Konjunktur

Es ist eigenartig mit der Konjunktur: Nie wird so oft über sie gesprochen wie dann, wenn sie sich verabschiedet. Es ist wohl nichts als menschlich, dass man nie so sehr ans Glück denkt wie dann, wenn es einen verlässt.

Dabei hat Konjunktur gar nichts mit Glück zu tun. Sondern lediglich mit der Geschäftslage in Unternehmen, in ganzen Branchen, einem nationalen Markt oder gar der gesamten Weltwirtschaft. Die Konjunktur wird gemessen, mit Kennwerten für Preise, Löhne, Produktionsmengen, Umsätze, Zinsen, die Arbeitslosigkeit, die Geldmenge und das jährliche Wirtschaftswachstum.

Doch auch wenn sie sich messen lässt, die Konjunktur – sie verhält sich immer ein bisschen wie das Meer. Forscher unterscheiden lange Wellen (50 bis 60 Jahre), mittlere Wellen (8 bis 11 Jahre) und kurze Wellen von etwa 40 Monaten. Der Verlauf einer solchen Konjunkturwelle lässt sich in mehrere Phasen unterteilen: den Aufschwung, die Hochkonjunktur, die Krise, den Abschwung und die Reprise.

Konjunktur ist das Wellenspiel von Gesamtangebot und Gesamtnachfrage. Wellen aber sind ein Phänomen der Natur, und so lässt sich auch die Konjunktur nicht so einfach beeinflussen. Schon gar nicht kurzfristig – Konjunkturpolitik, also der Versuch der öffentlichen Hand, durch eigenes Handeln übermässige Schwankungen zu verhindern, ist in der Regel längerfristig angelegt. Oder vielmehr: war. Versuche des Staates, in Zeiten des Niedergangs mit öffentlichen Aufträgen die lahmende Nachfrage anzukurbeln und damit aktiv in den Gang der Wirtschaft einzugreifen, geriet in der Schweiz in den letzten zwanzig Jahren immer mehr in die Kritik. Heute zwingt die Bundesverfassung den Staat dazu, seinen Haushalt im Gleichgewicht – und sich aus einer Beeinflussung der Wirtschaft herauszuhalten.

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