Münzautomat

Automaten sind eine Erfindung der Neuzeit. Doch der erste Münzautomat der Geschichte ist älter, viel älter: Erfunden wurde er im ersten Jahrhundert n. Chr. vom griechischen Ingenieur Heron von Alexandria. In den Tempeln der Antike nämlich pflegten findige Händler Weihwasser zu verkaufen. Doch was, wenn sich die Betenden nicht an die Geschäftszeiten hielten? Abhilfe schuf eine von Heron konstruierte Weihwassermaschine. Die bestand aus einem Zylinder voller Wasser, auf dem eine Holzscheibe schwamm. Das Gewicht der eingeworfenen, auf das Holz fallenden Münzen drückte das Weihwasser durch ein Röhrchen nach oben, wo es dem Gläubigen in die Hand rann. Dieser sogenannte «Heronsbrunnen» war der erste Verkaufsautomat der Geschichte.

In den 1870er-Jahren dann setzte erst in Amerika, danach in Europa ein eigentlicher Automatenboom ein. Postkarten, Bücher, Bleistifte, Schokolade, Kaugummi, Zigaretten – was immer sich in Münzautomaten packen liess, wurde auf einmal in den schrankgrossen, verschnörkelten, bunt lackierten Kästen aus Gusseisen, Stahlblech oder Holz angeboten. Beliebt waren sie nicht überall: Die vielen Bonbons liessen Kritiker um die Volksgesundheit bangen; Händler fürchteten die neue, automatisierte Konkurrenz; selbsternannte Sittenwächter witterten gar die Anstiftung zur Kriminalität, weil Kinder immer wieder versuchten, die Automaten mit Hosenknöpfen zu überlisten. Und die Kirche schliesslich hatte schwere Bedenken wegen des Verkaufs an Sonntagen und der Verführung der Gläubigen während der Fastenzeit. Alles vergeblich: Die Münzautomaten waren nicht mehr aufzuhalten.

Heute aber sind sie selten geworden. Bestellt wird im Internet, bezahlt per Kreditkarte, geliefert per Post. Die letzten Jugendstilkästen aus den Anfängen der Automatenzeit dagegen sind selbst zur Ware geworden – als begehrte Sammlerobjekte.

Münze

Das Wort «Münze» kommt aus dem Lateinischen. Doch mit Geld hatte es zu Beginn weniger zu tun als mit Göttersagen. Auf der östlichen Kuppe des römischen Kapitols, der sogenannten «Burg», befand sich seit dem Jahr 344 v. Chr. ein der Göttin Juno geweihter Tempel. Juno, die Gattin von Chefgott Jupiter, wurde von den Römern als Schirmherrin der Stadt verehrt, als Göttin für Geburt und Ehe – und sie trug den Beinamen Iuno moneta, «Juno, die Mahnerin». Wie dieser Beiname moneta zu unserer Münze wurde, erzählt der Chronist Titus Livius so:

An der Stelle des neuen Juno-Tempels hatte zuvor ein älteres Heiligtum gestanden, in dem Gänse gehalten worden waren, denn das heilige Tier der Juno war die Gans. Als im Jahr 387 v. Chr. Gallier in die Stadt einfielen, schlich sich ein Trupp auf einem schmalen Pfad hoch aufs Kapitol. Die wachsamen Vögel schlugen mit lautem Schnattern und Flügelschlagen Alarm. Die Verteidiger, in deutlicher Unterzahl, begannen zu verhandeln und bewegten die Gallier schliesslich zum Abzug, gegen die Zahlung von 1000 Pfund Gold. Weil die Schutzpatronin Juno mit ihren heiligen Gänsen den Fall des Kapitols verhindert hatte, nannte man sie fortan «Mahnerin» oder «Warnerin».

Im späteren, gut befestigten Tempel befand sich eine grosse Münzstätte. Die hier geprägten Münzen trugen das Bild der Iuno moneta, und der Beiname wurde mit der Zeit zum Inbegriff des Geldes. Als «Münze» oder «Moneten» wurde das Wort im Deutschen heimisch, als die germanischen Könige das römische Münzwesen übernahmen – und mit ihm auch den Namen der kunstvoll geprägten Geldstücke mit ihrer sagenhaften Vergangenheit.

Murphy’s Law

Es scheint ein Gesetz zu sein. Und es lautet: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein fallendes Butterbrot auf seiner Butterseite landet, ist proportional zum Wert des Perserteppichs. Das ist Murphy’s Law. In aller Kürze und englisch: shit happens.

Murphys Gesetz kennen wir alle. Und es ist so alt wie die Menschheit. Da gibt es zum Beispiel den englischen Vers, den eine Zeitung in Ohio 1841 abdruckte:

I never had a slice of bread – particularly large and wide
That did not fall upon the floor – and always on the buttered side.

Wieder das fallende Butterbrot, aber das kennen Sie ja schon. Eine andere Version von Murphys Law, so fand die American Dialect Society heraus, stammt vom Ingenieur Alfred Holt. Der erklärte 1877 an einer Konferenz: Alles, was auf hoher See schiefgehen kann, wird früher oder später schiefgehen.

