Fitness

Fitness gilt als Garant für Gesundheit, für Schönheit, für Erfolg. Es ist ein Zustand, den wir alle anstreben, und Fitness ist Importware aus England.

fit heisst englisch «passend», aber der Ursprung des Wörtchens ist unklar. Sprachforscher vermuten einen Zusammenhang mit dem altnordischen fitja, «stricken», oder dem altenglischen fitt, das «Kampf» hiess, und von dem fit kommt, ein «Gegner von gleicher Stärke». Der kriegerische Hintergrund klingt in der Wendung survival of the fittest an, die 1864 der britische Sozialphilosoph Herbert Spencer prägte und die Charles Darwin flugs in sein epochales Werk «On the Origin of Species» übernahm.

Sport nicht nur im Verein zu treiben, das war das Anliegen deutscher und schweizerischer «Lebensreform»-Bewegungen des 19. Jahrhunderts. Industrialisierung, Materialisierung und Verstädterung waren die Dämonen der Zeit. Als Ideal dagegen galt der ursprüngliche Naturzustand, und Bewegung im Freien – oder auch einfach bei offenem Fenster – sollte den Menschen wieder Teil der Natur werden lassen. In Kraft- und Kunststätten, Licht- und Luftbädern wurde, den Sittlichkeitsvorstellungen der Zeit entsprechend, streng nach Geschlechtern getrennt geturnt und trainiert, eine ganze Reihe neuer Zeitschriften machten das Fitnessideal populär.

Die Fitnessbewegung hat, mit den «Herrenmenschen» des Dritten Reichs oder den Muskelprotzen der Bodybuilding-Studios – auch ihre Schattenseiten. Doch der altenglische fitt, dieser erbitterte Kampf gegen den inneren Schweinehund, senkt nachweislich das Risiko von Herzinfarkt und Fettleibigkeit, steigert Konzentration und Lernfähigkeit und verlängert, statistisch gesehen, das Leben.

Helveticus

Lieber junger Freund!,

so beginnt das Vorwort:

Wenn die Schulstunden beendet und die Aufgaben erledigt sind, beginnt der Teil des Tages, der dir gehört. Jetzt kannst du dich frohen Herzens nach eigener Neigung unterhalten, sei es mit Spiel und Sport, sei es mit einer interessanten Liebhaberei.

Es sind die ersten Zeilen der ersten Ausgabe von «Helveticus», jenem in Leinen gebundenen, gut 300 Seiten starken urschweizerischen Jugendbuch.

Dieser erste Band erschien im Kriegsjahr 1941 im Berner Hallwag-Verlag, und mit Jugend waren ausschliesslich Buben, mit Spiel Belehrung gemeint.

Blättere im Helveticus und schon hast du etwas gefunden, was dich fesselt und an dem du Freude hast. Diese Seiten wurden eigens für euch, junge Freunde, von Leuten geschrieben, die eure Wünsche und Neigungen kennen und genau wissen, an was für Dingen und Beschäftigungen ihr euch begeistern könnt. Der Helveticus wird dir sicher zu einem guten Kameraden werden, der dich unterhält und mit vielseitigen Anregungen deine Freizeit interessant auszufüllen vermag.

Trotz dieser schulmeisterlich kreidestaubigen Einleitung war der fortan im Jahresrhythmus erscheinende «Helveticus» der Renner der Schulbibliothek: mit Beiträgen wie «Hat es überhaupt Pfahlbauer gegeben?», «Die Beduinen Arabiens» und, unangefochtener Höhepunkt des jeweiligen Bandes, mit minutiösen Bastelanleitungen für ein Hygrometer mit Drahtzeiger und Frauenhaar oder – Gipfel der Bastlerträume – gar ein Teleskop mit handgeschliffenem Hohlspiegel.

Bubenträume mögen heute «Playstation» heissen oder «World of Warcraft», doch bis zum allerletzten Band im Jahr 1988 hiessen sie «Helveticus».

Herrlich, dämlich

Was eine rechte Feministin ist, hat es immer schon gewusst: Die Unterdrückung der Frau in einer Welt der Männer hinterlässt Spuren – im Gemüt und in der Sprache. Herren sind herrlich, Damen einfach dämlich. Über den Einfluss von Sprache auf Denken und Handeln wurden schon ganze Bibliotheken geschrieben. In diesem Fall allerdings zu Unrecht. Denn «herrlich» hat mit Männern ebensowenig zu tun wie «dämlich» mit Frauen.

«Herrlich» kommt vom althochdeutschen hêr, das «glänzend» und «hervorragend» hiess. «Hehr» kommt heute etwas gar pathetisch daher, was unter anderem am Schweizerpsalm liegt, wonach «Gott im hehren Vaterland» wohnen soll. Schon früh wurde «hehr» allerdings mit den Herren der Schöpfung in Verbindung gebracht, weshalb sich Betonung und Schreibweise fälschlicherweise an «Herr» angeglichen haben.

