Bauer

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt.

So fängt das Lied an, das in den 1920er-Jahren in einer Liedersammlung des tschechisch-deutschen Musiklehrers Walther Hensel erschien. Doch mit Pferden oder der Landwirtschaft hat der Bauer ursprünglich nichts zu tun. Das Wort kommt vielmehr vom althochdeuschen būr, wie man den Bauern in Schweizer Dialekten heute noch nennt. Seit dem 8. Jh. war ein būr ganz einfach ein Haus – davon zeugen heute noch Ortsnamen wie Büren, Altbüron, das «bei den alten Häusern» hiess, Steckborn oder sogar Mammern (von man-burron).

Wer nun im selben Haus oder auch im selben Dorf wohnte, der war ein ge-būr, wörtlich ein «Mit-būr», ein Mitbewohner. Diesen ge-būr, den Gebauer, gibt’s bis heute als Nachnamen, und būr für «Haus» findet sich auch im deutschen Vogelbauer, das nicht einen Geflügelzüchter meint, sondern, eben, ein Vogelhaus, einen Käfig oder eine Voliere – būr als Haus ist nur in solchen Einzelfällen erhalten geblieben.

Beim ge-būr hingegen verschwand nach und nach die sperrige Vorsilbe, und aus dem Gebauer wurde unser heutiger Bauer als Bezeichnung für den, der Vieh züchtet und die Felder bestellt. Wie dieser Bedeutungswandel vom Mitbewohner zum Landwirt zustande kam, weiss die Sprachforschung bis heute nicht. Auch wenn er recht jung ist: In seiner Bibelübersetzung braucht Martin Luther das Wort «Bauer» noch selten, statt dessen spricht er vom «Ackermann». Und auch der ist heute noch ein Name.

Butterzentrale

Die Lage wurde kritisch. «Krasse Übelstände» gebe es zu bekämpfen, schrieb der Bundesrat am 18. August 1917. Weil aufwändiger als Rohmilch, aber weniger rentabel als Käse, wurde im Ersten Weltkrieg immer weniger Butter produziert. Die wurde ein rares Gut: Bauern hielten ihre eigene Butter zurück und schmuggelten sie an den amtlichen Kontrollen vorbei. Während sich Herr und Frau Schweizer in den Vorkriegsjahren pro Monat noch ein volles Pfund Butter aufs Brot streichen konnten, fiel der Verbrauch im Krieg auf unter 100 Gramm.

Ab sofort, so ordnete der Bundesrat an, werde der Butterhandel daher unter staatliche Kontrolle gestellt. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, wurden eine «Eidgenössische Zentralstelle für Milch und Milchprodukte» und in den Regionen sogenannte «Verbandsbutterzentralen» ins Leben gerufen. Diese Zentralen sollten dafür sorgen, dass Butter nicht mehr unter der Hand und zu überhöhten Preisen beim Bauern, sondern nur noch in konzessionierten Käsereien gekauft werden konnte. Ausserdem sollten die Butterzentralen das Horten verhindern, die vom Bundesrat festgesetzten Höchstpreise durchsetzen und dem Bundesrecht Geltung verschaffen: Einzelne Kantone hatten sich mit kantonalen «Ausfuhrverboten» geweigert, ihre knappe Butter über die Kantonsgrenzen zu lassen.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Butterversorgung in der Schweiz fragil: In den Zwischenkriegsjahren brach der Milchpreis ein, im Zweiten Weltkrieg wurden Milchprodukte wieder knapp. Unter dem Namen «Butyra» blieben die Butterzentralen noch bis 1999 am Leben.

Emu-Krieg

1932 hatten die Siedler im westaustralischen Dorf Campion genug. Eine anhaltende Dürre hatte die im Bundesstaat Western Australia lebenden Emus grosse Herden bilden lassen. 20 000 Tiere hatten auf ihrer Suche nach Wasser und Futter ganze Felder kahlgefressen und das Getreide niedergetrampelt. Die Siedler – viele davon frühere Soldaten – riefen um Hilfe.

Der Emu ist ein flugunfähiger Laufvogel mit einer Grösse von 1.50 bis 1.90 Metern; zusammen mit dem Känguru ziert er das australische Wappen. In Herden stellte er für die Farmer durchaus eine Bedrohung dar, und am 1. November 1932 verlegte die Regierung daher drei Soldaten nach Campion. Der befehlshabende Major C. W. P. Meredith hatte den Befehl, die Emus zu dezimieren. Mit Maschinengewehren begannen die Soldaten auf die Emus zu feuern, und schon tags darauf berichteten erste Zeitungen über den «Grossen Emukrieg». Anfänglich trafen die Schützen kaum ein Tier, erst mit der Zeit stieg die Trefferquote etwas an. Doch dann wendete sich das Blatt. Emus sind bis 50 Stundenkilometer schnell – und schlau: Einzelne Vögel begannen das Gelände zu beobachten und bei ersten Anzeichen von Gefahr Warnrufe auszustossen. Immer seltener zeigten sich die Vögel, und bei der Verfolgung auf umgebauten Trucks kamen die durchgeschüttelten Soldaten kaum je zum Schuss.

