Auf gut Glück

Ediacarium

Tag für Tag lagern sich auf der Erde Stoffe ab – Staub, Sand, Geröll, die Reste von Pflanzen und Tieren. Auf diese Weise schreibt die Natur seit Beginn der Erdgeschichte vor 4,6 Milliarden Jahren ein Tagebuch, Seite für Seite, Schicht für Schicht.

Dieses Tagebuch wird von Geologinnen und Paläontologen gelesen. Bloss: Vor einer Milliarde Jahren reissen die Aufzeichnungen ab. Ein rund 500 Millionen Jahre langes Kapitel fehlt; aus dieser Zeit hat so gut wie nichts überdauert. Forscher nennen diesen mysteriösen Abschnitt «Ediacarium».

Der Name kommt von den Ediacara Hills im Süden Australiens. Hier stiess 1946 der Forscher Reginald Sprigg auf Seiten dieses fehlenden Erdkapitels. Die Schichten enthalten Versteinerungen von Geschöpfen, die aussehen, als kämen sie von einem anderen Planeten: Meerestiere, die aussehen wie Farne oder Schwämme, wie gerippte Omeletten, Seesterne ohne Arme oder kriechende Fische ohne Knochen und Augen. Die Ediacara-Wesen waren sozusagen die Betaversion unserer heutigen Fauna: 60 Millionen Jahre lang bevölkerten sie die Flachmeere der Urzeit, bis sie vor 540 Millionen Jahren auf einmal verschwanden – genau dann, als sich unsere heutigen Tierstämme ausbreiteten.

Warum man aus diesem «Ediacarium» kaum Spuren findet, weiss die Wissenschaft erst seit kurzem: Gestaute vulkanische Hitze hob die Landmassen immer weiter an; bis sämtliche Schichten von Wind und Wetter abgetragen wurden, so dass am Ende nichts mehr übrigblieb.

Auf gut Glück

Eiffelturm

Das Verhältnis von Paris zu seinem Eiffelturm ist kompliziert. 1890 schreibt Guy de Maupassant, Frankreichs grosser Erzähler, in einer Reportage:

Ich habe Paris und Frankreich verlassen, weil ich den Eiffelturm so gründlich satt hatte. Nicht genug, dass man ihn von überall her sieht, man findet ihn auch überall zu kaufen, hergestellt aus jedem erdenklichen Material, ausgestellt in jedem Schaufenster – ein Alptraum.

Als sich Maupassant seinen Überdruss von der Seele schreibt, ist der Eiffelturm gerade mal drei Jahre alt, und die Weltausstellung, für die ihn der Ingenieur Gustave Eiffel erbaut hat, liegt erst ein Jahr zurück.

Aber tatsächlich ist der bei seiner Eröffnung 312 Meter hohe Turm bloss als Provisorium gedacht; jahrzehntelang rostet er vor sich hin, derweil die Stadt über einen Abriss streitet. Da schlägt die Stunde des Hochstaplers Victor Lustig. Der gibt sich als Vizegeneraldirektor des Postministeriums aus und schreibt den Eiffelturm 1925 kurzerhand zum Verkauf aus. Der Schrotthändler André Poisson, noch neu im Geschäft, geht dem dem Betrüger Lustig auf den Leim und ersteht die 7000 Tonnen Alteisen für 50 000 Dollar. Mit dem Geld in der Tasche macht sich Lustig aus dem Staub, der getürkte Handel fliegt auf, doch aus Angst vor Hohn und Spott verzichtet der geprellte Poisson auf einen Gang zur Polizei.

Kein Abriss, kein Verkauf: Im Lauf seiner Geschichte dient der Eiffelturm als militärische Funkstation, als Zeitzeichensender, als Radiostudio, Fernsehsender, Wetterstation. 300 Millionen Menschen haben ihn bisher besucht; Jahr für Jahr kommen weitere sechs Millionen dazu.

