Bargeld

Bargeld ist teuer. Das Drucken einer Banknote kostet zwar nur rund 30 Rappen. Weil die im Durchschnitt aber nur drei Jahre lang hält, fallen bei der Schweizerischen Nationalbank jedes Jahr Ersatzkosten von 20 bis 30 Millionen Franken an. Münzgeld ist noch teurer. Was Wunder, dass immer mehr Länder über die Abschaffung von Bargeld nachdenken.

2014 nannte der Harvard-Professor Kenneth Rogoff in einem vielbeachteten Aufsatz zwei gewichtige Gründe, die gegen Bargeld sprechen. Bargeld ist – erstens – eine Nullzinsanlage. Um in Zeiten einer drohenden Deflation Preise und Währungen stabil zu halten, haben die Notenbanken Negativzinsen eingeführt. Im Klartext sind das Gebühren, die die Geschäftsbanken am Ende bei ihren Kunden eintreiben. Auf einmal lohnt sich das Horten von Papiergeld, weil es unter der Matratze seinen Wert behält, auf dem Bankkonto dagegen nicht. Es liegt – zweitens – in der Natur des Bargelds, dass der Empfänger nichts über seine Herkunft zu wissen braucht. Bares, über oder unter dem Tresen durchgeschoben, verleiht Anonymität. Damit ist es dazu angetan, den Handel vor dem Staat zu verschleiern. Es wird geschätzt, dass weltweit mehr als die Hälfte allen Geldes im Untergrund verschoben wird.

Diese beiden Gründe – Nullzins und Anonymität –, dazu das Überhandnehmen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und die neuen Kryptowährungen wie Bitcoin legen laut Rogoff den Verzicht auf Bargeld nahe, zumindest erst einmal der grossen Noten. Ein so radikaler Vorschlag bleibt natürlich nicht unwidersprochen. Aber: Eine Reihe von Ländern haben bereits Barzahlungs-Höchstbeträge eingeführt, und als erstes Land der Welt ist Schweden dabei, das Zahlen mit Cash gänzlich abzuschaffen.

Brakteat

Jahrhundertelang war der Handel Europas von den Münzen der Römer geprägt. Vorder- und Rückseite der römischen Münzen wurden mit aufwändig gravierten, gehärteten Prägestempeln geschlagen – Ornamente, Inschriften, Porträts traten auf der Münze deutlich hervor.

Diese Art der Münzherstellung war Hightech, und sie war teuer. Als im 5. Jahrhundert das römische Imperium zusammenbrach, fehlten auf einmal die Münzprofis, und zu allem Überfluss erforderte der aufblühende Handel immer mehr Zahlungsmittel. Also begann man in Skandinavien und Deutschland die Münzprägung zu vereinfachen. Hergestellt wurde nur noch eine Prägeform, der Oberstempel. Ein kleines, grob zurechtgeschnittenes Stück Silberblech wurde auf eine Bleiplatte gelegt und mit einem Hammerschlag geprägt. Die Münzen waren zwar dünn und unscheinbar, aber viel rascher und vor allem billiger herzustellen. Nach ihrer Herstellung nennt man sie «Brakteaten», von lateinisch bractea, «dünnes Blech», oder auch «Hohlpfennige», weil das Münzbild auf der Rückseite hohl war. Diese Brakteaten waren ein wirtschaftlicher Erfolg: Von Dänemark und Deutschland breiteten sie sich bis in die Schweiz und nach Liechtenstein aus, und noch bis ins 14. Jahrhundert wurden niedrige Münzwerte als Brakteaten geprägt.

Münzen waren im Frühmittelalter nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch Wertanlage. Als Tresor diente oft das Erdreich im oder vor dem Haus; in Beuteln, Töpfen oder Kassetten wurde das Geld vergraben. Ging es vergessen, weil sein Besitzer unerwartet starb, blieb der Schatz erhalten – bis in unsere Zeit.

Butterzentrale

Die Lage wurde kritisch. «Krasse Übelstände» gebe es zu bekämpfen, schrieb der Bundesrat am 18. August 1917. Weil aufwändiger als Rohmilch, aber weniger rentabel als Käse, wurde im Ersten Weltkrieg immer weniger Butter produziert. Die wurde ein rares Gut: Bauern hielten ihre eigene Butter zurück und schmuggelten sie an den amtlichen Kontrollen vorbei. Während sich Herr und Frau Schweizer in den Vorkriegsjahren pro Monat noch ein volles Pfund Butter aufs Brot streichen konnten, fiel der Verbrauch im Krieg auf unter 100 Gramm.

