Handy

Es ist nicht nur an aller Munde, das Handy – es ist vor allem an aller Ohr. Vor sich hinsprechende, gestikulierende Menschen auf dem Rad oder gar im Swimmingpool sind längst Alltag. Nur das Wort – Handy – das will einfach noch so gar nicht in den Mund passen.

Handy
Das findet auch die Amerikanerin und der Engländer. Wenn Sie den nämlich um sein Handy bitten, wird er Sie ganz einfach nicht verstehen – je nach Temperament werden Sie entweder ratlose Zurückhaltung oder aber einen Lachkrampf ernten. Für ihn heisst das Ding nämlich cell phone oder, etwas britischer, mobile. Aber ja, zugegeben, das Ding ist handy, und zwar durchaus in seiner englischen Bedeutung – nämlich bequem, handlich, praktisch.

Aber eigentlich heisst das in der Schweiz ja auch gar nicht Handy. Sondern Natel. Das ist eine so richtig schön amtlich bewilligte Abkürzung und heisst «Nationales Autotelefon». Es kommt aus einer Zeit, da Handys noch alles andere als handy, sondern vielmehr hässliche Reisekoffer waren. portable, so nennen die Franzosen ihr Handy, also tragbar waren sie mit einiger Anstrengung zwar durchaus, aber mobil? Das erste Schweizer Natel kam 1978 von Brown-Boveri, musste an eine Steckdose oder Autobatterie angeschlossen werden und eignete sich mit seinen 15 Kilo vor allem für gewichtige Gespräche. Und mit seinem Preis von 16 000 Franken war es seinen wenigen Besitzern lieb und sehr teuer.

Danach aber begannen die Natels zu schrumpfen – und wurden zum telefonino, wie die Italiener ihr bestes Stück nennen. Die leichtesten Geräte wiegen heute gerade mal 80 Gramm – das ist handy! Wenn das so weitergeht, dann behält jener Journalist doch recht, der vor einigen Jahren schrieb, bald schon liefen wir Gefahr, im Zug aus Versehen das Handy des Sitznachbarn einzuatmen.

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