Gif

Als die Bilder auch im Internet laufen lernten, zeigten sie etwa einen emsig schaufelnden Arbeiter und darunter die Worte «Site in construction» oder ein sich drehendes @-Zeichen, darunter «Für E-Mail hier klicken». Mit solchen bewegten Bildchen pflegten die Webmaster der ersten Stunde ihre Seiten zu dekorieren wie der Zuckerbäcker seine Torten. Was heute als Merkmal grässlichen Designs gilt, ist tatsächlich eine geniale Erfindung, die älter ist als das Web.

Am Anfang war das Internet schwarzweiss. Um das zu ändern, gab der Onlinedienst Compuserve 1987 dem Ingenieur Steve Wilhite den Auftrag, ein Farbformat zu entwickeln. Zusammen mit seinem Team schaffte Wilhite die Quadratur des Kreises: Ihr neues Format hiess «Gif» für Graphics Interchange Format. Es konnte 256 Farben speichern und sogar transparent sein, und trotzdem erzeugte es nur eine geringe Datenmenge. Der Clou aber war: Ein Gif kann beliebig viele Einzelbilder speichern, die es dann genau so abspielt wie in alten Zeiten das Daumenkino.

Die neuen Gifs waren sparsam und damit ideal für das Schneckentempo der damaligen Datenverbindungen. Dass die Bildqualität dürftig blieb, spielte noch keine sonderlich grosse Rolle. Denn Gifs konnten Fotos und Symbole zum Leben erwecken, und so war ihr Siegeszug quasi vorprogrammiert.

Das Schwarzweissfoto eines Grammophons, auf dem sich lautlos eine Platte dreht; das Stilleben, dessen Kerzenflamme erkennbar flackert – «Gif Art», diese Fotokunst in Endlosschlaufen, ist zu einer Form der Popkultur geworden, deren Werke sich viral im Netz verbreiten.

Gigolo

I’m just a gigolo, and everywhere I go, people know the part I’m playin‘.

«Ich bin nur ein Gigolo, und überall, wo ich hingehe, kennt man meine Rolle»: Mit «Just A Gigolo» hat der Sänger und Entertainer Louis Prima dem Gigolo 1956 ein musikalisches Denkmal gesetzt, wofür sich Hollywood mit einem Stern des «Walk of Fame» an der Vine Street bedankt hat.

Ob Casanova, Charmeur, Playboy, Womanizer, Lebemann, Herzensbrecher, Frauenheld oder Schürzenjäger: Der Gigolo hat viele Namen. Doch ob liebevoll, ironisch, herablassend oder gar verächtlich: Immer verdreht er Frauen den Kopf und lässt sich von ihnen aushalten. Dabei ist der Gigolo ohne Zweifel Franzose, jedenfalls wenn es um das Wort geht: «Gigolo» kommt von gigot, dem Schenkel, den wir heute bevorzugt als Lammgigot auf den Grill legen. Gigoter heisst sinngemäss «die Schenkel bewegen», «herumzappeln» oder «tanzen». Eine gigole oder gigolette ist denn auch das leichte Mädchen, das sich gern zum Tanzen und auch anderweitig verführen lässt – «si tu veux être ma gigolette, oui, je serai ton gigolo», heisst es in einem um 1850 beliebten französischen Lied. Tatsächlich ist der Gigolo ein Tänzer. Denn zur selben sprachgeschichtlichen Familie zählen auch die französische gigue und die englische jig. Verblüffend dabei: Der Ursprung dieser Tänze und damit des Gigolos liegt tief im frühen Mittelalter – und ausgerechnet im deutschen Wort gîge, unserer heutigen Geige.

«Just A Gigolo»: Louis Prima wird gewusst haben, wovon er sang – insgesamt fünfmal war er verheiratet. 67-jährig, starb er 1978 in New Orleans. «Wenn das Ende kommt, werden sie sagen: Nur ein Gigolo. Und das Leben wird ohne mich weitergehen.

Glocke

Eine Glocke ist ein sogenanntes «Idiophon», auf Deutsch ein «Selbsttöner»: Einmal angeschlagen, klingt die Glocke von selbst weiter. Seit Jahrtausenden ruft ihr Ton die Gläubigen zum Gebet: Schon der römische Autor Sueton beschreibt Glocken, die auf dem Giebel des Jupitertempels auf dem Kapitol in Rom hingen.

Die ersten Glocken der Geschichte läuteten bereits im dritten Jahrtausend v. Chr. in China. Sie hatten einen Klöppel aus Holz und bestanden aus gebranntem Ton, doch um 2000 v. Chr. wurden, ebenfalls in China, die ersten Glocken aus Bronze gegossen.

