Posaune, ja sogar eine Mandoline –, und Bradmatic überarbeitete die Konstruktion. Schon ein Jahr später, 1963, kam das neue Musikinstrument auf den Markt, das «Mellotron» Mk I. Ein Jahr später folgte die weiter verbesserte Mk II mit noch mehr Sounds.

Mit einem Preis von 1000 Pfund war das Mellotron enorm teuer – in einer Zeit, in der ein einfaches Häuschen für zwei-, dreitausend Pfund zu haben war. Dennoch: Manfred Mann, The Moody Blues – die britischen Bands waren begeistert. Und als die Beatles Ende 1966 in London ihre Single «Strawberry Fields Forever» aufnahmen, kam das Mellotron zu seinem ganz grossen Auftritt. Seither ist das Mellotron, diese Mutter aller Sampler und Synthesizer, ein Fall für die Instrumentengeschichte.

Messer

Am Anfang war das Messer: Schon die ersten Werkzeuge des Menschen lassen sich mit heutigen Klingen vergleichen, und die ältesten davon sind mehr als 2,5 Millionen Jahre alt.

Ein Messer ist eine einfache und raffinierte Sache zugleich. Einfach: Feuerstein ist hart wie Bergkristall, und geschickt zurechtgeschlagen, ergibt er einen Faustkeil mit messerscharfer Kante. Und raffiniert: Der Druck wird durch die scharfe Schneide auf eine mikroskopisch schmale Fläche verteilt, so dass sich mit Feuerstein mühelos schneiden lässt.

Kein Wunder also, dass das Messer seit jeher nicht bloss Werkzeug und Waffe war, sondern auch Statussymbol. Erste kunstvoll geschlagene Feuersteinmesser, später Dolche und Schwerter aus Bronze, Eisen und Stahl wurden reich verziert und zeugten so weniger von Wehrhaftigkeit als vielmehr von Wohlstand. Das «Jewelled Sword of State», das der angehende britische König Georg IV 1820 für 6000 Pfund herstellen und mit Gold und Juwelen schmücken liess, gehört zu den britischen Kronjuwelen und gilt als kostbarstes Messer der Welt. So gesehen ist das Taschenmesser, das Schweizer Soldaten bei sich tragen, vom Rekruten bis hoch zum Viersternegeneral, sozusagen des Messers demokratische Form.

Und dann gibt es da noch das Musikmesser aus dem 16. Jahrhundert. Es sieht aus wie ein Fleischmesser mit Horngriff, doch auf der Klinge eingraviert sind Psalmen. Unwahrscheinlich, dass Tafelgäste Noten und Text von blutigen Messerklingen ablasen: Die Tischsitten der Renaissance, genauso wie der Zweck der Psalmenmesser, bleiben ein Rätsel.

Metronom

Mit dem Takt ist es so eine Sache: Lange Zeit war Musik entweder zu schnell oder zu langsam. Das änderte sich erst 1696, als der Musiker Étienne Loulié in Paris seinen «Chronomètre» entwarf, ein an der Wand hängendes Brett mit einer Skala und einem Fadenpendel mit Bleigewicht. Je nach Länge schlug das Pendel schneller oder langsamer aus. Dieses erste Metronom war zwar noch stumm, aber es erfüllte seinen Zweck.

Ludwig van Beethoven, Antonio Salieri und anderen war das allerdings nicht genau genug. Deshalb dachte sich 1815 der Instrumentenbauer Johann Nepomuk Mälzel das Metronom aus, das wir heute noch kennen: Eine aufziehbare Feder sollte, wie bei einer Uhr, das Pendel in Schwung halten. Mälzel suchte Rat bei einem deutschen Automatenbauer, der einen Prototypen konstruierte. Zurück in Paris, fügte Mälzel eine Skala hinzu und liess sein Metronom in grossen Stückzahlen anfertigen. Doch dann geriet die Geschichte aus dem Takt: Nach einem jahrelangen, wüsten Patentstreit wurde Mälzel die Urheberschaft wieder aberkannt. Sein Name hielt sich trotzdem: Noch heute tragen Partituren nach dem Tempowert die Abkürzung «MM», für «Mälzels Metronom».

Mechanische Metronome geben heute bei jedem Ausschlag ein vernehmliches Klacken von sich. Dieser Sound ist naturgemäss etwas eintönig, doch das hinderte den ungarischen Komponisten György Ligeti nicht daran, ein «Poème symphonique» für 100 Metronome zu schreiben. Alle werden bis zum Anschlag aufgezogen, auf verschiedene Tempi eingestellt und gleichzeitig gestartet – bis die anfängliche Kakophonie, nach 6 oder 7 Minuten, mit einem letzten «Klack» erstirbt.

Money

Ratternde Registrierkasse, rasselnde Münzen: Der Anfang des Songs «Money» der britischen Rockband «Pink Floyd», 1973 auf dem Album «The Dark Side of the Moon» erschienen, war ein aufnahmetechnisches Abenteuer. Komponist Roger Waters schüttelte einen mit Münzen gefüllten Kochtopf, und Schlagzeuger Nick Mason hatte angebohrte Pennies auf eine Schnur gefädelt. Auf das Geräusch-Intro folgt das ikonische h-Moll-Bassgitarrenriff im Sieben-Viertel-Takt, und dann entfaltet sich der Sechseinhalb-Minuten-Song zur epischen Absage an den schnöden Mammon.

«Money» wurde ein Welthit – Platz 13 in den «Billboard Hot 100», der einflussreichen US-Hitparade. Und seither wird das Stück immer dann zur akustischen Untermalung verwendet, wenn’s um Geld geht: als Soundtrack des Actionfilms «The Italian Job» von 2003 mit Mark Wahlberg in der Rolle des Safeknackers Charlie Croker, in Fernsehserien und Dokumentarfilmen.

Ausgerechnet «Money»: Bis dahin waren Pink Floyd nämlich arm gewesen wie Kirchenmäuse. Es kam vor, dass Veranstalter keine Gagen zahlten, weil sie meinten, was die Band da von sich gebe, sei gar keine Musik. Mit «The Dark Side of the Moon» sollte sich das gründlich ändern: Die Gesamteinnahmen der Band werden heute auf viele Hundert Millionen Euro geschätzt, und Ex-Bandleader Roger Waters, obwohl 1985 im wüsten Streit ausgeschieden, gilt als einer der zehn meistverdienenden Musiker der Welt.