Likejacking

Zwei Milliarden Menschen haben heute Zugang zum Internet. Mehr als ein Viertel davon, über 500 Millionen, nutzen Facebook. Was einst Mark Zuckerberg und seine Freunde als Online-Jahrgangsbuch in ihrer Harvard-Studentenbude zusammenbastelten, hat sich dicht hinter Google zur unangefochtenen Nummer Zwei im Internet entwickelt.

Als Facebook im April 2010 den Like-Button veröffentlichte, jenen Knopf, mit dem man spannende Inhalte auf einen Klick weiter empfehlen kann, galt das als weitere Meisterleistung von Zuckerberg & Co.: Mit einemmal war Facebook nicht länger ein geschlossenes System, sondern – kraft eines gehobenen Daumens in schmuckem Facebook-Blau – von jeder beliebigen Seite aus erreichbar.

Da sind Schmarotzer nicht weit. Der Like-Knopf kann nämlich perfiderweise auch eine transparente, über ein sichtbares Bild gelegte Grafik sein. Über ein vorgegaukeltes Video, das meist auf niedere Instinkte abzielt, wird ein unsichtbarer Like-Button gelegt. Wer sich hinreissen lässt und klickt, wird erstens ungewollt auf eine obskure Webseite umgeleitet und hat zweitens allen Facebook-Freunden denselben Schund schmackhaft gemacht. Das muss nicht immer harmlos sein: Nicht selten nutzen die Gauner Sicherheitslücken aus und verbreiten Schädlinge. «Likejacking» nennt sich diese Bauernfängerei, von to like und hijacking, Entführung.

Dabei gäbe es eine ganz einfache Gegenmassnahme: Verspricht das Filmchen einen ausgiebigen Blick auf die unverhüllte Nachbarin, zeigt die Statuszeile eine unbekannte Adresse statt facebook.com und finden sich im Titel verräterische Rechtschreibfehler, dann sollte man sich den Klick verkneifen, sich selbst und allen Facebook-Freunden zuliebe.

Denn merke: Gauner können viel. Gutes Deutsch aber zählt nicht dazu.

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