Von A bis Z

E-Mail

Wir schreiben das Jahr 1967. Der Ingenieur Lawrence Roberts, Architekt des Arpanet und damit einer der Väter des modernen Internet, war felsenfest überzeugt: Das Austauschen von Textmitteilungen unter den Netzwerkteilnehmern, so schrieb er, sei «kein wichtiger Beweggrund, ein Netz von wissenschaftlichen Rechnern aufzubauen». Es war die Zeit, als Telex noch ein schnelles Kommunikationsmittel war, als Computer noch schrankgross und nur etwas für die crème de la crème der Wissenschaft waren. «Not an important motivation» – welch krasse Fehleinschätzung!

Heute tragen wir Computer in der Tasche, die ein Eintausendfaches jener Rechner leisten, mit denen Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins 1969 auf den Mond gesteuert wurden, Computer, die gleich auch noch telefonieren können und lichtschnelle Postboten sind.

Die Post, damals Briefe oder Lochstreifen, ist heute digital. Und auch sie hat sich vervielfacht. 107 Billionen E-Mails wurden allein letztes Jahr verschickt, eine Zahl mit zwölf Nullen. Druckte man die alle auf Papier, der Turm reichte von der Erde bis hoch zur Venus.

Nur das Recht ist noch nicht so ganz im Internetzeitalter angekommen: E-Mails sind bis heute keine echten Beweismittel. Wer klagen will und nur eine E-Mail in der Hand hat, wird’s vor dem Richter schwer haben. Anders ist das beim Telefax, einer Technik, die fast schon ins Museum gehört.

Bei dieser ozeanischen Flut von E-Mails müsste man meinen, die Menschheit habe noch nie so viel geschrieben und gelesen wie heute. Schön wär’s. Neun von zehn aller Mails dieser Welt sind Spam.

Ediacarium

Tag für Tag lagern sich auf der Erde Stoffe ab – Staub, Sand, Geröll, die Reste von Pflanzen und Tieren. Auf diese Weise schreibt die Natur seit Beginn der Erdgeschichte vor 4,6 Milliarden Jahren ein Tagebuch, Seite für Seite, Schicht für Schicht.

Dieses Tagebuch wird von Geologinnen und Paläontologen gelesen. Bloss: Vor einer Milliarde Jahren reissen die Aufzeichnungen ab. Ein rund 500 Millionen Jahre langes Kapitel fehlt; aus dieser Zeit hat so gut wie nichts überdauert. Forscher nennen diesen mysteriösen Abschnitt «Ediacarium».

Der Name kommt von den Ediacara Hills im Süden Australiens. Hier stiess 1946 der Forscher Reginald Sprigg auf Seiten dieses fehlenden Erdkapitels. Die Schichten enthalten Versteinerungen von Geschöpfen, die aussehen, als kämen sie von einem anderen Planeten: Meerestiere, die aussehen wie Farne oder Schwämme, wie gerippte Omeletten, Seesterne ohne Arme oder kriechende Fische ohne Knochen und Augen. Die Ediacara-Wesen waren sozusagen die Betaversion unserer heutigen Fauna: 60 Millionen Jahre lang bevölkerten sie die Flachmeere der Urzeit, bis sie vor 540 Millionen Jahren auf einmal verschwanden – genau dann, als sich unsere heutigen Tierstämme ausbreiteten.

Warum man aus diesem «Ediacarium» kaum Spuren findet, weiss die Wissenschaft erst seit kurzem: Gestaute vulkanische Hitze hob die Landmassen immer weiter an; bis sämtliche Schichten von Wind und Wetter abgetragen wurden, so dass am Ende nichts mehr übrigblieb.

Eiffelturm

Das Verhältnis von Paris zu seinem Eiffelturm ist kompliziert. 1890 schreibt Guy de Maupassant, Frankreichs grosser Erzähler, in einer Reportage:

Ich habe Paris und Frankreich verlassen, weil ich den Eiffelturm so gründlich satt hatte. Nicht genug, dass man ihn von überall her sieht, man findet ihn auch überall zu kaufen, hergestellt aus jedem erdenklichen Material, ausgestellt in jedem Schaufenster – ein Alptraum.

