Broch

Ein Broch ist ein Wohnturm aus der Eisenzeit. Er hat keine Wände, sondern meterdicke Rundmauern, keinerlei Fenster und statt einer Tür einen niedrigen Eingangstunnel. Brochs wurden vor über zweitausend Jahren gebaut – im nordöstlichsten Zipfel Schottlands und auf den noch nördlicher gelegenen Inseln Orkney und Shetland. Die mächtigen Gebäude aus Trockenmauern, von Hand aufgeschichtet und ohne jeden Mörtel, boten Schutz vor Regen, Kälte und Wind – und vor den Feinden, die zu allen Zeiten übers Meer kamen und die es auf das fruchtbare Ackerland und die reichen Fischgründe abgesehen hatten.

Der Broch von Mousa auf den Shetlands ist der besterhaltene überhaupt. Er misst 15 Meter im Durchmesser, ist mehr als 13 Meter hoch und fast vollständig erhalten. Die viereinhalb Meter dicken Aussenmauern sind doppelwandig und hohl. Sie enthalten drei Kammern und eine Steintreppe, die bis auf die Mauerkrone hochführt. Im Inneren des kreisrunden Schlots sind ein Wassertank und eine Feuerstelle eingebaut.

Längst nicht alle Rätsel sind gelöst: Wie viele Menschen lebten in einem Broch? Gab es Holzböden, mehrere Stockwerke? Wie wurden die Dächer konstruiert, und womit wurden sie gedeckt? Klarer scheint dagegen, dass die Türme von den Rundhäusern abstammen, wie sie für die britischen Inseln typisch waren. Die hatten nämlich einen grossen Vorteil: Im Verhältnis zum Raum, den sie bieten, haben runde Bauten die kleinste Oberfläche.

Dass wir Brochs heute noch bestaunen können, hat übrigens einen ganz einfachen Grund: Weil das Klima im Norden für Bäume zu rauh ist, baute man mit Stein – mit Stein, der die Jahrtausende, im Gegensatz zum Holz, fast unbeschadet überdauerte.

Büroklammer

Ein Stückchen Draht, zu zwei rechteckigen Schlaufen gebogen, und fertig ist die Erfindung, die lose Blätter zuverlässig zusammenkneift: Die Büroklammer ist so einfach wie genial.

Nur wer der geniale Erfinder ist, lässt sich nicht mehr feststellen. Paper clips, wie die Büroklammern auf Englisch heissen, gibt es nämlich schon lange – eckig und rund, mit einer oder mit zwei Schlaufen. Seit 1890 werden sie in England industriell hergestellt, doch ein Patent auf unsere heutige Klammer – mitsamt der Fabrikationsmaschine – erhält erst am 7. November 1899 der Amerikaner William Middlebrook aus Connecticut. Und so tritt die mit Zink, Messing oder Kupfer beschichtete und damit rostfreie Drahtklammer ihren Siegeszug an.

Der simple Draht allerdings kann mehr, viel mehr: Nur mit einer Büroklammer liessen sich Mac-Disketten auswerfen, wenn der Servomotor mal wieder streikte, nur mit ihr lassen sich SIM-Karten in Handys einsetzen, und – einen sterbenslangweiligen Arbeitstag vorausgesetzt – sie lässt sich zu einem funktionsfähigen Kreisel biegen, wie der japanische Physikprofessor Takao Sakai herausgefunden hat. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie gar zum Nationalsymbol von Norwegen: Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im April 1940 begannen die Menschen an Kragen und Revers Büroklammern zu tragen, zum Zeichen des nationalen Zusammenhalts und des Widerstandes gegen die Nazis.

Und damit ist die Büroklammer ist nicht nur ein patenter Helfer, sondern auch ein Stückchen Weltgeschichte.

Cellophan

Das Sandwich, das appetitlich in der Auslage prangt, ist, wie es sich gehört, säuberlich in transparente Folie gehüllt. Womit wir zufrieden von dannen ziehen, ist also Brot, Beilage – und ein Viertelquadratmeter Cellophan. Und das ist ein kleines Wunder.

Cellophan fühlt sich wie Plastik an, ist es aber nicht. Cellophan – das Wort kommt vom Rohstoff Cellulose und dem griechisch-französischen diaphane, «durchsichtig» – wird vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. (Der Name übrigens ist, wie so oft, nur ein Markenname. Der Chemiker spricht von Cellulosehydrat – oder kurz von «Zellglas».) Und weil es eben kein Kunst-, sondern ein Naturstoff ist, lässt sich Cellophan sogar kompostieren; wer reines, unbeschichtetes Cellophan lieber ins Altpapier legt, liegt auch nicht falsch. Staunenswert ist allerdings nicht die bequeme Entsorgung, sondern vor allem eine chemische Eigenschaft. Cellophan alias Zellglas ist nämlich wasserdicht, doch Dampf lässt es passieren. Kondenswasser, etwa vom gewaschenen Salat, kann also durch die Folie hindurch verdunsten, und das Sandwich bleibt knusprig und frisch.

