Berners Street Hoax

Im Herbst 1810 spazierte der Journalist Theodore Hook mit einem Freund die Berners Street in London entlang. Da deutete Hook auf das Haus Nummer 54, in dem eine gewisse Mrs. Tottenham wohnte, und schlug eine Wette vor: Diesen unscheinbaren Ort werde er binnen kurzem zur bekanntesten Adresse der Stadt machen. Sein Freund schlug ein.

Zusammen mit zwei Gehilfen schrieb Hook eine Unzahl Briefe an Handwerker und Lieferanten und bestellte alle für denselben Tag in die Berners Street. Am Morgen des 27. November 1810 bezogen Hook und seine Freunde gegenüber dem Haus Stellung. Als erster klopfte ein Kaminfeger an, wurde aber vom Hauspersonal abgewiesen, weil keiner bestellt worden sei. Wenig später kamen elf weitere Kaminfeger, Dutzende Kohlewagen fuhren heran, geliefert wurden Fleisch, Fisch, Hochzeitstorten, selbst massgefertigte Särge. Sechs stämmige Männer lieferten eine komplette Orgel, dazu kamen mehrere Dutzend Klaviere. Gegen Ende des Tages drängten sich in der Berners Street Ärzte, Handwerker, Polizisten, zahllose Schaulustige. Die Polizei versuchte, die Strasse abzusperren, wurde aber von Hunderten Arbeitslosen überrannt, die angeblich zu einer Bewerbung bei Mrs. Tottenham aufgeboten waren. Erst in den Abendstunden gelang es, den Auflauf zu beenden.

Trotz einer ausgesetzten Belohnung konnte Scherzbold Hook nicht als Übeltäter ermittelt werden. Erst 25 Jahre später gab er den Streich zu, doch Folgen hatte das keine mehr. Und bis heute gilt der Berners Street Hoax als Paradebeispiel für britische Exzentrik.