Rechenmaschine

Um es mit Karl Valentin zu sagen: Rechnen ist schön, macht aber viel Arbeit. Und tatsächlich erfindet der Mensch technische Hilfsmittel, seit er rechnen kann. Schon vor 3000 Jahren wurde in China der Abakus gebaut, jener patente Zählrahmen mit den aufgereihten Holzperlen, mit dem fingerfertige Händler in Sekundenschnelle addierten und subtrahierten und dessen Gebrauch in russischen Schulen noch bis in die Neunzigerjahre gelehrt wurde. Im 17. Jahrhundert konstruierten Mathematiker wie der Franzose Blaise Pascal oder der Deutsche Gottfried Wilhelm Leibniz die ersten mechanischen Rechenmaschinen, die addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren konnten und von denen einzelne Modelle bis heute erhalten sind.

In den 1940-er Jahren entwickelte der Österreicher Curt Herzstark den ersten mechanischen Taschenrechner namens «Curta». Er hat die Form einer kleinen Konservendose, wird über eine Reihe von Schiebereglern und Kurbeln bedient und kann selbst Dreisatzrechnen und Wurzeln ziehen. 140 000 «Curtas» wurden bis 1970 in Liechtenstein produziert. Und im selben Jahr schliesslich kam mit dem Canon Pocketronic der erste elektronische Taschenrechner auf den Markt, mit zwölf Stellen und den vier Grundoperationen, zum Preis von umgerechnet 2400 Dollar.

Neuer, kleiner, leistungsfähiger: Diese Formel allerdings ist falsch. Der erste mechanische Computer der Geschichte berechnete Sonnen- und Mondkalender, Tag- und Nachtgleichen und die Umlaufbahnen von fünf Planeten. Dieser sogenannte Mechanismus von Antikythera, möglicherweise gebaut vom griechischen Mathematiker Archimedes von Syrakus, stammt aus dem 1. Jahrhundert vor Christus.

Rechts, links

Frankreich, August 1789. Die insgesamt 1315 Delegierten der drei Stände, des Adels, des Klerus und des dritten Standes, betraten den Sitzungssaal. Nichts war mehr wie zuvor. Gerade sechs Wochen war es her, dass eine aufgeputschte Menge die Bastille gestürmt hatte, um deren Waffenlager zu plündern. Treibende Kraft waren nicht länger die privilegierten Stände, sondern vielmehr der tiers état, die freien Bauern und Bürger. Aus der bisherigen Ständeversammlung war die assemblée constituante geworden, die verfassunggebende Nationalversammlung.

Eine entscheidende Frage teilte die Abgeordneten in zwei Lager: Sollte dem König weiterhin ein absolutes Vetorecht zukommen, wie es die Aristokraten wollten, oder sollte vielmehr das Volk mehr Macht erhalten und der Monarchie Grenzen setzen können, wie es die sogenannten patriotes verlangten? Um dieser Kontroverse deutlich sichtbar Ausdruck zu geben, liessen sich an diesem 28. August die Anhänger des Absolutismus zur Rechten des Ratspräsidenten nieder, die Volksvertreter zu seiner Linken. Ausschlag für diese neue Sitzordnung gab das Vorbild des britischen Unterhauses: Zur Rechten des Vorsitzenden die Regierungspartei, zur Linken die Opposition.

Selbst wenn schon im Revolutionsjahr 1789 von einheitlichen Blöcken keine Rede sein konnte: Seit dieser historischen Sitzung in Versailles teilt sich die Politik im Volksmund nicht in konservativ oder progressiv, nationalistisch oder internationalistisch, elitär oder egalitär, sondern ganz einfach in rechts und links.

Registrierkasse

Ladenbesitzer haben es nicht leicht: Immer wieder stellen sie fest, dass abends zuwenig Geld in der Kasse liegt. Einer dieser Chefs ist James Ritty, Inhaber eines Saloons in Dayton, Ohio. Als Ritty 1878 eine Schiffsreise nach Europa unternimmt, entdeckt er im Maschinenraum einen Apparat, der zuverlässig die Umdrehungen der Schiffsschraube zählt. Damit, so überlegt er, müsste es doch auch möglich sein, Zahlungen zu registrieren und den Langfingern das Handwerk zu legen.

Zurück in Dayton, beginnt Ritty zusammen mit seinem Bruder John, einen solchen Zählautomaten zu bauen. Für jeden Betrag zwischen 5 und 100 Cents gibt es eine Taste, die mit einer Klingel verbunden ist. Am Ende zeigt der Apparat auf einem Zifferblatt den Gesamtbetrag an. Ihre Erfindung nennen die Brüder Ritty’s Incorruptible Cashier – «Ritty’s unbestechlicher Kassierer» –, und 1879 wird diese erste Registrierkasse der Welt patentiert.