«Dämlich» auf der anderen Seite stammt von einem heute vergessenen Verb ab, das dämeln und noch früher temelen hiess und «schlaftrunken sein» oder «taumeln» bedeutete, aber auch «dummes Zeug faseln», «sich albern benehmen» oder «nicht ganz bei Sinnen sein». Der Ursprung von «dämlich» ist Jahrtausende alt und geht allein schon deshalb nicht auf «Dame» zurück, weil die von der lateinischen domina abstammt und erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Deutschen ankam. Dass es nicht männlicher Chauvinismus war, der Dämlichkeit den Damen zuschrieb, zeigt sich am «Dämlack». Der ist erzdämlich – und ein Mann.

Luise F. Pusch übrigens, Feministin und Sprachforscherin, empfiehlt allen «dämlich» gescholtenen Frauen, eifrig zuzustimmen: Na klar doch! Herren sind herrlich, Damen dämlich, Winzer winzig und ihr Wein zum Weinen.

Marshmallow-Test

Ein Kind sitzt im Raum, vor ihm ein Marshmallow, ein zweiter in Sichtweite. Das Kind ist allein; seine Aufgabe: Sich beherrschen. Wenn es warten kann, bis der Professor nach einer Viertelstunde wiederkommt, darf es beide Marshmallows essen – wenn nicht, gibt’s bloss diesen einen.

Der Test von 1972 mit 32 Kindern von Eltern an der Stanford University machte seinen Erfinder, den Psychologen Walter Mischel, weltberühmt, wegen eines verblüffenden Zusammenhangs: Je geduldiger das Kind, folgerte Mischel, desto grösser seine Selbstkontrolle im Erwachsenenalter. Die Kinder, die der Versuchung länger standhalten konnten, seien später erfolgreicher – persönlich, in der Beziehung, in Beruf und Gesellschaft.

Daran mochten der Entwicklungspsychologe Tyler Watts von der New York University und seine Kollegen nicht so recht glauben. Sie wiederholten den Versuch mit 900 Kindern, die sie später, mit 15, einer Reihe von Tests unterzogen, in Sprache oder Mathematik. Dazu befragten sie die Mütter über den familiären Hintergrund. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Fähigkeit, einer Versuchung zu widerstehen, hing nur noch mässig mit späteren Kompetenzen zusammen. Und wenn die Forscher noch andere Grössen herausrechneten, den Ausbildungsgrad der Eltern etwa, sagte die Wartezeit als Kind nichts mehr über die Leistungen als Jugendliche aus.

Das war, nach einem langen Forscherleben, auch Test-Erfinder Mischel bewusst. In einem Interview im Jahr 2015 gab er zu:

Die Vorstellung, man könne die Zukunft eines Menschen sicher vorhersagen, durch die simple Tatsache, wie lange er sich eine Belohnung versagen kann, ist Unfug.

Mastermind

1970 hatte der Israeli Marco Meirovitz in Paris eine Idee. Der Telekomexperte ersann ein kleines Spiel mit bunten Stöpseln und einem gelochten Brett. Die Regeln waren simpel: Ein Spieler steckt am Ende des Spielbretts eine beliebige Folge von vier Stöpseln, die er aus sechs Farben auswählt. Der zweite Spieler versucht, den Code zu knacken, indem er Runde für Runde Kombinationen steckt, auf die ihm sein Gegner antwortet – mit je einem schwarzen Stecker für eine richtig erratene Position und einem weissen für eine richtig geratene Farbe am falschen Platz.

Mastermind
Meirovitz ging mit seiner Idee hausieren, von einem Spielehersteller zum nächsten. Alle gaben sie ihm einen Korb: Wahlweise zu schwierig oder zu simpel, in jedem Fall zu spartanisch, lautete das Urteil. Aber Meirovitz war hartnäckig. Auf eigene Faust fuhr er nach Nürnberg und stellte sein Spiel an der dortigen Fachmesse vor. Und hatte Glück: Unter den Besuchern befand sich Edward Jones-Fenleigh, und der war Chef der kleinen britischen Firma Invicta Plastics. Die beiden wurden rasch handelseinig: Invicta kaufte alle Rechte und brachte das Stöpselspiel schon ein Jahr später auf den Markt – unter dem Titel Mastermind, in Deutschland Superhirn oder in der DDR Variablo, gefertigt im VEB Berlinplast.

Wo Konzentration und Logik gefordert ist, sind Mathematiker nicht weit. Donald Knuth etwa, Professor in Stanford, legte eine bestechende Spielstrategie vor und wies nach, dass sich jeder beliebige Farbcode in höchstens fünf Zügen knacken lässt.

Dass sich der findige Israeli von skeptischen Herstellern nicht hatte bremsen lassen, war ein Glück: 1973 wurde Mastermind britisches Spiel des Jahres, -zig Millionen Exemplare wurden bis heute verkauft, und im Internet finden sich Hunderte spielbarer Masterminds. Über Meirovitz‘ Stöpseln grübelt auch heute noch die halbe Welt.