Als sich Maupassant seinen Überdruss von der Seele schreibt, ist der Eiffelturm gerade mal drei Jahre alt, und die Weltausstellung, für die ihn der Ingenieur Gustave Eiffel erbaut hat, liegt erst ein Jahr zurück.

Aber tatsächlich ist der bei seiner Eröffnung 312 Meter hohe Turm bloss als Provisorium gedacht; jahrzehntelang rostet er vor sich hin, derweil die Stadt über einen Abriss streitet. Da schlägt die Stunde des Hochstaplers Victor Lustig. Der gibt sich als Vizegeneraldirektor des Postministeriums aus und schreibt den Eiffelturm 1925 kurzerhand zum Verkauf aus. Der Schrotthändler André Poisson, noch neu im Geschäft, geht dem dem Betrüger Lustig auf den Leim und ersteht die 7000 Tonnen Alteisen für 50 000 Dollar. Mit dem Geld in der Tasche macht sich Lustig aus dem Staub, der getürkte Handel fliegt auf, doch aus Angst vor Hohn und Spott verzichtet der geprellte Poisson auf einen Gang zur Polizei.

Kein Abriss, kein Verkauf: Im Lauf seiner Geschichte dient der Eiffelturm als militärische Funkstation, als Zeitzeichensender, als Radiostudio, Fernsehsender, Wetterstation. 300 Millionen Menschen haben ihn bisher besucht; Jahr für Jahr kommen weitere sechs Millionen dazu.

Elite

«Elite» ist ein ungeliebtes Wort. In unserer egalitären Welt macht sich verdächtig, wer es allein schon in den Mund nimmt. Dabei stammt es ursprünglich von der grundlegenden Kulturtechnik des Lesens ab: Elite kommt vom französischen élire und damit vom lateinischen legere, «lesen».

Es ist immer die Leistung, die darüber entscheidet, wer zur Elite zählt,

schreibt der deutsch-amerikanische Philosoph Herbert Marcuse. Und tatsächlich wird «Elite» im Frankreich des 18. Jahrhunderts zuerst vom aufstrebenden Bürgertum gebraucht. Gesellschaftliche Bedeutung sollen auf Tugend, Wissen und Leistung gründen und nicht bloss auf der Herkunft aus dem Adels- oder Königshaus.

Im frühen 19. Jahrhundert ist der Begriff «Elite» noch durchaus positiv. Revolutionen haben den verhassten Adel weggefegt, und die Industrialisierung pflügt die Gesellschaft um. Der Frühsozialismus beruft sich auf Platons «Herrschaft der Besten» und strebt nach einer «Herrschaft der Eliten». Liberale dagegen gestehen Zugehörigkeit zur Elite eher den Besitzenden und Gebildeten zu und prägen so das Wort in einem ökonomisch-technokratischen Sinn.

Am Ende wird «Elite» zum Kampfbegriff auf dem Schlachtfeld der Ideologien. Sozialphilosophen und Elitetheoretiker suchen eine Teilung der Gesellschaft in Ober- und Unterschichten zu rechtfertigen – oder aber zu verdammen. «Elite» gerät mehr und mehr in den Strudel von Sozialdarwinismus, Rassismus, Faschismus, Nationalsozialismus und wird am Ende, aller Realität zum Trotz, zum eigentlichen Unwort.

Emoji

Sie haben einen seltsam fremden Namen, und doch sind sie uns so vertraut wie die Buchstaben: die sogenannten «Emojis», jene Smileys und Symbole, ohne die kaum eine SMS oder eine WhatsApp-Nachricht mehr auskommt. «Emoji» hat nichts mit «Emotion» zu tun, sondern setzt sich aus den japanischen Wörtern 絵 (e) für «Bild» und 文字 (moji) für «Zeichen» zusammen.

