Blockbuster

Alles begann 1917, mit einem spektakulären Urteil des höchsten Gerichts der Vereinigten Staaten. Dem Supreme Court in Washington D.C. lag ein Gesetz von Louisville, Kentucky, vor, das den Verkauf von Liegenschaften in von Weissen bewohnten Stadtvierteln an Käufer anderer Hautfarbe verbot. Dieses Gesetz, so befanden die Richter, verletze die Vertragsfreiheit und sei daher ungültig.

Was wie ein Sieg im Kampf gegen die Rassentrennung aussah, erwies sich als Goldgrube für halbseidene Immobilienmakler. Ihr Trick nannte sich blockbusting: Weil sich nun jedermann, egal welcher Hautfarbe, überall, egal an welcher Strasse, einkaufen konnte, boten die Händler ein Haus, das in einem bisher nur von Weissen bewohnten Viertel lag, einer schwarzen Familie an, die den übervölkerten Ghettos entfliehen wollte. Darauf streuten sie das Gerücht, weitere farbige Familien seien dabei, in die Nachbarschaft zu ziehen. Wo sich Rassenvorurteile hartnäckig hielten, begannen immer mehr weisse Hausbesitzer, zu verkaufen. In gewissen Vierteln machte sich gar eine regelrechte Panik breit, und je mehr Verkäufer, desto tiefer die Verkaufspreise. Am Ende rieben sich die Makler die Hände und verkauften die leerstehenden Häuser tatsächlich an Farbige, allerdings mit einem unverschämten Aufschlag.

In seiner wörtlichen Bedeutung, «einen Häuserblock weg- oder leerfegen», bedeutete blockbuster in den 1940er-Jahren eine verheerende Fliegerbombe und, im Oxford English Dictionary, einen erfolgreichen Musikfilm. Die Herkunft aus Halsabschneiderei und Rassismus dagegen ging allmählich vergessen.

Blüte

Die Blüte ziert nicht nur den Blumenstrauss, sie ist auch Rotwelsch und steht in der Gaunersprache für eine gefälschte Banknote. Möglicherweise stammt sie von blede ab, einem alten Wort für «Goldstück». So hiessen im 19. Jahrhundert blank polierte Pfennige, die man Gutgläubigen unterschob. Seit jeher haben Händler deshalb ein Auge darauf, dass ihnen da nicht etwa Falschgeld untergejubelt wird. Im Mittelalter schuf ein beherzter Biss Klarheit – Falschgeld war in der Regel härter als das weiche Münzgold. Dem Fälscher drohte dann ein grausamer Tod: Er wurde, die Füsse voran, mit einer Winde langsam in siedendes Öl getaucht.

Heute sind die Strafen weniger drakonisch, und trotz Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr wird nach wie vor gefälscht, was das Zeug hält. Ein ergiebiger, aber anspruchsvoller Weg ist das Nachdrucken: Die Druckplatten werden, Farbe für Farbe, in mühevoller Kleinarbeit hergestellt und die Banknoten danach in Serien gedruckt. Noch bis zur Jahrtausendwende waren gedruckte Blüten beliebt, doch heute sind die meisten hausgemacht: 2013 wurden Noten im Wert von über einer halben Million Franken aus dem Verkehr gezogen, die aus einem Farbkopierer oder gar aus einem billigen Tintenstrahldrucker stammten.

Die Fälscher, das sind Banden, die Blüten industriell herstellen, das sind arme Schlucker, die in ihrer Not nicht anders können. Und dann gibt es da noch den Künstler: 1973 flog in München der später als «Blütenrembrandt» bezeichnete Grafiker Günter Hopfinger auf. Er hatte deutsche Tausendmarkscheine zu Dutzenden nachgemacht – mit dem Tuschefüller und von Hand. Für einen einzelnen Schein, so erklärte er den verdutzten Polizeibeamten, habe er nur acht Stunden gebraucht.

Computervirus

Die Geschichte der Computerviren beginnt 1949. John von Neumann, ungarisch-amerikanischer Mathematiker und Professor an der Universität von Illinois, beschreibt in einem Essay ein Computerprogramm, das sich wie ein Organismus fortpflanzen kann. Ein Code, der in der Lage ist, sich selbst zu reproduzieren – das ist zwar erst graue Theorie, aber eine wissenschaftliche Sensation. 1972 wird der österreichische Ingenieur Veith Risak konkreter. Sein Artikel mit dem Titel «Selbstreproduzierende Automaten mit minimaler Informationsübertragung» ist die erste präzise Bauanleitung für einen Virus – damals noch in der Programmiersprache «Assembler» und für einen der damaligen Grossrechner von Siemens gedacht.