Den Wunderstoff erfunden hat ein Schweizer. Jacques Edwin Brandenberger war eine Art Wunderkind der Chemie, als er nach einem Studium an der Universität Bern und mit nur 22 Jahren seinen Doktortitel erwarb – summa cum laude, versteht sich. 1908 erfand er in Frankreich jene dünne, durchsichtige, nicht besonders elastische Folie, die er «Cellophan» nannte und die ihm bis zu seinem Tod 1954 ein beachtliches Vermögen eintragen sollte.

Aber Achtung: Längst nicht jede transparente Folie besteht aus Zellglas – oft genug ist es eine billigere Plastikfolie. Für Süssigkeiten aber, für Gebäck, Käse und Fleisch bleibt Cellophan bis heute die erste Wahl.

Chemtrail

Wenn ein Jet in grossen Höhen seine Linien zieht, kondensiert das Wasser, das in seinem Abgasstrahl enthalten ist, in der eiskalten Luft zu feinen Eiskristallen. Das Ergebnis sind schnurgerade künstliche Wolken, die, je nach Wetterlage, noch lange nach dem Vorbeiflug am Himmel stehen.

Diese Kondensstreifen, auf Englisch condensation trails oder contrails, sind ein Blickfang. Und eine geradezu ideale Projektionsfläche für allerlei Verschwörungsphantasien. Seit den 90er-Jahren wird hartnäckig behauptet, contrails seien vielmehr chemtrails: Nicht kondensiertes Wasser, sondern vielmehr Chemikalien, aus Grossraumflugzeugen versprüht, um die Menschen dumm und gefügsam zu machen. Um die menschliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und dem globalen Bevölkerungswachstum entgegenzuwirken. Um herkömmliches Saatgut zu vernichten, damit die Agrarindustrie ihre resistenten Sorten verkaufen könne. Ganz besonders hartgesottene Schwarzseher sehen Freimaurer, eine geheime Weltregierung, eventuell sogar Ausserirdische am Werk, die den Menschen ganz einfach schleichend vergiften wollen. Da mutet eine der Theorien geradezu harmlos an, die besagt, chemtrails rührten von wissenschaftlichen Versuchen her, Sonnenlicht zu reflektieren und die globale Erwärmung aufzuhalten.

Nichts davon trifft zu. Widerlegen lassen sich die Theorien leicht, nur stets ohne den geringsten Erfolg. Denn die wahren Gläubigen wissen: Wissenschaftliche Belege sind der endgültige Beweis dafür, wie raffiniert und weitgespannt die Verschwörung tatsächlich ist.

Computer

Ein Computer ist das eigentliche Gegenstück zum Menschen: Er ist in der Lage, in Sekundenbruchteilen Berechnungen durchzuführen, die ein Mensch in seinem ganzen Leben nicht schaffen würde, und doch besitzt er keinerlei Intelligenz. Das war nicht immer so. Denn computer kommt vom lateinischen computare, was ganz einfach «berechnen» heisst, und war im 17. Jahrhundert die Bezeichnung für Astronomen, deren Aufgabe es war, langwierige Berechnungen von Planetenbahnen durchzuführen.

Computer
Der erste nicht-menschliche Computer, der auch so genannt wurde, datiert von 1897. In diesem Jahr wurden weltweit gleich Dutzende von Patenten für mechanische Apparate eingereicht, die rechnen konnten, auch wenn das damals noch vor allem Geld zusammenzählen hiess. Als die US-Army 50 Jahre später, am 14. Februar 1946, ihren ersten elektronischen Rechner vorstellte, nannte sie ihn «Eniac», eine Abkürzung für Electronic Numerical Integrator and Computer, oder kurz electronic computer. Eniac kostete umgerechnet 7 Millionen Dollar, war 27 Tonnen schwer, beanspruchte den Raum eines mittleren Einfamilienhauses und war noch weit davon entfernt, das zu sein, was wir heute als Computer bezeichnen würden.

Und auch Eniac konnte nur, was bis dato Rechner aus Fleisch und Blut getan hatten: addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und Quadratwurzeln ziehen. Das aber konnte der Riesenapparat schon damals ziemlich schnell: Eine Addition schaffte Eniac in 0,2 Millisekunden, und selbst eine Quadratwurzel war in einer Drittelssekunde geschafft – jedenfalls solange keine der 17 500 Elektronenröhren kaputt war: Dann nämlich rechnete die Maschine, genau wie ihr menschliches Pendant bei Kopfschmerzen, schlicht und einfach falsch.