Akronym

Die Unicef ist eins, und die GmbH ist auch eins: ein Abkürzungswort, ein so genanntes Akronym – von griechisch ákros, Spitze oder Gipfel, und ónyma, Name. Zugegeben: Das Wort klingt einigermassen abschreckend, aber das tun viele Akronyme schliesslich auch. Die sind, oder vielmehr waren, halbe Romane – wie zum Beispiel United Nations International Children’s Emergency Fund. Wollte man für ein Kinderhilfswerk dieses Namens Geld sammeln, wären die Spender längst über alle Berge, bevor man auch nur das Wort ausgesprochen hätte. Also verkürzt man es auf seine Initialen – und erhält «Unicef».

Akronym
Akronym
Akronyme können sperrig sein wie das UNHCR, das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen, oder schlank wie die UNO selbst. Sobald wir sie aber schreiben wollen, sind sie nur noch sperrig – dann nämlich stehen wir vor der Frage: Wie schreibt man das nun genau? Duden und neue deutsche Rechtschreibung sind da für einmal gar keine Hilfe, denn sie geben keine festen Regeln vor.

Und so schreiben sich Akronyme in aller Regel in Grossbuchstaben – und plärren dann lauthals aus jedem geschriebenen Text heraus. Daher hat sich die Regel eingebürgert, dass man Akronyme bis zu drei Buchstaben immer gross schreibt, mit mehr als drei Buchstaben dagegen – und sofern sie sprechbare Silben bilden – wie ein normales Substantiv. Im Klartext: Unicef schreibt sich demnach in kleinen, UNHCR dagegen in Grossbuchstaben. Aber eben: Wenn’s etwa um die GmbH geht, ist auch diese Regel nur von beschränkter Haftung – G gross, mb klein, H wieder gross.

Und um das Mass voll zu machen, gibt es da auch noch die Akronyme, die gar keine sind: Die Lieblingsabkürzung der Humoristen und der Scheidungsrichter ist Ehe, als Abkürzung für errare humanum est – auf gut Deutsch: irren ist menschlich.

Alarm

Ein Alarm ist eine ernste Warnung.

Gleich schallet ein Alarmen;
Da wand ich mich zu ruck
Alß vil mich kond vmbgreiffen
Mit meinen augen beyd
Ich mörder sah durchstreiffen
Die Felder weit und breit,

dichtete Anfang des 17. Jahrhunderts der deutsche Jesuit Friedrich Spee. Seit jeher lebt der Mensch in Gruppen zusammen, und sobald Gefahr droht, ermöglicht der Alarm das Aufbieten aller Kräfte, um den Kampf aufzunehmen und die Gemeinschaft in Sicherheit zu bringen. Eine funktionierende Alarmorganisation war zu allen Zeiten wichtig – so wichtig, dass sie sogar eigene Berufe hervorbrachte: Der Torwächter im Mittelalter schlug Alarm, sobald sich Unbekannte vor der Stadtmauer zusammenrotteten, der Türmer läutete die Feuerglocke, wenn er einen Brand entdeckte, in Burgen und auf Berggipfeln hielten Wachen stets zwei Holzstösse bereit, um bei drohender Gefahr ein Hochwacht- oder Kreidfeuer zu entzünden – tagsüber mit feuchtem Holz, damit der Rauch weithin sichtbar blieb, nachts dagegen mit trockenen Scheitern, damit das Feuer möglichst hell aufloderte.

Heute alarmieren vor allem Apparate – von der automatischen Brandmeldeanlage über die Alarmanlage gegen Einbrecher bis hin zum Radio, dessen Wecker ebenfalls «Alarm» heisst. Letzteres ist eine ziemliche Verharmlosung: Das Wort stammt nämlich vom alten italienischen Weckruf all‘ arme! ab, auf Deutsch «zu den Waffen!»

Ein Alarm will unter allen Umständen wahrgenommen werden, und deshalb ist er vor allem eins: Laut, unerträglich laut. Es ist daher kein Zufall, dass vom mittelalterlichen «all‘ arme!» auch ein anderes, weit gebräuchlicheres Wort abstammt: der «Lärm».

Alexandria, Bibliothek von

Die Bibliothek von Alexandria ist bis heute ein Rätsel. Fest steht: Sie war Teil des museion, des Museums, im Nordosten der Stadt. Einen eigenständigen Bau scheint es nie gegeben zu haben, denn bis heute haben Archäologen trotz aufwändiger Grabungen keinerlei Überreste gefunden. Die sagenhafte Bibliothek ist ein archäologisches Phantom.

Die vielen zeitgenössischen Quellen aber, die Geschichtsschreiber Strabon, Seneca, Plutarch, Sueton etwa oder auch der Arzt Galen, sie alle legen nahe, dass es die Bibliothek wenn nicht als Gebäude, so doch als Institution gegeben hat. Enorm muss sie gewesen sein: Alle Disziplinen waren vertreten: Astronomie, Mathematik, Medizin, Religion und Philosophie, in Griechisch und Latein, Ägyptisch und Hebräisch, Schriften aus Persien, Indien, der ganzen damals bekannten Welt. Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Schriftrollen müssen es gewesen sein. Jedes Schiff, das in den Hafen von Alexandria einlaufen wollte, war verpflichtet, den Schreibern der Bibliothek alle an Bord befindlichen Bücher auszuhändigen, damit sie kopiert werden konnten.

