Emoji

Sie haben einen seltsam fremden Namen, und doch sind sie uns so vertraut wie die Buchstaben: die sogenannten «Emojis», jene Smileys und Symbole, ohne die kaum eine SMS oder eine WhatsApp-Nachricht mehr auskommt. «Emoji» hat nichts mit «Emotion» zu tun, sondern setzt sich aus den japanischen Wörtern 絵 (e) für «Bild» und 文字 (moji) für «Zeichen» zusammen.

In der Fachsprache sind Emojis sogenannte Ideogramme, eine Bilderschrift, deren Buchstaben nicht abstrakte Zeichen, sondern stilisierte Abbildungen sind. Ihr Erfinder heisst Shigetaka Kurita. Kurita, ein japanischer Designer, arbeitete Mitte der Neunzigerjahre für den Konzern NTT DoCoMo, und der hatte eine Vision: das Internet aufs Handy zu bringen. Das war damals noch klobig, liess sich nur mit Tasten bedienen, und sein einfarbiges Display war noch briefmarkenklein. So dachte sich Designer Kurita 12 mal 12 Pixel kleine Symbole aus, mit denen sich die aktuelle Stimmung treffender und vor allem schneller übermitteln liess. Die von japanischen Mangas inspirierten, wahlweise heiteren, traurigen oder grimmigen Smileys verbreiteten sich wie eine Epidemie – erst in Japan, dann in Asien, schliesslich der ganzen Welt.

Heute gibt es Emojis für alle Lebenslagen – Smilies, Tiere, Symbole von Ahornblatt bis Zirkuszelt. Nur: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Weil in Japan erfunden, kommt es bei den Emojis schon mal zu interkulturellen Missverständnissen: Der schnaubende, grimmig dreinblickende Smiley zum Beispiel ist ursprünglich das Zeichen für Triumph; der blaue Tropfen unter dem linken Auge des traurigen Emojis, den wir als Träne verstehen, ist in japanischen Mangas ganz einfach das Zeichen für Schlaf.

Emu-Krieg

1932 hatten die Siedler im westaustralischen Dorf Campion genug. Eine anhaltende Dürre hatte die im Bundesstaat Western Australia lebenden Emus grosse Herden bilden lassen. 20 000 Tiere hatten auf ihrer Suche nach Wasser und Futter ganze Felder kahlgefressen und das Getreide niedergetrampelt. Die Siedler – viele davon frühere Soldaten – riefen um Hilfe.

Der Emu ist ein flugunfähiger Laufvogel mit einer Grösse von 1.50 bis 1.90 Metern; zusammen mit dem Känguru ziert er das australische Wappen. In Herden stellte er für die Farmer durchaus eine Bedrohung dar, und am 1. November 1932 verlegte die Regierung daher drei Soldaten nach Campion. Der befehlshabende Major C. W. P. Meredith hatte den Befehl, die Emus zu dezimieren. Mit Maschinengewehren begannen die Soldaten auf die Emus zu feuern, und schon tags darauf berichteten erste Zeitungen über den «Grossen Emukrieg». Anfänglich trafen die Schützen kaum ein Tier, erst mit der Zeit stieg die Trefferquote etwas an. Doch dann wendete sich das Blatt. Emus sind bis 50 Stundenkilometer schnell – und schlau: Einzelne Vögel begannen das Gelände zu beobachten und bei ersten Anzeichen von Gefahr Warnrufe auszustossen. Immer seltener zeigten sich die Vögel, und bei der Verfolgung auf umgebauten Trucks kamen die durchgeschüttelten Soldaten kaum je zum Schuss.

Nach vielen Fehlschlägen meldete Major Meredith einen Monat später, dass pro Woche rund 100 Emus erlegt worden seien, was vermutlich noch ziemlich übertrieben war. Und so kommt es, dass Australien den Krieg gegen sein eigenes Wappentier, den Emu, schmachvoll verlor.

Enigma

Enigma heisst auf griechisch Rätsel. Enigma – so heisst auch die legendäre Verschlüsselungsmaschine des deutschen Reichs, das den alliierten Mächten im Zweiten Weltkrieg das Leben so schwer machte. Gebaut wurde die Maschine eigentlich schon seit 1923. Sie war ursprünglich für den zivilen Gebrauch gedacht, weckte aber bald das Interesse der Militärs, aus naheliegenden Gründen.

Enigma
Enigma
Die Enigma, das war ein 12 Kilo schwerer Koffer mit einem massiven Holzgehäuse, in dem sich eine Schreibmaschine befand, mit Batterie und beleuchteten Buchstaben. Texte wurden damit nach allen Regeln der Kunst verschlüsselt. Drei, vier oder gar acht austauschbare Walzen mit je allen 26 Buchstaben drehten sich, wie bei einem Kilometerzähler, mit jedem Tastendruck weiter und vertauschten die Buchstaben mit jedem Zeichen neu und anders. Aus OTTO – vier Buchstaben, je zwei davon gleich – wurde in der Enigma etwa QITF. Die verräterische Buchstabenhäufigkeit – 17,4 Prozent aller Buchstaben sind im Deutschen ein E – war weg.