Zusätzlich zu ihrem Saloon errichten die Rittys eine kleine Fabrik, in der sie ihre Registrierkasse in Serie zu bauen beginnen. Indes, zwei Geschäfte auf einmal werden James Ritty zuviel. Er verkauft alle Anteile, und der neue Chef John Patterson verbessert die Kasse stark: Sie erhält ein Druckwerk mit Papierrolle für den Kassenbeleg, und ein Buchhaltungsjournal, das sämtliche Beträge aufzeichnet. Unter dem neuen Namen «National Cash Register Company» steigt NCR zum Weltmarktführer auf und ist heute, im Zeitalter digitaler Kassensysteme, ein Weltkonzern mit über 30 000 Mitarbeitern.

Was immer James Ritty beim kometenhaften Aufstieg seines früheren Geschäfts empfunden hat: Neid war nicht dabei. Mit Nachfolger John Patterson blieb er in Freundschaft verbunden.

Reisen

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen, dichtete Matthias Claudius im 18. Jahrhundert. Heute haben wir eine Menge zu erzählen, denn nie ist die Menschheit so oft und so weit gereist wie heute. Das Bundesamt für Statistik hat errechnet, dass 2005 jeder Schweizer und jede Schweizerin 10 Tagesreisen unternommen haben, dazu 2,7 Reisen, die mehr als einen Tag dauerten. Tagesreisen fanden innerhalb der Schweiz statt, jede zweite Reise mit Übernachtungen dagegen ging ins Ausland.

Nur: Was die Statistiker als Reise bezeichnen, ist uns längst nicht mehr in jedem Fall als Reise bewusst. Wenn wir mit dem Zug nach Bern fahren und ins Museum gehen, nennen wir das einen Ausflug. Das ist noch nicht lange so: Jeremias Gotthelf alias Albert Bitzius beschreibt anschaulich in seinem kaum bekannten Roman «Jakobs Wanderungen», was Reisen in den 1840er Jahren bedeutete: Titelheld Jakob «trappete also durch den Kot dahin, den kürzesten Weg nach Paris über Bern Genf zu, von wo es gar nicht mehr weit bis Paris sei, wie er aus sicheren Quellen vernommen hatte. Indessen die Wege von Zürich gegen Bern hin sind grausam lang, sei es Kot, sei es Staub.»

Eine Reise war seit jeher grosses Unterfangen: Im Mittelalter war eine Reise ein Aufbruch – auf eine Handelsreise, in die Emigration, auf einen Kriegszug. Der Ursprung ist das althochdeutsche risan, das steigen hiess, und ebenso fallen. Beide Bedeutungen gibt es heute noch: als «steigen» im englischen to rise – als «fallen» im deutschen rieseln.

Heute ist Reisen ein Klacks. Wir steigen ins Auto, in den Zug, ins Flugzeug, und reisen lässt es sich so angenehm, wie sich das Gotthelfs Jakob nie hätte träumen lassen. Übrigens: Reisen tun wir vor allem privat: Nur jede achte Reise, so fanden die Statistiker des Bundes heraus, dient geschäftlichen Zwecken.

Reservebanknoten

Die 1000-Franken-Note des damals erst 29-jährigen Luzerner Künstlers Hans Erni zeigt in strenger Zentralperspektive die Schnittdarstellung einer mächtigen Wasserturbine, rechts davon, in Reih und Glied, eine Reihe von Transformatoren. Eine Vision des Fortschritts vor schattigem Alpenmassiv – die Banknote von 1938 sollte in den Jahren der aufziehenden Weltkriegskatastrophe eine moderne, stabile, autarke Schweiz verkörpern.

Die Banknote hat nur einen Makel: Keiner hat sie je in der Hand gehalten. Und das kommt so: Im Gegensatz zum Münzgeld, das sich nicht gar so leicht fälschen lässt, sind Banknoten nichts weiter als bedrucktes Papier, und dieser Umstand zieht Fälscher an wie der Mist die Fliegen. Der Plan B der Schweiz: Sollten die Fälscher oder, noch schlimmer, eine feindliche Macht das Land mit Blüten überschwemmen, wollte die Schweizerische Nationalbank jederzeit in der Lage sein, quasi über Nacht sämtliche im Umlauf befindlichen Banknoten für ungültig zu erklären, einzuziehen und durch nagelneue zu ersetzen. In den Tresoren lagen daher stets Reservebanknoten bereit. Zwei vollständige Serien, die von Hans Erni und seinem Künstlerkollegen Victor Surbeck aus dem Jahr 1938 und eine weitere von 1984, waren genauso wie einzelne Noten frührerer Serien reine Reserve.

Der Plan, das gesamte Papiergeld von einem Tag auf den anderen zu ersetzen, existierte nicht nur in der Schweiz, sondern auch in vielen anderen Ländern Europas. Doch Reservenoten waren stets eine Notlösung, und eine ausgesprochen teure dazu. In der Schweiz war die Reserveserie von 1984 daher die letzte: Die Sicherheitsmerkmale der Banknoten sind nach Ansicht der Nationalbank heute so ausgeklügelt, dass ein Plan B gar nicht mehr nötig ist.