Bronze ist die erste von Menschen hergestellte Metalllegierung aus Kupfer und Zinn. Der Klang von Glocken aus Bronze trägt weit, und der Schall verbreitet sich schneller, als der Mensch laufen kann. Daher waren Glocken zu allen Zeiten nicht nur Ruf zum Gebet, sondern auch Alarmsignal – die schnellstmögliche Warnung vor Sturm, Überschwemmung, Feuer, und vor Krieg.

A propos: Auch der Krieg braucht Bronze, denn es ist ein hartes Metall, aus dem man stets nicht nur Glocken, sondern auch Kanonen goss. Im Kriegsjahr 1940 befahl die nationalsozialistische Regierung Deutschlands, dass alle Kirchenglocken der Rüstungsindustrie auszuliefern seien, als Kupfer- und Zinnreserve für Patronen- und Granathülsen oder für die Achslager schwerer Motoren. Bei Kriegsende herrschte in grossen Teilen Europas buchstäblich Grabesstille: 80 000 Glocken waren abgehängt und zu Kriegsgerät umgeschmolzen worden.

Goldberg, Rube

Reuben Lucius Goldberg, Jahrgang 1883, war Ingenieur mit Abschluss an der University of California in Berkeley. Seine wahre Leidenschaft aber galt dem Zeichnen, zuerst als Cartoonist in San Francisco, später in New York. Für seine politischen Karikaturen in der «New York Sun» erhielt Rube Goldberg 1948 den Pulitzer-Preis. Seine bekannteste Figur aber ist Professor Lucifer Gorgonzola Butts, und der ist über die Massen komisch. In diesem Comic kommen immer wieder die kompliziertesten Maschinen zur Bewältigung der einfachsten Aufgaben vor. Diese hier erklärte Goldberg in einem Film von 1940 gleich selbst:

Kellner setzt Katze B auf den Geschirrstapel A. Katze B sieht ausgestopfte Maus C. Katze springt auf Maus und betätigt damit Hebel D, der brennende Kerze E an Zündschnur F hält, worauf Bombe G explodiert, was ganz sanft Tür H öffnet.

Unsinnige Apparate wie dieser Türöffner machten die nach ihrem Zeichner benannten «Rube-Goldberg-Maschinen» zum Inbegriff unnötig komplizierter Technik.

Goldbergs detailverliebte Mechanismen erinnern an Patentschriften, und sie ziehen Nerds bis heute in ihren Bann. Auf Youtube versuchen sich Rube-Goldberg-Tüftler gegenseitig zu überbieten, mit Hunderten komplexester Konstruktionen mit Kugeln und schiefen Bahnen, Rädern und Hebeln, Glaskolben und Bunsenbrennern, ja selbst Kaninchen und Goldhamstern, die nach minutenlanger Arbeit am Ende nichts anderes vollbringen als etwa das Umblättern einer Zeitung. Rube Goldberg und sein verrückter Comicprofessor hätten ihre helle Freude daran.

Goldhamster

Der edelste aller Hamster ist der Goldhamster. Er ist deutlich kleiner als sein europäischer Vetter, der Feldhamster, und seinen Namen hat er von seinem Fell, das (bis auf seinen weissen Bauch) ein leuchtendes Rotbraun zeigt. Wie das Edelmetall ist auch der Goldhamster selten. Er kommt nur im syrisch-türkischen Grenzgebiet vor, hauptsächlich in der Hochebene von Aleppo. Die Ebene ist fruchtbar und dicht besiedelt, und die Tiere ernähren sich vom angebauten Getreide und den Feldfrüchten. Weil Goldhamster als Schädlinge gelten, werden sie gejagt und vergiftet, und die Art ist heute gefährdet.

1930 brach der Biologe Israel Aharoni zu einer Expedition nach Syrien auf, um nach Hamstern zu suchen, die sich problemlos vermehren liessen und die für medizinische Versuche geeignet waren. Zusammen mit seinem örtlichen Führer gelang es Aharoni, ein Nest mit einem Goldhamsterweibchen und insgesamt elf Jungen ausfindig zu machen und aus einer Tiefe von zweieinhalb Metern auszugraben. Die Mutter biss sofort eines ihrer Jungen tot (um ihm ein Leben als Versuchstier zu ersparen, schrieb Aharoni in sein Notizbuch). Die Mutter wurde eingeschläfert, bevor sie den Rest ihres Wurfs töten konnte.

Die in der Zoologie noch kaum bekannten Tiere wurden transportfertig gemacht, und obwohl am Ende nur ein Weibchen und drei Männchen in Jerusalem ankamen (die übrigen waren entwischt), begannen sie sich in den Labors der Hebräischen Universität prächtig zu vermehren. Bis heute stammen nahezu alle Goldhamster, die als Haustiere gehalten oder als Versuchstiere gebraucht werden, von diesen vier Hamsterjungen aus der syrischen Wüste ab.