Bank

Es ist gar nicht so lange her, da war die Welt noch in Ordnung und eine Bank einfach ein Geschäft. Heute allerdings sind Banken eine Art Naturkatastrophe, die über Völker hereinbricht und Länder, ja ganze Kontinente erschüttert.

Dabei ist die Bank eigentlich nichts weiter als die soziale Schwester des Stuhls.

bank und stul unterscheiden sich darin, dasz dieser nur für einen, jene meistens für mehrere nebeneinander eingerichtet ist.

Solches notierte treffend, wenngleich etwas pedantisch um 1860 der Märchensammler und Sprachforscher Jacob Grimm. Eine Bank bietet also mehreren Sitzenden Platz, und falls sie sehr lang gerät, lassen sich praktischerweise auch ungeliebte Aufgaben darauf schieben. Vor allem aber lässt sich auf der bank seit althochdeutschen Zeiten Geld wechseln. Die Bank, das war nämlich der Tisch des Geldwechslers. Auf diesen ursprünglich im Freien stehenden Tisch legte der Geldhändler in ordentlichen Stapeln seine Münzen, und auf ihm stellte er seine Banknoten aus, Banknoten, die im England des 17. Jahrhunderts noch nicht Geldscheine waren, sondern Quittungen für Einlagen von Gold und Silber. Diese Quittungen konnten – statt des Edelmetalls – selbst in Zahlung gegeben werden, und jedermann konnte sie ohne Wenn und Aber beim Geldhändler wieder einlösen. Später wurden die Bankiers, wie sie auch genannt wurden, von dieser unbedingten Einlösepflicht befreit, so dass aus den Banknoten unser heutiges Papiergeld entstand.

Doch schon damals war das Handeln mit Geld nicht ganz ohne Risiko. Ging einem Bankier das Geld aus, griff man in Italien zu drastischen Mitteln: Zum Zeichen seiner Zahlungsunfähigkeit wurde sein Wechseltisch, seine Bank, kurzerhand kurz und klein geschlagen. Damit war die banca rotta – und der Händler bankrott.

Bankomat

Luther George Simjian, 1905 im Osmanischen Reich geboren und im Zuge der türkischen Verbrechen an den Armeniern von seinen Eltern getrennt, ist in den Zehnerjahren einer von zahllosen armenischen Flüchtlingen. Nach einer Odyssee über Beirut und Marseille kommt er bei Verwandten in New Haven, Connecticut, unter. Schon immer hat Simjian davon geträumt, Arzt zu werden. Zwar schafft er es tatsächlich an die medizinische Fakultät der Universität Yale, doch nicht als Student, sondern vielmehr als Laborfotograf. Seiner Karriere steht das nicht im Weg, bloss wird er nicht Arzt, sondern Erfinder und Unternehmer.

Und was für einer. Seine wohl folgenreichste Erfindung ist der Bankomat, den er 1939 entwickelt und nach dem englischen Wort für «Kassierer» Automated Teller Machine nennt – tatsächlich heisst der Bankomat auf Englisch bis heute «ATM». Der Prototyp funktioniert tadellos, und Simjian meldet über 20 Patente an. Indes: Die Banken begegnen dem neuartigen Gerät mit grossem Misstrauen. Es kostet Simjian viel Überredungskunst, und erst 1968, knapp dreissig Jahre später, willigt die «City Bank of New York» in einen Probebetrieb ein.

Der ist ein Fehlschlag. Nach nur sechs Monaten wird das Testgerät wieder abgebaut.

Es sieht so aus, dass ein paar Prostituierte und Glücksspieler, die nicht von Angesicht zu Angesicht mit Kassierern zu tun haben wollten, die einzigen Benutzer waren,

schreibt Simjian resigniert. Es sind schliesslich andere Unternehmer und andere Konstruktionen, die dem Bankomaten zum Erfolg verhelfen, und Erfinder Simjian geht leer aus. Aber sein automatischer Bankbeamter ist heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Bankwesen

Börsenhändler neigen zu schwarzem Humor. Wer sich dieser Tage nach der Sicherheit seines Geldes erkundigt, das auf Schweizer Banken liegt, der wird beruhigt: Schweizer Banken seien Ozeanriesen, so sicher wie die Titanic.

Das klingt rabenschwarz, und dazu ist es so nicht einmal richtig. Erfasst hat die Krise vor allem Banken, die es so in der Schweiz gar nicht gibt: so genannte Investmentbanken. In den USA, wo die Bankenkrise ihren Ursprung hat, herrscht das so genannte Trennbankensystem vor. Hier gibt es zum einen die Geschäftsbanken, auf englisch: commercial banks. Sie nehmen Kundengelder auf, unterliegen aber einer schärferen Aufsicht. Daneben gibt es die investment banks: Sie verwalten Vermögen, handeln mit Wertpapieren und helfen Unternehmen bei der Aufnahme von Kapital, etwa bei einem Börsengang oder einer Kapitalerhöhung. Das Geschäft der Investmentbanken ist riskanter als das von Geschäftsbanken, aber es versprach in den letzten Jahrzehnten auch wesentlich mehr Gewinn.