In der Fachsprache sind Emojis sogenannte Ideogramme, eine Bilderschrift, deren Buchstaben nicht abstrakte Zeichen, sondern stilisierte Abbildungen sind. Ihr Erfinder heisst Shigetaka Kurita. Kurita, ein japanischer Designer, arbeitete Mitte der Neunzigerjahre für den Konzern NTT DoCoMo, und der hatte eine Vision: das Internet aufs Handy zu bringen. Das war damals noch klobig, liess sich nur mit Tasten bedienen, und sein einfarbiges Display war noch briefmarkenklein. So dachte sich Designer Kurita 12 mal 12 Pixel kleine Symbole aus, mit denen sich die aktuelle Stimmung treffender und vor allem schneller übermitteln liess. Die von japanischen Mangas inspirierten, wahlweise heiteren, traurigen oder grimmigen Smileys verbreiteten sich wie eine Epidemie – erst in Japan, dann in Asien, schliesslich der ganzen Welt.

Heute gibt es Emojis für alle Lebenslagen – Smilies, Tiere, Symbole von Ahornblatt bis Zirkuszelt. Nur: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Weil in Japan erfunden, kommt es bei den Emojis schon mal zu interkulturellen Missverständnissen: Der schnaubende, grimmig dreinblickende Smiley zum Beispiel ist ursprünglich das Zeichen für Triumph; der blaue Tropfen unter dem linken Auge des traurigen Emojis, den wir als Träne verstehen, ist in japanischen Mangas ganz einfach das Zeichen für Schlaf.

Enigma

Enigma heisst auf griechisch Rätsel. Enigma – so heisst auch die legendäre Verschlüsselungsmaschine des deutschen Reichs, das den alliierten Mächten im Zweiten Weltkrieg das Leben so schwer machte. Gebaut wurde die Maschine eigentlich schon seit 1923. Sie war ursprünglich für den zivilen Gebrauch gedacht, weckte aber bald das Interesse der Militärs, aus naheliegenden Gründen.

Enigma
Enigma
Die Enigma, das war ein 12 Kilo schwerer Koffer mit einem massiven Holzgehäuse, in dem sich eine Schreibmaschine befand, mit Batterie und beleuchteten Buchstaben. Texte wurden damit nach allen Regeln der Kunst verschlüsselt. Drei, vier oder gar acht austauschbare Walzen mit je allen 26 Buchstaben drehten sich, wie bei einem Kilometerzähler, mit jedem Tastendruck weiter und vertauschten die Buchstaben mit jedem Zeichen neu und anders. Aus OTTO – vier Buchstaben, je zwei davon gleich – wurde in der Enigma etwa QITF. Die verräterische Buchstabenhäufigkeit – 17,4 Prozent aller Buchstaben sind im Deutschen ein E – war weg.

Mit der Enigma verschlüsselte Meldungen erwiesen sich als nicht zu knacken, selbst dann noch nicht, als den Alliierten mehr als einmal Gebrauchsanweisungen, Schlüsseltafeln und und sogar Enigmas in die Hände fielen. Die Meisterleistung schaffte 1932 der erst 27-jährige Pole Marian Rejewski – mit einer legal gekauften Enigma, mit Glück und ganz viel Mathematik. Rejewskis Erfolg, dazu die Leistung der Analytiker im Spionage-Zentrum Bletchley Park bei London, der brillante britische Mathematiker Alan Turing mit seiner Entschlüsselungsmaschine – das alles machte es möglich, dass die Alliierten 1943 jeden Tag 2500 Funksprüche mitlesen konnten.

Nicht Kommandoaktionen, nicht Granaten und Geschütze: Die stärkste aller Waffen war am Ende das Genie einer Handvoll Mathematiker.

Etymologie

Etymologie, das ist die Wissenschaft, die die Herkunft der Wörter erforscht. Etymologie kommt vom altgriechischen etymos (wahrhaftig oder echt). Etymologie ist ein Fremdwort, das nur wenige kennen. Und das ist erstaunlich.

