Shitstorm

Das Wort gehört eindeutig nicht zum guten Ton, und doch entfährt es uns so manches Mal, wenn – Sch…! – Verzeihung, so manches Mal, wenn uns etwas misslingt. Auch die englische Übersetzung sh… ist im Schwang, und wenn sich die gleich kübelweise über den Urheber eines Blogs oder einer Facebookseite ergiesst, in Form von Schimpf-und-Schande-Kommentaren im Minutentakt, dann spricht man von einem Shitstorm. Wenn man das fremde Fäkalwort meiden wollte, könnte man wie der Duden von «Empörungswelle» sprechen, oder, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache vorschlägt, von «Netzhetze». Vergeblich. Wenn im Web ein Entrüstungssturm losbricht, wenn es Schmähungen nur so hagelt, dann spricht man neudeutsch von einem Shitstorm.

Das Wort erfreut sich einiger Beliebtheit. In der Schweiz wurde «Shitstorm» 2012 gar zum Wort des Jahres gekürt. Betroffen ist der Politiker, der sich seinen Doktortitel erschummelt hat, ebenso wie der Konzern, der betrügerischer Absprachen überführt wird. Für den Shitstorm gibt es eine Art Beaufort-Skala: von 0 (Windstille, keine kritischen Rückmeldungen) bis 6 (ungebremste Polemik eines aufgepeitschten Publikums, Orkan). Wenn ein solcher Sturm erst einmal so richtig tobt, dann reichen die Ratschläge selbsternannter Krisenkommunikationsexperten von Abschalten betroffener Webseiten bis hin zu fieberhafter Versöhnungshektik. Und alles taugt dann in etwa so viel wie das Aufspannen eines Regenschirms inmitten des Tornados.

Immerhin: Wie alle Stürme zieht auch der Shitstorm weiter. Irgendwann. Und die gebeutelten Social-Media-Manager mögen sich trösten mit der Erkenntnis, dass alles noch viel schlimmer hätte kommen können. Wie sagt doch der Volksmund? Wenn Dir ein Vogel auf den Kopf sch…, dann sei froh, dass Elefanten nicht fliegen können.

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