Bloss: Wie konnte eine solche Institution einfach so verschwinden? Im Zuge der Kämpfe zwischen Julius Cäsar und seinem Widersacher Pompeius im Jahr 48 n. Chr., so besagt die Legende, soll neben den angezündeten Schiffen im Hafen auch die Bibliothek in Flammen aufgegangen sein. Das halten Forscher für wenig plausibel. Die Wahrheit ist vermutlich viel profaner: Immer mehr Bürokratie, immer weniger Finanzen, kaum noch Stipendien, immer weniger Gelehrte, und ums Jahr 400 dann die Schliessung durch einen Herrscher, dem unabhängige Wissenschaft ein Dorn im Auge war.

Algorithmus

Algorithmus ist ein Fremdwort, das so fremd ist, dass wir immer wieder darüber stolpern. Zum Beispiel über seine Rechtschreibung: Algorithmus schreibt sich mit i und hat mit Rhythmus (mit y) nichts zu tun.

Das Wort kommt vom Namen des iranischen Universalgelehrten Mohammed al-Chwarizmi. Der schrieb ums Jahr 825 ein Lehrbuch über das Addieren und Subtrahieren mit dem hinduistischen Dezimalsystem, das dem in Europa gebräuchlichen Rechnen mit den römischen Zahlen weit überlegen war. Der Band wurde ins Lateinische übersetzt und beginnt mit den Worten Dixit Algorismi, «Algorismi hat gesagt». Aus diesem Namen wurde unser Algorithmus. Das Hauptwerk des Gelehrten hiess übrigens al-Jebr, woraus unser Wort «Algebra» entstanden ist.

Ein Algorithmus ist im Grunde nichts anderes als ein Berechnungsverfahren zur Lösung einer bestimmten Problemstellung. In der Schule haben wir gelernt, wie man Zahlen schriftlich addiert und subtrahiert – sozusagen al-Chwarizmis Algorithmen der ersten Stunde. Ein algorithmisches Verfahren lässt sich in endlich viele einzelne Schritte unterteilen, die in genau dieser Form und Abfolge auszuführen sind. Bei gleicher Ausgangslage führt ein Algorithmus daher immer zum exakt gleichen Ergebnis. Das Verfahren kann, wie wir aus der Schule wissen, anstrengend und fehleranfällig sein, und damit ist auch gleich erklärt, weshalb der wahre Meister des Algorithmus heute der Computer ist.

So seltsam sie auch heissen, Algorithmen bestimmen unser Leben. Im Computerspiel mischen sie die Karten, sie verschlüsseln unsere Bankdaten, und sie sagen Börse und Wetter vorher. Bei all seiner Klarsicht: Das hätte sich selbst der Visionär in seiner iranischen Oase nie träumen lassen.

Alien

Es gibt zwei Möglichkeiten,

schrieb der britische Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke:

Entweder wir sind allein im Universum, oder wir sind es nicht. Beides ist gleich furchterregend.

Die Vorstellung, da draussen im All könnte es intelligentes Leben geben, hat Menschen immer schon fasziniert und erschreckt. Schon der griechische Philosoph Plutarch hat darüber nachgedacht, ob es Lebewesen jenseits der Erde geben könnte – nicht gar so abwegig in einer Welt, in deren Mythologie es von Göttern und Halbgöttern nur so wimmelte. Über Ausserirdische spekulierte im 16. Jahrhundert auch der Priester und Astronom Giordano Bruno. Weil die von ihm postulierte Unendlichkeit des Weltraums aber keinen Raum für ein Jenseits liess, wurde Bruno im Jahr 1600 wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Gedanke aber blieb, und seit 1695 und Christiaan Huygens‘ Schrift «Weltbeschauer, oder vernünftige Muthmaßungen, daß die Planeten nicht weniger geschmükt und bewohnet seyn, als unsere Erde» zählen Ausserirdische zum festen Inventar von Wissenschaft und Spekulation.

Ob niedlich wie E.T. im Spielfilm von Steven Spielberg, brutal wie die Marsianer und ihre dreibeinigen Kampfmaschinen im Hörspiel von Orson Welles oder grausig wie das Alien in den Filmen von Ridley Scott: Wesen aus der Tiefe des Alls sind ideale Projektionsflächen für menschliche Sehnsüchte und Ängste. In der geheimen Luftwaffenbasis «Area 51» in der Wüste von Nevada, so glauben Verschwörungstheoretiker bis heute, werden abgestürzte Alien-Raumschiffe untersucht – mitsamt ihren (wahlweise toten oder noch lebendigen) Besatzungen.