Dodekaeder, römische

1739 berichtete ein gewisser Mr. North in London von einem rätselhaften Fund im englischen Aston: ein geometrischer Körper aus Bronze, etwa faustgross und hohl, mit insgesamt zwölf Flächen, jede davon ein Fünfeck und mit einem unterschiedlich grossen Loch in der Mitte, dazu an jeder Ecke eine kleine Kugel.

Dieser Zwölfflächner, in der Fachsprache ein Dodekaeder, blieb ein Rätsel. Man fand bald heraus, dass er aus spätrömischer Zeit stammt, zwischen dem 2. und 4. Jh. Die Verwunderung stieg, als bald weitere Dodekaeder auftauchten. Bisher fand man in Römersiedlungen rund 130 Stück, manche schlicht, manche aufwändig dekoriert, in England, Frankreich, Deutschland, bis nach Ungarn, oft als Grabbeigaben, aber auch in Brunnen oder Flüssen, so als seien sie verloren gegangen. Auch in der Schweiz (in Augst, Windisch und Avenches) wurden solche Dodekaeder gefunden.

Wer hat sie hergestellt? Römer? Oder Kelten? Waren sie Dekoration, einfach schön anzusehen? Waren es Kultgegenstände? Spielwürfel? Messgeräte? Kerzenhalter für dickere und dünnere Kerzen, deren unterschiedliche Brenndauer die Zeit massen? Dienten sie astronomischen Zwecken – oder, weil alle Dodekaeder im kühlen Klima nördlich der Alpen gefunden wurden, am Ende gar eine Art Strickliesel für Handschuhe?

Niemand weiss es. Fest steht einzig: Solange in der römischen Literatur keine verlässlichen Hinweise auftauchen, rätselt die Forschung munter weiter.