General Drafting war eine der führenden Herstellerfirmen von Strassenkarten in den USA. Doch der Chef, Otto G. Lindberg, und sein Assistent Ernest Alpers hatten ein Problem: Die aufwändig gemachten Karten wurden immer wieder illegal kopiert. Da kamen die beiden auf die Idee, sich eine Stadt auszudenken, die es gar nicht gibt, eine sogenannte «paper town». Der Clou: Wenn diese Phantomstadt nun auf anderen Karten auftauchte, dann musste es sich dabei um ein Plagiat handeln. Und so kreierten sie die fiktive Stadt Agloe im Bundesstaat New York, ein Kunstwort aus den Initialen der beiden Kartografen. Agloe stand ab 1925 auf den Strassenkarten von General Drafting, an einer Kreuzung zweier Schotterpisten in den Catskill Mountains.
Und tatsächlich. Auf einmal tauchte Agloe, an exakt derselben Strassenkreuzung, auf einer Karte des Konkurrenten Rand McNally auf. Lindberg und Alpers drohten umgehend mit einer Klage. Alles falsch, wehrte sich Rand McNally: Agloe gebe es tatsächlich. Die Information stamme aus dem Grundbuch des Delaware County; an besagter Kreuzung stünden eine Fischerhütte und ein Laden. In der Tat waren immer mehr Menschen zu dieser komischen Kreuzung im Niemandsland gefahren, um nachzusehen, was es denn mit diesem Agloe auf sich habe. Und so hatte der Besitzer der Gebäude den Namen irgendwann in Agloe Lodge geändert, da der Name ja schon auf den offiziellen Karten stand. So war die Phantomstadt Agloe mit der Zeit also real geworden, und die Klage der Stadterfinder fiel ins Wasser.