Ciao

Eine einzige Silbe, aber beileibe nicht einsilbig: Ciao ist der kumpelhafte, herzliche Gruss, dessen italienische Wurzel längst zum Exportschlager geworden ist. Mit ciao grüsst man in halb Europa, in der Grande Nation und auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Als Formel in kubanischen Briefen macht ciao mittlerweile sogar dem traditionellen adiós den Rang streitig.

Der freundliche Gruss hat seinen Ursprung im Venedig des Mittelalters. Händler und Seefahrer pflegten einander mit sciào vostro zu begrüssen, was nichts anderes als «ich bin Ihr Sklave» heisst – in der Bedeutung: Wenn Du mich jemals brauchen solltest, dann kannst Du auf mich zählen. Sono il vostro schiavo: Diese Sklaverei als Gruss ist im übrigen nichts Ungewöhnliches. Wenn sich Österreicher oder Bayern mit servus verabschieden, nehmen sie genauso das lateinische Wort für «Sklave» in den Mund.

Dennoch: Dass unser freundliches ciao aus Venedig kommt, muss noch lange nicht heissen, dass die einst blühende Republik durch ausgesuchte Höflichkeit zu Macht und Gold gekommen wäre. Dafür verantwortlich war vielmehr der Handel mit Schiffen, mit Tuch, Seide, Glas, Salz, Pfeffer – und mit den schiavi, die dem Gruss zu Gevatter standen: den Sklaven, die von hier aus zu Abertausenden ins muslimische Spanien, nach Ägypten und Asien exportiert wurden.

Noch etwas: Wenn wir uns mit tschüss verabschieden, dann hat das mit Sklaverei nichts zu tun. Tschüss kommt vom lateinischen ad deum – spanisch adiós und niederdeutsch adjüs – und heisst ganz einfach «zu Gott».

Cloud computing

Fast, lieber Reinhard Mey: Wirklich grenzenlos ist die Freiheit nicht über, sondern vielmehr in den Wolken. Vor allem dann, wenn es um die Freiheit geht, mit Daten und mit Programmen zu hantieren, wo immer man gerade ist. Cloud computing nennt sich das. Und es ist, kurz gesagt, das Arbeiten am Computer mit Daten aus dem Netz.

Kaum jemand, der das noch nie erlebt hat: Die Festplatte macht keinen Mucks mehr, und die letzte Datensicherung datiert vom Mittelalter. Briefe, Bilder, Programme – alles weg. Dagegen hilft Fluchen (für die Seelenhygiene), ein neuer PC (für die Arbeit), nur gegen den Datenverlust ist kein Kraut gewachsen. Es sei denn, die lägen in den Wolken des Web.

Cloud computing kann bedeuten, dass man für E-Mail nur noch web-basierte Dienste nutzt wie Hotmail, GMX oder Google Mail, die gleichzeitig Mailprogramm und den nötigen Speicherplatz zur Verfügung stellen – kostenlos. Oder auch das Anbieten von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenablage durch Google, multi-user-fähig und ebenfalls gratis. Der heimische Computer treibt dabei nur noch den Web-Browser an.

Vorteil: Die Software up-to-date zu halten, ist Sache des Anbieters, man spart Geld und Speicherplatz, und mögliche Computerabstürze bleiben folgenlos. Nachteil: Daten und Dienste lassen sich nur nutzen, wenn man online ist, Anbieter können Bankrott gehen, und namentlich Google wertet E-Mails aus, um kontextabhängige Werbung zu verkaufen.

In der Wolke muss die Freiheit der Daten wohl grenzenlos sein. Nur ist sie auch da nicht ganz ohne Schattenseiten.

Coca-Cola

Die Coca-Cola Company, mit einer Bilanzsumme von 43 Milliarden Dollar, ist eine der erfolgreichsten der Welt. Ganz schön viel für ein Süsswasser. Aber tatsächlich war Coca-Cola schon immer mehr als das. Zum Beispiel Medizin: Als der Drogist John Pemberton am 29. Mai 1886 im Atlanta Journal für sein aus schwärzlichem Sirup zusammengerührtes Getränk warb, sollte Coca-Cola gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen und sogar Impotenz helfen. Erfinder Pemberton sollte den Erfolg seines Wässerchens nicht mehr erleben – nur zwei Jahre später verkaufte er alle Rechte für 2300 Dollar an den Apothekengrosshändler Asa Candler. Der machte aus der Sirupküche ein Unternehmen und ging 1917 in die Politik. Eine gute Gelegenheit, die Aktien an seine Verwandten zu verteilen – aber insgesamt eine schlechte Idee, weil zwei Jahre später sein Sohn die Company, hinter dem Rücken seines Vaters, weiterverkaufte. Vom Unternehmen zum Weltkonzern wurde Coca-Cola erst unter dem neuen Präsidenten Robert Woodruff, der seinen Job 1923 antrat. Und heute gehört Coca-Cola zum Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft und ist Teil des Dow Jones-Börsenindex.