Ab sofort, so ordnete der Bundesrat an, werde der Butterhandel daher unter staatliche Kontrolle gestellt. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, wurden eine «Eidgenössische Zentralstelle für Milch und Milchprodukte» und in den Regionen sogenannte «Verbandsbutterzentralen» ins Leben gerufen. Diese Zentralen sollten dafür sorgen, dass Butter nicht mehr unter der Hand und zu überhöhten Preisen beim Bauern, sondern nur noch in konzessionierten Käsereien gekauft werden konnte. Ausserdem sollten die Butterzentralen das Horten verhindern, die vom Bundesrat festgesetzten Höchstpreise durchsetzen und dem Bundesrecht Geltung verschaffen: Einzelne Kantone hatten sich mit kantonalen «Ausfuhrverboten» geweigert, ihre knappe Butter über die Kantonsgrenzen zu lassen.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Butterversorgung in der Schweiz fragil: In den Zwischenkriegsjahren brach der Milchpreis ein, im Zweiten Weltkrieg wurden Milchprodukte wieder knapp. Unter dem Namen «Butyra» blieben die Butterzentralen noch bis 1999 am Leben.

CFA-Franc

Der CFA-Franc ist die offizielle Währung des Senegal und 13 weiterer Länder in Zentral- und Westafrika mit insgesamt 155 Millionen Einwohnern. Die Länder gehören zu den einstigen Kolonien Frankreichs in Afrika, und diese dunkle Vergangenheit trägt er auch im Namen: «CFA» hiess nämlich bis 1958 Colonies Françaises d‘Afrique; heute steht es für Communauté Financière d‘Afrique.

Der CFA-Franc verschafft Frankreich grossen Einfluss auf die afrikanische Wirtschaft. Denn er ist an seine Währung gebunden – früher an den Franc, heute an den Euro: Ein CFA-Franc hat den festen Wert von 0,1524 Euro-Cent, und das heisst Zweierlei: Für die afrikanischen Länder hat das den Vorzug der Stabilität, aber ebenso den Nachteil der Abhängigkeit. 50% der Devisenreserven müssen bei der Agence France Trésor in Paris hinterlegt werden und sind so dem Zugriff der CFA-Länder entzogen, als Ausgleich dafür, dass Frankreich die Umtauschbarkeit in andere Währungen garantiert.

Das bedeutet vor allem Macht. Die Noten werden in Frankreich gedruckt, und 1994 beschloss die Banque de France sogar eine Abwertung des CFA-Francs, ohne die betroffenen afrikanischen Staaten auch nur zu konsultieren. Afrikanische Ökonomen kritisieren daher, die von Paris kontrollierte Einheitswährung bremse Afrikas wirtschaftliche Entwicklung und erleichtere die Kapitalflucht. Andere geben zu, die Kolonialwährung zwinge die 14 Notenbanken zu einer Disziplin, die diese von sich aus kaum aufbrächten. Der umstrittene CFA-Franc wird so schnell nicht aus den Schlagzeilen verschwinden.

Defizit

Dem erfolgreichen Patron ist es fremd: das Defizit. Ein Fremdwort, in der Tat: deficit heisst in lapidarem Latein «es fehlt». Wenn’s um Geld geht, ist das dann nichts anderes als ein Loch in der Kasse. Und die gibt’s bekanntlich überall da, wo mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird. Doch während man in Unternehmen von Verlusten spricht, von cash drain und negativem EBIT und dergleichen Wirtschafts-Kauderwelsch mehr, wird von Defizit vor allem bei öffentlichen Haushalten, beim Staat gesprochen.

Bis vor wenigen Jahren waren beim Bund Defizite der Normalfall: Seine Einnahmen sind vor allem Steuern von Privatpersonen und Unternehmen. Während die dem Gang der Wirtschaft folgen, gehorchen die staatlichen Ausgaben viel eher den Gesetzen politischer Opportunität. Und weil sich das Parlament viel lieber durch Versprechen auszeichnet als durch Sparen, wuchs in der Vergangenheit der Schuldenberg des Bundes ungebremst an, von 38 Milliarden Franken im Jahr 1990 auf 130 Milliarden im Jahr 2005. 2008 waren es noch 125 Milliarden – immer noch ein volles Viertel des Bruttoinlandprodukts, also des Gesamtwerts dessen, was die Schweiz pro Jahr leistet und herstellt.

Im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt sind die Schulden mittlerweile wieder am Sinken, denn seit 2003 wirkt die sogenannte Schuldenbremse: Die Bundesverfassung legt fest, dass der Bund seinen Haushalt auf Dauer im Gleichgewicht halten soll. Die Ausgaben werden nach gesetzlicher Rechenformel strikte begrenzt. Und tatsächlich: Die Verschuldung sinkt. Im Internationalen Vergleich ist die Schweiz zwar noch lange kein Musterknabe, aber auch kein wirklicher Sünder. Wenn die Konjunktur mitspielt, dann wird, zumindest nach Ansicht der Behörden, das Wort Defizit auf Jahre hinaus ein Fremdwort bleiben.