Mit der Enigma verschlüsselte Meldungen erwiesen sich als nicht zu knacken, selbst dann noch nicht, als den Alliierten mehr als einmal Gebrauchsanweisungen, Schlüsseltafeln und und sogar Enigmas in die Hände fielen. Die Meisterleistung schaffte 1932 der erst 27-jährige Pole Marian Rejewski – mit einer legal gekauften Enigma, mit Glück und ganz viel Mathematik. Rejewskis Erfolg, dazu die Leistung der Analytiker im Spionage-Zentrum Bletchley Park bei London, der brillante britische Mathematiker Alan Turing mit seiner Entschlüsselungsmaschine – das alles machte es möglich, dass die Alliierten 1943 jeden Tag 2500 Funksprüche mitlesen konnten.

Nicht Kommandoaktionen, nicht Granaten und Geschütze: Die stärkste aller Waffen war am Ende das Genie einer Handvoll Mathematiker.

Erdstall

Ein Erdstall ist ein Tunnelsystem meist unter einem Bauernhof, in der Nähe einer Kirche oder eines Friedhofs. Mit Ställen für Vieh hat der Erdstall nichts zu tun: Das Wort «Stall» kommt hier vielmehr vom bergmännischen «Stollen». Tatsächlich besteht ein Erdstall aus bis zu 50 Meter langen Gängen mit einem engen Durchschlupf, mit Kammern, Stufen, Bänken und Nischen. Allein in Bayern gibt es über 700 davon, doch auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn, seltener auch in Frankreich, Spanien und Irland wurden Erdställe entdeckt. Alle wurden sie fast zeitgleich Ende des 13. Jahrhunderts aufgegeben.

Von wem sie erbaut wurden, wann und zu welchem Zweck, liegt dagegen völlig im Dunkeln. Die Archäologie weiss vor allem, was ein Erdstall nicht ist: Für ein Lager sind Erdställe zu eng und zu niedrig, und ausserdem wurden in ihnen kaum Spuren menschlicher Nutzung gefunden. Auch ein Fluchtort waren sie kaum, weil sie nur einen Eingang haben und Flüchtende im Fall einer Entdeckung in der Falle gesessen hätten. Auch als Notunterkunft kommen sie nicht in Frage, weil es in Erdställen kalt ist und ein Feuer den Sauerstoff aufgebraucht hätte. Eine Theorie besagt, dass Erdställe sogenannte «Leergräber» waren, symbolische Gräber für weit entfernte Tote, Soldaten etwa, die fern der Heimat gefallen waren. Andere Forscher deuten Erdställe als eine Art Wartesaal für die Seelen Verstorbener; dafür spricht, dass die Anlagen genau zu der Zeit aufgegeben wurden, als die Kirche damit begann, die Lehre vom Fegefeuer zu verbreiten.

Solange aber keine hieb- und stichfesten Belege gefunden werden, bleiben Erdställe, was sie sind: ein grosses Rätsel.

Esszett

26 Buchstaben kennt unser Alphabet, dazu die drei Umlaute, macht deren 29. Und dann gibt’s noch einen, den wir in der Schweiz eigentlich gar nicht kennen, das Esszett. Bei ihm wird’s schwierig, denn hierzulande kennen wir die Rechtschreibregeln nicht, und selbst in Deutschland weiss man nicht so recht, wie er eigentlich heissen soll. Neben Esszett spricht man auch vom Doppel-S oder vom scharfen S, vom Buckel-, Rucksack-, Dreierles- oder Ringel-S.

Klar ist: Das Esszett steht für den stimmlosen s-Laut, so wie in weiß oder Fuß, und es ist eine Ligatur, also eine typografische Verbindung, aus einem langen ſ, das Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben ist. Bei der zweiten, rechten Hälfte des Esszett aber ist Schluss mit der Klarheit. Die Schriftgelehrten streiten bis heute darüber, ob es ursprünglich ein normales s war oder eine 3 – oder aber ein kleines z mit Unterschlinge, ein ʒ. Tatsächlich war der Laut im Mittelalter als sz geschrieben worden, eine Schreibweise, die selbst die Gebrüder Grimm noch im 19. Jahrhundert verwendeten.

Auch mit den Regeln war es so eine Sache. In Sachen Esszett gab es nämlich deren zwei, benannt nach Johann Christoph Adelung oder nach Johann Christian August Heyse, beides Lexikographen im 18. Jahrhundert und gänzlich uneins, wann man denn nun ein Esszett und wann ein Doppel-s setzen sollte. Entschieden wurde die Sache im Sinne von Heyse, mit der Rechtschreibreform von 1996. Seither gilt: Das Esszett steht nach einem betonten Langvokal, so wie in Maße oder Buße, und nach einem Doppelvokal, so wie in heißen oder außen. Nach Kurzvokalen dagegen (Masse, Busse) steht immer ein gewöhnliches Doppel-s.