In der Schweiz ist das alles etwas anders. Im Gegensatz zum amerikanischen Trennbankensystem gibt es hierzulande die so genannte Universalbank: Alle Banken können alle Dienstleistungen anbieten, vom Sparkonto über Kredit und Vermögensverwaltung bis hin zum Börsenhandel. Aus Sicht der Sparer und Unternehmen ist das sicherer: Das Risiko ist so auf möglichst viele verschiedene Bankgeschäfte und Kunden aus allen Wirtschaftszweigen verteilt. Dazu kommt die strenge Aufsicht durch die eidgenössische Bankenkommission und das verhältnismässig hohe Eigenkapital der Schweizer Banken.

Also doch wenig Grund für schwarzen Humor. Auch wenn es den unsinkbaren Wirtschaftsdampfer nicht gibt. Auch nicht unter den Banken.

Bargeld

Bargeld ist teuer. Das Drucken einer Banknote kostet zwar nur rund 30 Rappen. Weil die im Durchschnitt aber nur drei Jahre lang hält, fallen bei der Schweizerischen Nationalbank jedes Jahr Ersatzkosten von 20 bis 30 Millionen Franken an. Münzgeld ist noch teurer. Was Wunder, dass immer mehr Länder über die Abschaffung von Bargeld nachdenken.

2014 nannte der Harvard-Professor Kenneth Rogoff in einem vielbeachteten Aufsatz zwei gewichtige Gründe, die gegen Bargeld sprechen. Bargeld ist – erstens – eine Nullzinsanlage. Um in Zeiten einer drohenden Deflation Preise und Währungen stabil zu halten, haben die Notenbanken Negativzinsen eingeführt. Im Klartext sind das Gebühren, die die Geschäftsbanken am Ende bei ihren Kunden eintreiben. Auf einmal lohnt sich das Horten von Papiergeld, weil es unter der Matratze seinen Wert behält, auf dem Bankkonto dagegen nicht. Es liegt – zweitens – in der Natur des Bargelds, dass der Empfänger nichts über seine Herkunft zu wissen braucht. Bares, über oder unter dem Tresen durchgeschoben, verleiht Anonymität. Damit ist es dazu angetan, den Handel vor dem Staat zu verschleiern. Es wird geschätzt, dass weltweit mehr als die Hälfte allen Geldes im Untergrund verschoben wird.

Diese beiden Gründe – Nullzins und Anonymität –, dazu das Überhandnehmen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und die neuen Kryptowährungen wie Bitcoin legen laut Rogoff den Verzicht auf Bargeld nahe, zumindest erst einmal der grossen Noten. Ein so radikaler Vorschlag bleibt natürlich nicht unwidersprochen. Aber: Eine Reihe von Ländern haben bereits Barzahlungs-Höchstbeträge eingeführt, und als erstes Land der Welt ist Schweden dabei, das Zahlen mit Cash gänzlich abzuschaffen.

Blockbuster

Alles begann 1917, mit einem spektakulären Urteil des höchsten Gerichts der Vereinigten Staaten. Dem Supreme Court in Washington D.C. lag ein Gesetz von Louisville, Kentucky, vor, das den Verkauf von Liegenschaften in von Weissen bewohnten Stadtvierteln an Käufer anderer Hautfarbe verbot. Dieses Gesetz, so befanden die Richter, verletze die Vertragsfreiheit und sei daher ungültig.

Was wie ein Sieg im Kampf gegen die Rassentrennung aussah, erwies sich als Goldgrube für halbseidene Immobilienmakler. Ihr Trick nannte sich blockbusting: Weil sich nun jedermann, egal welcher Hautfarbe, überall, egal an welcher Strasse, einkaufen konnte, boten die Händler ein Haus, das in einem bisher nur von Weissen bewohnten Viertel lag, einer schwarzen Familie an, die den übervölkerten Ghettos entfliehen wollte. Darauf streuten sie das Gerücht, weitere farbige Familien seien dabei, in die Nachbarschaft zu ziehen. Wo sich Rassenvorurteile hartnäckig hielten, begannen immer mehr weisse Hausbesitzer, zu verkaufen. In gewissen Vierteln machte sich gar eine regelrechte Panik breit, und je mehr Verkäufer, desto tiefer die Verkaufspreise. Am Ende rieben sich die Makler die Hände und verkauften die leerstehenden Häuser tatsächlich an Farbige, allerdings mit einem unverschämten Aufschlag.

In seiner wörtlichen Bedeutung, «einen Häuserblock weg- oder leerfegen», bedeutete blockbuster in den 1940er-Jahren eine verheerende Fliegerbombe und, im Oxford English Dictionary, einen erfolgreichen Musikfilm. Die Herkunft aus Halsabschneiderei und Rassismus dagegen ging allmählich vergessen.