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Museum

Wer von der Muse geküsst werden will, der geht am besten ins Museum. museum ist lateinisch und bezeichnet den Ort des Studiums, eine Universität oder, im engeren Sinn, eine Bibliothek. Und das noch ältere griechische museion hiess nichts anderes als Musentempel.

Ein solches Museion stand zum Beispiel in Alexandria, am Hof von König Ptolemaios I, im dritten Jahrhundert vor Christus. Die sagenhafte Bibliothek von Alexandria sollte nichts weniger als das gesammelte Wissen der Zeit enthalten: alle Schriftrollen, Schrifttafeln und Bücher aller Völker und Zeiten. Als Cäsar im Jahr 48 vor Christus auf der Suche nach seinem Widersacher Pompejus nach Alexandria kam und nach heftigen Kämpfen im Residenzviertel in die Enge getrieben wurde, liess er kurzerhand sämtliche im Hafen liegenden Schiffe anzünden. Mit ihnen soll die auch die legendäre Bibliothek in Flammen aufgegangen sein.

Tatsächlich haben Archäologen die Existenz der Bibliothek von Alexandria nie nachweisen können, Überreste wurden bis heute nicht gefunden. Doch ein Menschheitstraum ist sie geblieben: eine frei zugängliche Sammlung allen Wissens an einem einzigen Ort. Das Museion in diesem umfassenden Sinn gibt es dagegen wohl: zum einen in Form gigantischer Bibliotheken wie der Library of Congress in Washington mit ihren mehr als 138 Millionen Titeln, und zum anderen archive.org, das Internet-Archiv des Computerwissenschaftlers Brewster Kahle mit seinen unvorstellbaren Datenmengen, das alle zwei Monate das gesamte zugängliche Internet archiviert und öffentlich macht.

Ob die Musen wirklich jeden dieser zahllosen Autoren geküsst haben, ist fraglich. Doch die Idee des Museums als Ort der Inspiration und des Denkens ist gerade im Zeitalter des Web aktuell wie nie.

Defizit

Dem erfolgreichen Patron ist es fremd: das Defizit. Ein Fremdwort, in der Tat: deficit heisst in lapidarem Latein «es fehlt». Wenn’s um Geld geht, ist das dann nichts anderes als ein Loch in der Kasse. Und die gibt’s bekanntlich überall da, wo mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird. Doch während man in Unternehmen von Verlusten spricht, von cash drain und negativem EBIT und dergleichen Wirtschafts-Kauderwelsch mehr, wird von Defizit vor allem bei öffentlichen Haushalten, beim Staat gesprochen.

Bis vor wenigen Jahren waren beim Bund Defizite der Normalfall: Seine Einnahmen sind vor allem Steuern von Privatpersonen und Unternehmen. Während die dem Gang der Wirtschaft folgen, gehorchen die staatlichen Ausgaben viel eher den Gesetzen politischer Opportunität. Und weil sich das Parlament viel lieber durch Versprechen auszeichnet als durch Sparen, wuchs in der Vergangenheit der Schuldenberg des Bundes ungebremst an, von 38 Milliarden Franken im Jahr 1990 auf 130 Milliarden im Jahr 2005. 2008 waren es noch 125 Milliarden – immer noch ein volles Viertel des Bruttoinlandprodukts, also des Gesamtwerts dessen, was die Schweiz pro Jahr leistet und herstellt.

Im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt sind die Schulden mittlerweile wieder am Sinken, denn seit 2003 wirkt die sogenannte Schuldenbremse: Die Bundesverfassung legt fest, dass der Bund seinen Haushalt auf Dauer im Gleichgewicht halten soll. Die Ausgaben werden nach gesetzlicher Rechenformel strikte begrenzt. Und tatsächlich: Die Verschuldung sinkt. Im Internationalen Vergleich ist die Schweiz zwar noch lange kein Musterknabe, aber auch kein wirklicher Sünder. Wenn die Konjunktur mitspielt, dann wird, zumindest nach Ansicht der Behörden, das Wort Defizit auf Jahre hinaus ein Fremdwort bleiben.

Bankwesen

Börsenhändler neigen zu schwarzem Humor. Wer sich dieser Tage nach der Sicherheit seines Geldes erkundigt, das auf Schweizer Banken liegt, der wird beruhigt: Schweizer Banken seien Ozeanriesen, so sicher wie die Titanic.

Das klingt rabenschwarz, und dazu ist es so nicht einmal richtig. Erfasst hat die Krise vor allem Banken, die es so in der Schweiz gar nicht gibt: so genannte Investmentbanken. In den USA, wo die Bankenkrise ihren Ursprung hat, herrscht das so genannte Trennbankensystem vor. Hier gibt es zum einen die Geschäftsbanken, auf englisch: commercial banks. Sie nehmen Kundengelder auf, unterliegen aber einer schärferen Aufsicht. Daneben gibt es die investment banks: Sie verwalten Vermögen, handeln mit Wertpapieren und helfen Unternehmen bei der Aufnahme von Kapital, etwa bei einem Börsengang oder einer Kapitalerhöhung. Das Geschäft der Investmentbanken ist riskanter als das von Geschäftsbanken, aber es versprach in den letzten Jahrzehnten auch wesentlich mehr Gewinn.