Nach vielen Fehlschlägen meldete Major Meredith einen Monat später, dass pro Woche rund 100 Emus erlegt worden seien, was vermutlich noch ziemlich übertrieben war. Und so kommt es, dass Australien den Krieg gegen sein eigenes Wappentier, den Emu, schmachvoll verlor.

Fettnapf

Es ist so schnell passiert: Eine unbedachte Bemerkung, ein flapsiger Spruch, ein fauler Witz, und schon hat man seinen Gesprächspartner gekränkt oder beleidigt. Tja, und damit ist man dann voll ins sprichwörtliche Fettnäpfchen getreten.

Die Redensart gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Schon Jacob Grimm hat das Fettnäpfchen im Jahr 1862 ins Deutsche Wörterbuch aufgenommen:

damit wirst du ihm schön ins fettnäpfchen treten,

steht da zu lesen, heisse

damit wirst dus bei ihm verschütten.

Das war in einer Zeit, in der es den Fettnapf tatsächlich noch gegeben hat. In der Bauernküche wurde für gewöhnlich Speck, Schinken oder Wurst geräuchert. Das abtropfende Fett, das später als Speise- und Bratfett diente, wurde in einem untergestellten Napf gesammelt. Im Erzgebirge, wo die Redensart herkommt, stand in Bauernhäusern zwischen Tür und Ofen überdies ein Napf mit Stiefelfett bereit, Fett, das mit Tierknochenasche schwarz gefärbt wurde. Mit einem Lappen konnten die Eintretenden ihre nassen Lederschuhe unverzüglich schmieren, damit die Schuhe wasserdicht und geschmeidig blieben, und damit das Leder beim Trocknen nicht brüchig wurde.

Ob Speise- oder Stiefelfett: Der Fettnapf hatte die Eigenheit, gelegentlich an der falschen Stelle zu stehen und war im Fall eines Fehltritts im Dunkeln nur allzu rasch umgestossen. Das zähflüssige Fett ergoss sich auf die Holzdielen, und die schwarze, rutschgefährliche Lache musste mühselig wieder weggefegt werden, was dem tapsigen Besucher die Hausfrau nicht unbedingt zur Freundin machte.

Filz

Am Anfang war das Feuer, und gleich danach war der Filz: Archäologen haben Reste von Wollfilz gefunden, der über 6000 Jahre alt ist und von Nomadenvölkern stammt, die Schafherden hielten. Gefilzt wurde womöglich schon viel früher – noch ältere Funde gibt es nur deshalb nicht, weil Tierhaar auch bei idealen Bedingungen irgendwann zerfällt.

Seit der Jungsteinzeit wird Filz auf genau dieselbe Weise hergestellt wie heute: Als erstes wird die geschorene Wolle gekämmt oder gekardet – das Wort stammt vom lateinischen carduus, «Distel», ab, weil zum Kämmen getrocknete Disteln verwendet wurden. Die längs ausgerichteten Fasern bilden ein dünnes Vlies, das mit anderen Vliesen zu einer losen Wollmatte kombiniert wird. Und dann wird gefilzt: Mit alkalischem Wasserdampf, Druck und kreisenden Bewegungen werden die Haarfasern zu sogenanntem Walkfilz verarbeitet. Seife, Feuchtigkeit und Hitze bewirken, dass sich die Schuppen der obersten Haarschicht abspreizen; maschinelles Kneten und Pressen sorgt dafür, dass sich die Haare gegenseitig immer stärker durchdringen. Die aufgestellten Schuppen verkeilen sich dabei so stark, dass sie nicht mehr voneinander zu trennen sind. Am Ende wird der Filz gewaschen, getrocknet und gebügelt.

Filz ist ein Wunderstoff: Er ist widerstandsfähig, dehnbar und schützt vor Schlägen. Er ist schallhemmend, wasserabweisend und saugfähig zugleich. Er schützt gegen Kälte und ist dabei quasi unbrennbar: Selbst bei Temperaturen von über 300 Grad wird der Filz nur verkohlen. Das einzige, was dem Filz zuleibe rückt, sind gefrässige Motten. Aber auch dagegen kennen die Menschen seit der Steinzeit ein probates Mittel: getrockneten Lavendel.