Bankomat

Luther George Simjian, 1905 im Osmanischen Reich geboren und im Zuge der türkischen Verbrechen an den Armeniern von seinen Eltern getrennt, ist in den Zehnerjahren einer von zahllosen armenischen Flüchtlingen. Nach einer Odyssee über Beirut und Marseille kommt er bei Verwandten in New Haven, Connecticut, unter. Schon immer hat Simjian davon geträumt, Arzt zu werden. Zwar schafft er es tatsächlich an die medizinische Fakultät der Universität Yale, doch nicht als Student, sondern vielmehr als Laborfotograf. Seiner Karriere steht das nicht im Weg, bloss wird er nicht Arzt, sondern Erfinder und Unternehmer.

Und was für einer. Seine wohl folgenreichste Erfindung ist der Bankomat, den er 1939 entwickelt und nach dem englischen Wort für «Kassierer» Automated Teller Machine nennt – tatsächlich heisst der Bankomat auf Englisch bis heute «ATM». Der Prototyp funktioniert tadellos, und Simjian meldet über 20 Patente an. Indes: Die Banken begegnen dem neuartigen Gerät mit grossem Misstrauen. Es kostet Simjian viel Überredungskunst, und erst 1968, knapp dreissig Jahre später, willigt die «City Bank of New York» in einen Probebetrieb ein.

Der ist ein Fehlschlag. Nach nur sechs Monaten wird das Testgerät wieder abgebaut.

Es sieht so aus, dass ein paar Prostituierte und Glücksspieler, die nicht von Angesicht zu Angesicht mit Kassierern zu tun haben wollten, die einzigen Benutzer waren,

schreibt Simjian resigniert. Es sind schliesslich andere Unternehmer und andere Konstruktionen, die dem Bankomaten zum Erfolg verhelfen, und Erfinder Simjian geht leer aus. Aber sein automatischer Bankbeamter ist heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.