Murphys Namen trägt das Gesetz seit 1949. Da arbeitete Captain Edward A. Murphy auf der Edwards Luftwaffenbasis in Kalifornien. Als Ingenieur war er für das Projekt MX 981 zuständig, das messen sollte, wieviel Bremskraft ein Mensch aushalten kann, dann etwa, wenn er mit dem Schleudersitz aus einem Jet katapultiert wird. Er liess einen Schimpansen auf eine Zentrifuge schnallen, beschleunigte, bremste und stellte fest – Ergebnis: null. Die Messgeräte zeigten nichts an. Grund: Sie waren von einem Techniker genau falschherum verkabelt worden. Und Murphy stellte fest: Was für fallende Butterbrote gilt, gilt auch für wissenschaftliche Experimente.

Ob das nun die wahre Geschichte von Murphys Law ist? Wer weiss das schon. Immerhin stand sie zwar auf der offiziellen Website der Edwards Air Force Base. Aber wahr? Auch die Airforce scheint Zweifel zu haben. Im Januar 2007 wurde die nette Anekdote sang- und klanglos gelöscht.

Muschelgeld

Die glatten Gehäuse der Kaurischnecke sind selten, schwer zu finden und kaum zu fälschen. Schon vor Jahrtausenden dienten Kaurischnecken in vielen Regionen Afrikas, Asiens und Chinas als harte Währung.

Solches Muschelgeld ist bis heute in Gebrauch auf der Südseeinsel Neubritannien, einem Inselstaat, der zu Papua-Neuguinea gehört. Auf dieser Insel lebt das Volk der Tolai. Die Tolai bewirtschaften als Selbstversorger ihre eigenen Gärten, oft als Gemeinschaften von mehreren Haushalten. Auf dem fruchtbaren vulkanischen Boden gedeihen Taro- und Yamswurzeln, Süsskartoffeln, Bananenstauden und Kokospalmen.

Bezahlt wird mit Muschelgeld, das zu Geldschnüren aufgereiht wird, die «param» genannt werden und so lang sind wie die Spannweite eines Mannes mit ausgebreiteten Armen. Auf einen Faden dieser Länge passen 220 bis 240 sorgfältig zu Ringen geschliffene Schalen einer kleinen, in Papua-Neuguinea vorkommenden Meeresschnecke. Lokale Wechselstuben tauschen Muschel– in Bargeld und umgekehrt, denn Schulgebühren oder Arzt- und Spitalkosten müssen in Kina beglichen werden, der offiziellen Währung Papua-Neuguineas. Der aktuelle Wechselkurs beträgt 5 Kina für einen «param», was rund 1.20 Franken entspricht.

Das Muschelgeld besitzt für die Tolai grosse kulturelle und spirituelle Bedeutung, etwa bei Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern. Und es ist nach wie vor die gängige Währung für Einkäufe auf dem Markt – für Reis, Gemüse und Süssigkeiten und, weil Handys auch in der Südsee allgegenwärtig sind, sogar für das Aufladen von SIM-Karten.

Museum

Wer von der Muse geküsst werden will, der geht am besten ins Museum. museum ist lateinisch und bezeichnet den Ort des Studiums, eine Universität oder, im engeren Sinn, eine Bibliothek. Und das noch ältere griechische museion hiess nichts anderes als Musentempel.

Ein solches Museion stand zum Beispiel in Alexandria, am Hof von König Ptolemaios I, im dritten Jahrhundert vor Christus. Die sagenhafte Bibliothek von Alexandria sollte nichts weniger als das gesammelte Wissen der Zeit enthalten: alle Schriftrollen, Schrifttafeln und Bücher aller Völker und Zeiten. Als Cäsar im Jahr 48 vor Christus auf der Suche nach seinem Widersacher Pompejus nach Alexandria kam und nach heftigen Kämpfen im Residenzviertel in die Enge getrieben wurde, liess er kurzerhand sämtliche im Hafen liegenden Schiffe anzünden. Mit ihnen soll die auch die legendäre Bibliothek in Flammen aufgegangen sein.

Tatsächlich haben Archäologen die Existenz der Bibliothek von Alexandria nie nachweisen können, Überreste wurden bis heute nicht gefunden. Doch ein Menschheitstraum ist sie geblieben: eine frei zugängliche Sammlung allen Wissens an einem einzigen Ort. Das Museion in diesem umfassenden Sinn gibt es dagegen wohl: zum einen in Form gigantischer Bibliotheken wie der Library of Congress in Washington mit ihren mehr als 138 Millionen Titeln, und zum anderen archive.org, das Internet-Archiv des Computerwissenschaftlers Brewster Kahle mit seinen unvorstellbaren Datenmengen, das alle zwei Monate das gesamte zugängliche Internet archiviert und öffentlich macht.

Ob die Musen wirklich jeden dieser zahllosen Autoren geküsst haben, ist fraglich. Doch die Idee des Museums als Ort der Inspiration und des Denkens ist gerade im Zeitalter des Web aktuell wie nie.