So richtig ernst wird es im Januar 1986. Basit und Amjad Farooq Alvi aus Lahore, Pakistan, sind Programmierer von Medizinalsoftware. Zu ihrem Leidwesen werden die Disketten immer öfter raubkopiert, und so sehen sich die Brüder gezwungen, ihr Programm zu schützen. Ein Virus, der allererste für das vorherrschende Betriebssystem MS-DOS, befällt alle Rechner, auf denen eine illegale Kopie läuft. Der Schädling selbst hat durchaus noch Charme: Im Code veröffentlichen die beiden Brüder nämlich ihre Postadresse mitsamt der Telefonnummer, damit man sie kontaktieren kann, um eine legale Kopie der Software zu kaufen und den befallenen Computer wieder zu desinfizieren. Immer mehr aufgebrachte Nutzer aus aller Welt rufen an. Die Brüder rechtfertigen sich wortreich, dass ihre Absicht keine schlechte gewesen sei – bis am Ende die Leitung zusammenbricht.

So kommt es, dass die Computerviren ihren Siegeszug antreten – und dass Antivirenprogramme ein Milliardengeschäft werden.

Dunning-Kruger-Effekt

Das Problem mit dummen Menschen ist, dass sie keine Ahnung haben, wie dumm sie wirklich sind.

Der bitterböse Sketch des britischen Komikers John Cleese ist tatsächlich ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung. David Dunning, Professor für Sozialpsychologie und ein Freund von Cleese, schrieb 1999 zusammen mit seinem Kollegen Justin Kruger an der Cornell University ein anfänglich kaum beachtetes Papier. Es zeigte, dass Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz zu erkennen, zu einer überhöhten Selbsteinschätzung führen. Dunning und Kruger wiesen nach, dass Menschen mit spezifischen Schwächen – etwa beim Lesen, Autofahren oder Schach – dazu neigen, ihr eigenes Können zu überschätzen, während sie gleichzeitig das der anderen unterschätzen. Diesen «Dunning-Kruger-Effekt», wie das Phänomen heute heisst, beschreibt Dunning so:

Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die wir brauchen, um die Lösung eines Problems zu finden, sind genau die selben Fähigkeiten, die nötig wären, um die gefundene Lösung als richtig zu erkennen. Wir sind nicht so gut darin, zu wissen, was wir nicht wissen.

Auf die Spur gebracht hatte die Forscher ein Banküberfall: Der Bankräuber McArthur Wheeler in Pittsburgh hatte keine Maske getragen und war von Überwachungskameras gefilmt worden. Die Bilder kamen in den Nachrichten, und keine Stunde später wurde Wheeler verhaftet. Mit den Videos konfrontiert, murmelte der verblüffte Räuber: «Aber ich war doch voller Saft!» Er hatte felsenfest geglaubt, dass sein mit Zitronensaft eingeriebenes Gesicht für Kameras unsichtbar sei. Was nicht ganz den Tatsachen entsprach.

Farinet, Joseph-Samuel

Es gibt zweieinhalb Wege, um zu Geld zu kommen: arbeiten oder stehlen. Der dritte, es zu fälschen, ist bestenfalls ein halber, und wer ihn geht, steht mit einem Bein im Gefängnis.

Einer, der diesen Weg unverdrossen und mit grossem Geschick gegangen ist, war der 1845 im Aostatal geborene Bauernsohn Joseph-Samuel Farinet. Zusammen mit seinen Gehilfen fälschte Farinet nicht etwa Banknoten, wie dies die meisten seiner Berufskollegen tun, sondern vielmehr 20-Rappenstücke. Aus gutem Grund: Zum einen waren in den 1870-er Jahren 20 Rappen gutes Geld, und zum anderen genossen die Münzen das Vertrauen der Händler und Bauern, ganz anders als das Papiergeld der wegen Fehlspekulationen in Schieflage geratenen Walliser Kantonalbank.

Mehr als zehn Jahre lang brachte Farinet so viele 20-Räppler in Umlauf, dass am Ende ein Drittel aller Münzen sogenannte Farinets gewesen sein sollen. Von der schieren Menge an Falschgeld alarmiert, griff schliesslich der Bundesrat ein und verlangte von der Walliser Regierung die Festnahme des dreisten Falschmünzers. In einer Schlucht bei Saillon in die Enge getrieben, fand Farinet am 17. April 1880 den Tod – ausgerutscht und in die Tiefe gestürzt, behauptete die Polizei; kaltblütig erschossen, erzählten sich dagegen die Dörfler.

Literatur und Film haben Farinet ein Denkmal als «Robin Hood der Alpen» gesetzt, doch die Wahrheit ist viel prosaischer. Sein Leben war eine einzige Flucht: vor dem Elend und vor dem Gesetz.