Genau genommen haben Menschen nämlich nur drei Fragen, wenn es um Sprache geht. Die erste – und häufigste: Wie schreibt man das? Die zweite, gerade bei Fremdwörtern: Was heisst das? Und schon die dritte: Woher kommt das?

Etymologie als eine Disziplin der Sprachwissenschaft war lange Zeit umstritten, und Etymologen wurden vielfach nicht ganz ernst genommen – was damit zusammenhängen mochte, dass ihre Wissenschaft mehr mit Raten und Behaupten zu tun hatte als mit wissenschaftlicher Forschung. Das änderte sich mit zwei Herren, die wir von ihrer Märchensammlung her kennen: den Gebrüdern Grimm. Beide – Jacob und der um ein Jahr jüngere Wilhelm Grimm – waren ausgewiesene Forscher, und beide suchten sie das Ursprüngliche, das Wahrhaftige in Sprache und Kultur. Sie nahmen das erste wissenschaftliche Werk der Etymologie in Angriff: das gewaltige Deutsche Wörterbuch, dessen erster Band 1854 erschien und das von ihren Nachfolgern erst 1960 fertiggestellt wurde. Noch heute ist das Deutsche Wörterbuch ein Pfeiler der Wissenschaft, die uns einwandfrei beweisen kann, dass der Hirsch, das Horn und unser Hirn viel enger miteinander verwandt sind, als wir das vermuten würden. Oder dass Mauer und Wand nicht nur anders gebaut werden, sondern viel mit dem Zusammenprall der römischen mit der germanischen Kultur zu tun haben.

Die Gebrüder Grimm übrigens haben den Aufschwung der Etymologie nicht mehr erlebt: Wilhelm Grimm starb schon 1859, Jacob vier Jahre später – über seinem letzten Artikel «Frucht».

Euphemismus

In der Antike war Rhetorik eine hoch angesehene Wissenschaft, und ohne das Beherrschen der kunstvollen Rede war eine Laufbahn als Anwalt, Politiker oder Heerführer undenkbar. In Rhetorikschulen wie der des Apollonius Molon auf Rhodos büffelten selbst Redner aus dem fernen Rom wie Marcus Tullius Cicero die Formen des geschliffenen Vortrags bis zum Umfallen. Bis heute tragen die rhetorischen Formen griechische Namen.

Eine davon ist der Euphemismus. Sein Name kommt von euphemein, «Gutes berichten». Der Euphemismus ist ein Hüllwort, eine abmildernde, oft beschönigende Umschreibung für einen schwierigen, anstössigen Sachverhalt oder gar für ein Tabu. Anzutreffen ist er besonders häufig im Bereich von Sexualität, von Krankheit und Tod. Wenn er auf dem Betriebsausflug die fette Firmenchefin «mollig» macht, dann ist der Euphemismus noch ausgesprochen nett. Wenn das Altersheim allerdings in «Seniorenresidenz» umbenannt wird, die dann nicht mehr von Putzfrauen, sondern von «Raumpflegerinnen» gereinigt wird, dann fängt das Verschleiern an. Wahre Beschönigungsvirtuosen sind die Manager und Politiker: Die einen reden von «Humankapital» und meinen damit Arbeiter, deren Ausbildung und Entlöhnung viel zuviel Geld kostet, und von «Restrukturierung», wenn sie sie am Ende in Massen entlassen. Die anderen haben Unwörter wie «Kollateralschäden» und «ethnische Säuberungen» auf dem Gewissen – und damit unschuldige Kriegsopfer bis hin zum Völkermord. Kein Wunder, dass der Euphemismus, ursprünglich ein Stilmittel der Rhetorik, derart in Verruf geraten ist.

Dabei wäre er eigentlich der hübschere – sein hässlicher Bruder nämlich ist der Dysphemismus: Dessen Ziel ist die eigentliche Schmährede, von der Abwertung einer Person oder Sache bis hin zum handfesten Schimpfwort.