Da sind Mythen nicht weit. Zum Beispiel der vom Kokain – angeblich enthielt Coca-Cola anfänglich Alkaloide aus den Kokablättern. Alles falsch, sagt die Company – reichlich halbherzig, weil der Ruch des Verbotenen ausgesprochen sexy ist. A propos sexy – angeblich ist die Flasche den weiblichen Rundungen nachempfunden. Alles falsch, sagt die Company – Vorbild war 1915 eine Vase von Tiffany. Und die typische Riffelung der Flasche geht gar auf einen glatten Irrtum zurück – ein Mitarbeiter der Glasmanufaktur verwechselte Koka mit Kakao, schlug im Lexikon die Kakaofrucht nach und goss am Ende die Form in Glas, die Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat.

Computer

Ein Computer ist das eigentliche Gegenstück zum Menschen: Er ist in der Lage, in Sekundenbruchteilen Berechnungen durchzuführen, die ein Mensch in seinem ganzen Leben nicht schaffen würde, und doch besitzt er keinerlei Intelligenz. Das war nicht immer so. Denn computer kommt vom lateinischen computare, was ganz einfach «berechnen» heisst, und war im 17. Jahrhundert die Bezeichnung für Astronomen, deren Aufgabe es war, langwierige Berechnungen von Planetenbahnen durchzuführen.

Computer
Der erste nicht-menschliche Computer, der auch so genannt wurde, datiert von 1897. In diesem Jahr wurden weltweit gleich Dutzende von Patenten für mechanische Apparate eingereicht, die rechnen konnten, auch wenn das damals noch vor allem Geld zusammenzählen hiess. Als die US-Army 50 Jahre später, am 14. Februar 1946, ihren ersten elektronischen Rechner vorstellte, nannte sie ihn «Eniac», eine Abkürzung für Electronic Numerical Integrator and Computer, oder kurz electronic computer. Eniac kostete umgerechnet 7 Millionen Dollar, war 27 Tonnen schwer, beanspruchte den Raum eines mittleren Einfamilienhauses und war noch weit davon entfernt, das zu sein, was wir heute als Computer bezeichnen würden.

Und auch Eniac konnte nur, was bis dato Rechner aus Fleisch und Blut getan hatten: addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und Quadratwurzeln ziehen. Das aber konnte der Riesenapparat schon damals ziemlich schnell: Eine Addition schaffte Eniac in 0,2 Millisekunden, und selbst eine Quadratwurzel war in einer Drittelssekunde geschafft – jedenfalls solange keine der 17 500 Elektronenröhren kaputt war: Dann nämlich rechnete die Maschine, genau wie ihr menschliches Pendant bei Kopfschmerzen, schlicht und einfach falsch.

Computermaus

Gäbe es sowas wie Computerkatzen, sie würden Logitech lieben. Das findige Unternehmen mit Sitz in der Nähe des waadtländischen Morges ist eben dabei, seine – halten Sie sich fest – Milliardste Computermaus auszuliefern. Eine Milliarde Mäuse, das heisst: Die Schweizer Firma hat bald für jeden siebten Menschen der Erde eine Maus hergestellt. Tatsächlich aber hat die überwiegende Mehrheit der Menschen noch nie einen Computer besessen. Und ich, der ich diesen Beitrag schreibe und anschliessend per Mausklick speichere, bin – privat und beruflich – mittlerweile schätzungsweise bei meiner zwanzigsten Maus angelangt.

Computermaus
Computermaus
So selbstverständlich war die Maus nicht immer. Ein PC in den 80er Jahren, der nur MS-DOS verstand, musste mühselig mittels Tastenkombinationen bedient werden. Die Programme von damals lieferten eng bedruckte Plastikschablonen mit, die man über die Tastatur legen musste, um auch nur annähernd eine Übersicht über die vielen Tastenbefehle zu haben.

Die erste Computermaus war da schon längst erfunden, vom amerikanischen Computertechniker Doug Engelbart und seinem Team, im Jahr 1963. Ihr Prototyp war ein Holzklotz mit Rädern und einem Schalter. Und Maus hiess er auch noch nicht, sondern vielmehr «X-Y-Positionsindikator für ein Displaysystem». Aber heute ist die Maus nicht mehr wegzudenken – es gibt sie in allen Farben, Grössen und Formen, meistens kabellos, mit zwei Tasten und einem Scrollrädchen. Und dann gibt es noch die, die es nicht gibt: Mäuse-Prototypen, die das Logitech-Labor nie verlassen haben – die Maus mit aufgesetztem Joystick, die Maus mit sieben Tasten und drei Wählrädern, die Maus mit integriertem Ventilator für verschwitzte Handflächen.

Nur die essbare Maus für naschhafte Computerkatzen, die gibt’s bis heute nicht.