In der Schweiz ist das alles etwas anders. Im Gegensatz zum amerikanischen Trennbankensystem gibt es hierzulande die so genannte Universalbank: Alle Banken können alle Dienstleistungen anbieten, vom Sparkonto über Kredit und Vermögensverwaltung bis hin zum Börsenhandel. Aus Sicht der Sparer und Unternehmen ist das sicherer: Das Risiko ist so auf möglichst viele verschiedene Bankgeschäfte und Kunden aus allen Wirtschaftszweigen verteilt. Dazu kommt die strenge Aufsicht durch die eidgenössische Bankenkommission und das verhältnismässig hohe Eigenkapital der Schweizer Banken.

Also doch wenig Grund für schwarzen Humor. Auch wenn es den unsinkbaren Wirtschaftsdampfer nicht gibt. Auch nicht unter den Banken.

Dow Jones

Wie will man, bei all dem Auf und Ab, das Geschehen an der Börse messen? Das fragte sich 1896 der amerikanische Journalist Charles Dow – und errechnete kurzerhand einen Index der damals zwölf wichtigsten Aktien. Namen wie aus dem Wilden Westen: da war die American Cotton Oil Company, oder die Tennessee Coal, Iron and Railroad Company. Charles Dow zählte die Kurse dieser zwölf an der New Yorker Börse gehandelten Unternehmen zusammen und dividierte, ganz einfach, wieder durch zwölf. Damit war er geboren, der Dow-Jones-Index, benannt nach Charles Dow und seinem Kollegen Edward Jones, beide Herausgeber des renommierten Wall Street Journal.

Heute setzt sich der Dow Jones aus 30 der grössten US-Unternehmen zusammen und ist sozusagen der Blutdruck der Weltwirtschaft. Und er macht vor allem von sich reden, wenn er fällt. Sein grösster Sturz an einem einzigen Tag war 570 Punkte oder über 25 Prozent tief – an jenem Schwarzen Montag, dem 19. Oktober 1987, den wir heute als Börsenkrach kennen.

Der Dow Jones ist heute gewichtet – nicht alle Aktien haben bei der Berechnung das gleiche Gewicht -, aber zusammen lesen sie sich wie das Who is Who der Weltwirtschaft: von McDonald’s und Coca-Cola bis zu IBM und Microsoft.

Der allererste Dow Jones, am 26. Mai 1896, lag bei 40,94 Punkten, und schon am 8. August desselben Jahres fiel er auf den tiefsten Wert aller Zeiten, auf 28,48 Punkte. Mehr als tausend Punkte beträgt der Dow Jones auf Dauer erst seit Anfang der Achtziger Jahre. Und heute gilt ein Fall des Dow Jones unter 10 000 Punkte bereits als Vorbote des Weltuntergangs.

Dabei ist er doch nur ein Durchschnittswert, der manchmal mit Wirtschaft weniger zu tun hat als mit angewandter Psychologie.

Konjunktur

Es ist eigenartig mit der Konjunktur: Nie wird so oft über sie gesprochen wie dann, wenn sie sich verabschiedet. Es ist wohl nichts als menschlich, dass man nie so sehr ans Glück denkt wie dann, wenn es einen verlässt.

Dabei hat Konjunktur gar nichts mit Glück zu tun. Sondern lediglich mit der Geschäftslage in Unternehmen, in ganzen Branchen, einem nationalen Markt oder gar der gesamten Weltwirtschaft. Die Konjunktur wird gemessen, mit Kennwerten für Preise, Löhne, Produktionsmengen, Umsätze, Zinsen, die Arbeitslosigkeit, die Geldmenge und das jährliche Wirtschaftswachstum.

Doch auch wenn sie sich messen lässt, die Konjunktur – sie verhält sich immer ein bisschen wie das Meer. Forscher unterscheiden lange Wellen (50 bis 60 Jahre), mittlere Wellen (8 bis 11 Jahre) und kurze Wellen von etwa 40 Monaten. Der Verlauf einer solchen Konjunkturwelle lässt sich in mehrere Phasen unterteilen: den Aufschwung, die Hochkonjunktur, die Krise, den Abschwung und die Reprise.

Konjunktur ist das Wellenspiel von Gesamtangebot und Gesamtnachfrage. Wellen aber sind ein Phänomen der Natur, und so lässt sich auch die Konjunktur nicht so einfach beeinflussen. Schon gar nicht kurzfristig – Konjunkturpolitik, also der Versuch der öffentlichen Hand, durch eigenes Handeln übermässige Schwankungen zu verhindern, ist in der Regel längerfristig angelegt. Oder vielmehr: war. Versuche des Staates, in Zeiten des Niedergangs mit öffentlichen Aufträgen die lahmende Nachfrage anzukurbeln und damit aktiv in den Gang der Wirtschaft einzugreifen, geriet in der Schweiz in den letzten zwanzig Jahren immer mehr in die Kritik. Heute zwingt die Bundesverfassung den Staat dazu, seinen Haushalt im Gleichgewicht – und sich aus einer Beeinflussung der Wirtschaft herauszuhalten.